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DTB-Chef Altenburg: "Kapitän braucht starkes Rückgrat"

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DTB-Chef Altenburg: "Kapitän braucht starkes Rückgrat"

12.11.2012, 13:19 Uhr | dpa

DTB-Chef Altenburg: "Kapitän braucht starkes Rückgrat". Karl-Georg Altenburg ist seit einem Jahr Präsident des Deutschen Tennis Bundes.

Karl-Georg Altenburg ist seit einem Jahr Präsident des Deutschen Tennis Bundes. (Quelle: dpa)

Frankfurt/Main (dpa) - Karl-Georg Altenburg ist seit einem Jahr Präsident des Deutschen Tennis Bundes. Zuletzt stand der DTB wegen des Rücktritts von Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen heftig in der Kritik.

Im Interview der Nachrichtenagentur dpa spricht der Deutschland-Chef der amerikanischen Investment-Bank JP Morgan über Visionen und Altlasten, eine möglicherweise zu spät erfolgte Trennung von Kühnen und die Anforderungen an den neuen Davis-Cup-Kapitän.

Herr Altenburg, am Dienstag sind Sie ein Jahr im Amt. Haben Sie es schon bereut, DTB-Chef geworden zu sein? Wie fällt Ihr Fazit aus?

"Wir sind vor einem Jahr angetreten mit einer klaren Vision, das deutsche Tennis wieder zu beleben. Dazu gehören zwei große Komponenten: Die eine ist, in unseren Nachwuchs zu investieren. Das läuft bei den Damen sehr gut. Bei den Herren stehen wir vor einem Neuanfang. Die zweite, fürs Tennis mehr Anhänger aus allen gesellschaftlichen Schichten zu finden."

À propos Neuanfang. Der begann bei den Herren mit dem Rücktritt von Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen. Er hat dem DTB unter anderem im Streit mit Philipp Kohlschreiber mangelnde Rückendeckung vorgeworfen.

"Wir haben Patrik Kühnen bei seinen Entscheidungen maximal den Rücken gestärkt. Wir sind ohne unsere beiden besten Spieler (Philipp Kohlschreiber, Tommy Haas) in das Abstiegsspiel gegen Australien gegangen. Unter diesen Voraussetzungen mussten wir damit rechnen, zu verlieren und abzusteigen. Das hätte den weiteren Weg zusätzlich erschwert."

Sie meinen die Zusage, dass Patrik Kühnen auch nach einem Abstieg weiter Teamchef hätte bleiben können?

"Ja, wir haben ihm die stärkste Rückendeckung gegeben, die man einem Trainer geben kann. Ich hätte erwartet, dass man nach diesem Erfolg aus einer Position der Stärke herausgeht und versucht, die Hand auszustrecken und das Team wieder zu einen. Denn letztlich ist eines klar: Die wichtigste Aufgabe eines Davis-Cup-Kapitäns ist, das beste Team hinter sich zu bringen und zu motivieren. Das kann nicht ich machen, das ist seine Aufgabe. Das haben wir auch oft besprochen. Und als sich abzeichnete, dass das offensichtlich nicht möglich ist, musste man dann eben sagen: Jetzt ist es für alle Beteiligten das Beste, einen Neuanfang zu machen."

Warum konnte dieser Zwist zwischen Kühnen und Philipp Kohlschreiber nicht gelöst werden?

"Ich weiß es nicht, vielleicht waren die Gräben zu tief. Aber es macht für ihn, es macht für keinen Trainer der Welt einen Sinn, wenn er das Team nicht hinter sich hat."

Aber diese Anzeichen gab es ja bereits nach dem Davis-Cup-Spiel gegen Argentinien in Bamberg im Februar und spätestens nach der Kühnen-Ausbootung für den World Team Cup im Mai.

"Ja, da müssen wir auch selbstkritisch sein und uns fragen: Hätte man nicht schon viel früher einschreiten müssen? Hätte man nicht schon nach Bamberg sagen müssen: Es geht nicht mehr. Im Nachhinein hätte man vielleicht den Neuanfang früher machen müssen. Aber nach zehn Jahren mit Patrik Kühnen schmeißt du das nicht einfach hin, wenn es Querelen gibt. Patrik hat große Verdienste."

Wieso hat es nie mit einem Versöhnungsgespräch geklappt? Sie wollten doch die beiden Parteien eigentlich an einen Tisch bringen.

"Wir haben wirklich darauf gedrungen. Es war schon vereinbart, es gab sogar schon einen Termin. Das war für den Tag (31. Oktober) vorgesehen, als Patrik dann seinen Rücktritt erklärt hat."

In der Öffentlichkeit steht Kohlschreiber nun als Königsmörder da.

"Das war er aber nicht - ganz klar."

Trotzdem ist sein Image miserabel. Kann er von einem neuen Kapitän wieder nominiert und von den Fans als Nummer eins akzeptiert werden?

"Absolut. Der neue Kapitän muss die Fachkompetenz haben, die Gesamtaufgabe, also Davis-Cup-Team und Nachwuchsförderung, optimal auszufüllen. Dazu muss er das Team einen und bei den Spielern Akzeptanz haben. Er braucht ein starkes Rückgrat."

Für das Amt werden vier Namen gehandelt: Rainer Schüttler, Alexander Waske, Michael Kohlmann und Carsten Arriens. Wer wird's?

"Mit diesen Namen liegen Sie schon mal nicht ganz falsch. Es ist erfreulich, dass wir mehrere Kandidaten haben, die unserem Anforderungsprofil entsprechen. Das sind gute und kompetente Leute. Ich freue mich, dass es trotz allem für dieses Amt ein reges und qualifiziertes Interesse gibt. Wir werden zeitnah eine Entscheidung fällen, die hoffentlich das Beste fürs deutsche Tennis ist."

Also einer der Vier wird es. Ist auch eine Teamlösung denkbar?

"Wir werden sicher wieder die Position des Co-Trainers haben wie es Michael Kohlmann auch schon war. Aber klar ist: Wir brauchen eine Persönlichkeit, die verantwortlich ist und das Sagen hat."

Aber möchten Sie nicht verraten, wer Ihr Favorit ist?

"Nein, das möchte ich nicht. Ich habe vor jedem Kandidaten absoluten Respekt."

Nicht allzu respektvoll war zuletzt der Umgang vieler Kritiker mit Ihnen und Ihrer Amtsführung. Sie sprachen eingangs von Ihrer Vision für die Zukunft des DTB. Wo stehen wir da heute?

"Wenn man mit einer Vision antritt, ist man optimistisch und begeistert. Heute müssen wir feststellen, dass es ein langer Weg ist und dass er steiniger ist als wir uns das vorgestellt haben."

Warum?

"Weil wir feststellen mussten, dass doch enorme Aufräumarbeiten zu leisten sind. Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Ausgangslage so viel schlechter ist als wir das gedacht haben."

Was meinen Sie damit?

"Strukturen, Verträge, Beziehungen, vieles von dem, was wir vorgefunden haben, muss erneuert oder gar erst geschaffen werden. Ein Beispiel: Wir leben im Jahr 2012 und haben kein Tennis-Portal. Dass es kein Spaziergang wird, war klar. Was ich mir aber wünsche, ist Fairness und konstruktive Kritik. Denn wir merken auch, dass nicht alle zu hundert Prozent bei diesem Weg mitziehen."

Innerhalb des Verbandes meinen Sie?

"Ja. Das liegt in der Natur der Sache. Innerhalb eines solchen Verbandes gibt es immer unterschiedliche Ansichten. So ein Neuanfang ist schwer. Wir bemühen uns, dabei gibt es Rückschläge, wir machen auch Fehler, die Außendarstellung ist weniger als optimal, aber uns werden auch eine Menge Knüppel zwischen die Beine geworfen. Es ist schade, dass wir immer wieder diese Störfeuer haben."

Sie selbst haben sich öffentlich allerdings auch sehr rar gemacht. Hätten Sie nicht offensiver gegen diese Störfeuer vorgehen müssen?

"Ich versuche, meine Arbeit zu machen, das Team zu leiten und nach innen zu wirken. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, diesen Job über die Medien zu machen. Leider wird da immer wieder versucht, zu stören und zu bremsen. Das macht keinen Spaß und überschreitet auch manchmal die Grenze des guten Geschmacks. Manche Sachen treffen mich auch persönlich. Da muss ich einfach, und das lerne ich, mir ein dickeres Fell zulegen."

Meinen Sie damit auch Ihren Auftritt beim ATP-Turnier in München, als Sie, wie eine Zeitung schrieb, "giftig" auf Fragen reagierten?

"Das war ein Fehler. Da hätte ich mich in Ruhe mit den Journalisten zusammensetzen sollen. Das war nicht besonders klug von mir."

Sie sprachen die Aufräumarbeiten an. Manche Baustelle hat sich der Verband aber auch selber eingebrockt. Wie die Diskussion um Barbara Rittners Verdienste beim Sponsoren-Deal mit Porsche.

"Das fällt zum Beispiel in die Kategorie von außen reingetragenes Störfeuer. Wir haben uns mit Barbara Rittner nie gestritten. Es gab nie Zweifel daran, dass sie wesentlich dazu beigetragen hat, dass es diese Beziehung (mit dem Sponsor Porsche) gibt. Unser Team hat auch wesentlich dazu beigetragen, dass der Vertrag so zustande gekommen ist. Jeder hat seinen Teil beigetragen. Ich mache da aber kein Kesseltreiben mit."

Trotzdem hat es dann mit der Vertragsverlängerung länger gedauert.

"Ja, durch dieses Kesseltreiben hat es sich verlangsamt, das gebe ich zu. Ich lasse mich da nicht unter Druck setzen. Da kann Barbara nichts dafür. Aber wir machen so etwas in Ruhe. Jetzt haben wir einen absolut fairen und leistungsbezogenen Vertrag."

Als Störfeuer empfanden Sie dann sicher auch die Debatte um das Gehalt Ihres Geschäftsführers Stephan Brune?

"Ja, auch das war ein Störfeuer. Ich kann zwar verstehen, dass das für Erklärungsbedarf sorgt. Alles verstanden und akzeptiert. Aber es hat noch nie zum Ziel geführt, diese Dinge über die Medien zu diskutieren. Solche Sachen klärt man im direkten Gespräch."

Aber verstehen Sie, dass viele Menschen ein Gehalt von 200 000 Euro für den DTB-Geschäftsführer für überzogen halten?

"Ich verstehe, dass unsere Mitglieder dafür auch einen klaren Mehrwert sehen wollen. Diesen Mehrwert kann man aber nicht nach fünf oder sechs Monaten vom Himmel zaubern. Ich verstehe die Diskussion, ich bin der Letzte, der nicht offen für Kritik ist. Auch wir lernen dazu und machen Fehler. Aber ich weigere mich einfach, diese Diskussion über die Presse auszutragen."

Zurück zur Einstiegsfrage. Das Image Ihres Verbandes ist weniger als optimal. Trotzdem die Amtsübernahme vor einem Jahr noch nicht bereut?

"Nein, überhaupt nicht. Wir spüren nämlich auch sehr viel Unterstützung und Rückendeckung. Sie spüren bei unseren Partnern, bei der ATP, in der Industrie, dass es sich lohnt, für dieses Ziel zu kämpfen und dass unser Weg der richtige ist. Wir haben eine ehrliche Absicht, das deutsche Tennis wieder voranzubringen. Wir arbeiten hart daran und machen Fortschritte, aber man kann nicht alle zwei Monate öffentlich Ergebnisse liefern."

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