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Djokovic, Federer und Co.: Siegen lernen von den Tennis-Altstars

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Djokovic, Federer und Co.  

Siegen lernen von den Tennis-Altstars

14.01.2014, 12:00 Uhr | t-online.de

Djokovic, Federer und Co.: Siegen lernen von den Tennis-Altstars. Andy Murray herzt nach seinem Sieg in Wimbledon seinen Trainer Ivan Lendl. Mittlerweile haben etliche Top-Ten-Spieler ehemalige Tennis-Stars als Trainer. (Quelle: dpa)

Andy Murray herzt nach seinem Sieg in Wimbledon seinen Trainer Ivan Lendl. Mittlerweile haben etliche Top-Ten-Spieler ehemalige Tennis-Stars als Trainer. (Quelle: dpa)

Das Debüt von Boris Becker als Trainer von Novak Djokovic bei den Australian Open verlief durchaus positiv. Und Becker, der in den letzten Jahren seine Schlagzeilen außerhalb des Tenniszirkus' produzierte, tritt in Melbourne in seiner neuen Funktion so auf, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Doch Becker ist nicht der einzige Altstar, der mittlerweile als Trainer seinen enormen Erfahrungsschatz weitergibt.

"Es war ein sehr natürliches Gefühl, es ist ein vertrautes Gefühl für mich", sagte Becker nach seinem ersten Auftritt in Melbourne.

Der Trend ist klar zu erkennen. Neben Djokovic haben noch zwei weitere Spieler der Weltspitze ihren Trainerstab um ehemalige Weltklassespieler ergänzt. Als erster wagte Andy Murray das Experiment. Der Schotte engagierte Anfang 2012 den Tschechen Ivan Lendl, auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele im gleichen Jahr in London. Es folgten zwei Jahre später Djokovic mit Becker und fast zeitgleich Roger Federer, der den Schweden Stefan Edberg in sein Team berief.

Erfolg lässt Kritiker verstummen

Denn der Erfolg hatte die Kritiker, die Murray für sein "Experiment" belächelt hatten, verstummen lassen. Murray gewann die US Open, beendete mit dem Sieg in Wimbledon die 77 Jahre andauernde Durststrecke der Briten und wurde im eigenen Land Olympiasieger.

Nach seinem Triumph auf dem heiligen Rasen war für Murray klar, wem er zu danken hatte: "Ivan, du hast mich als Spieler verändert und zu einem Sieger gemacht", sagte er ins BBC-Mikrofon. Und Becker, damals noch Experte für den englischen Sender, stieß ins gleiche Horn: "Eines darf hier niemand vergessen – den Effekt, den die Verpflichtung Lendls für Murray hatte."

Riesiger Erfahrungsschatz

Auch Niki Pilic, ehemaliger Teamchef des deutschen Davis-Cup-Teams und langjähriger Tennis-Trainer, unter anderem auch von Novak Djokovic, begrüßt die Entwicklung, Ex-Stars zum Trainer zu machen. "Endlich ist das eingetreten, was ich schon immer gepredigt habe", sagte Pilic vergangene Woche im Interview mit t-online.de.

Die Gründe liegen für den Experten auf der Hand: "Sehr viele Trainer auf der Tour haben keine Ahnung. Diese Trainer haben nicht die Erfahrung, was es bedeutet, in einem Grand-Slam-Finale zu stehen, oder wie man sich auf ein Wimbledon-Finale mental vorzubereiten hat. Edberg oder Becker haben dieses Knowhow", so Pilic weiter.

Worte von besonderem Gewicht

Als er von der Verpflichtung Lendls durch Murray erfahren habe, sei er absolut davon überzeugt gewesen, "dass das fruchten wird. Und Murrays Siege bei den US Open und in Wimbledon geben mir recht."

An den Trainingsinhalten wird von den Altstars nichts bis wenig verändert, doch deren Worte haben ein besonderes Gewicht. "Was Lendl sagt, ist dasselbe, was ich gesagt habe. Aber von ihm hört es sich ganz anders an, denn er hat acht Grand-Slam-Titel in seiner Vitrine stehen", sagte Miles Maclagan, Lendls Vorgänger als Murray-Trainer.

"Es geht nicht um Vorhand oder Rückhand

Dass sich Technik und Trainingsinhalte gegenüber damals verändert haben, ist auch Becker klar. "Wenn ich dem Djokovic oder der Stefan Edberg dem Roger Federer noch einmal die Vorhand beibringen müsste, dann wäre was falsch", sagte er. "Es geht hier nicht um Vorhand oder Rückhand. Es geht vor allem um Taktik, um Einstellung, um Psychologie", so Becker weiter.

"Wenn Grand-Slam-Sieger oder ehemalige Weltranglisten-Erste über den Sport reden, in dem sie Erfolge hatten, dann gibt es erst einmal wenig Gegenargumente", sagte Becker, "man hat ja das vorgelebt, was man jetzt erklärt."

"Fantastische Analysen"

Auch Pilic sieht das so: "Mental ist Djokovic einer der Besten der Welt. In diesem Bereich braucht er keine Unterstützung. Aber zwei Leute wissen mehr als einer." Wichtig sei das Erlebte, das weitergegeben wird. "Becker kann mit seiner Erfahrung helfen und Djokovics Spielverlauf optimieren. Ob er in gewissen Situationen eher kurze Punkte spielen soll oder doch lange. Anschließend kann er mit seinem Team das Match analysieren und neue Impulse geben."

Damit trifft Pilic genau ins Schwarze. Denn nach seinem ersten Turniersieg unter Becker in Abu Dhabi freute sich Djokovic: "Es ist großartig, mit dieser Trophäe unsere Zusammenarbeit zu starten. Seine Analysen sind fantastisch. Hoffentlich machen wir so weiter."

Zieht Nadal nach?

Der Trend ist klar. Neben den bislang genannten profitieren weitere Top-Ten-Spieler von den Erfahrungen der Ex-Profis. Die aktuelle Nummer fünf, Juan Martin del Potro, wird von Franco Davin gecoacht, Stanislas Wawrinka (Nr. 8) von Magnus Norman, Richard Gasquet (9) von Sergi Bruguera und Jo-Wilfried Tsonga (10) von Nicolas Escude. Goran Ivanisevic (Marin Cilic), Michael Chang (Kei Nishikori) und Ivan Ljubicic (Milos Raonic) komplettieren das Feld.

Nur Rafael Nadal hat sich noch für einen Ehemaligen entschieden. Das sollte er dringend ändern, rät ihm Pilic: "Glauben sie mir, es ist nochmal etwas anderes, wenn ich selbst einmal in einem Finale eines großen Grand-Slam-Turniers gestanden habe. Deshalb sollte auch er sich überlegen, einen Ex-Weltklassespieler an seine Seite zu holen."

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