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Im Rolli zum Sieg: Ellerbrock hofft auf Wimbledon-Titel

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Behindertensport  

Im Rolli zum Sieg: Ellerbrock hofft auf Wimbledon-Titel

02.07.2014, 09:39 Uhr | dpa

Im Rolli zum Sieg: Ellerbrock hofft auf Wimbledon-Titel. Sabine Ellerbrock in Aktion.

Sabine Ellerbrock in Aktion. Foto: Julian Stratenschulte. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Behindern lässt sich Sabine Ellerbrock nicht. Schon gar nicht von ihrem Handicap. "Ich lebe jetzt glücklicher als vorher", sagte Deutschlands beste Rollstuhl-Tennisspielerin, die von Freitag an beim Rasenklassiker in Wimbledon aufschlägt.

Glücklich mit Behinderung, gar glücklicher als ohne? Was im ersten Moment paradox klingt, ist für die 38-Jährige von existenzieller Bedeutung. "Ich lebe wesentlich bewusster und weiß Kleinigkeiten wieder zu schätzen. Früher habe ich, wie die meisten Menschen, vieles als selbstverständlich erachtet, bin mit Scheuklappen durchs Leben gelaufen und hatte verlernt, zu genießen", schildert Ellerbrock im Interview mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS).

Früher lief sie Marathon, spielte Tennis, Fußball, Basketball, ging Windsurfen. Doch eine misslungene Routineoperation änderte im September 2007 ihr Leben. Nach einem Eingriff wegen eines Kompartment-Syndroms wurde ein Hämatom zu spät erkannt. Das führte zu einem Morbus Sudeck, einem regionalen Schmerzsyndrom. Ihr rechter Fuß ist seitdem in einer Sichelform versteift, Ellerbrock kann sich bestenfalls zeitweise auf Gehhilfen fortbewegen. Durch Rollstuhltennis, sagt sie, verarbeitet sie ihre Erkrankung. Der Sport hilft ihr, mit dem Schmerz umzugehen.

Nun sehe sie nicht das, was sie nicht mehr kann, sondern "ich schaue, was für Optionen ich neu gewonnen habe. Als Fußgängerin hätte ich mit Sicherheit kein Grand-Slam-Turnier gespielt. Diese Dinge muss man in den Vordergrund stellen." Sie habe Menschen kennengelernt, die es noch wesentlich heftiger getroffen habe "und die sehr positiv damit umgehen. Dadurch habe auch ich eine neue Perspektive gewonnen und lebe jetzt glücklicher als vorher."

Diese positive Lebenseinstellung verschaffte ihr großen Erfolg. Ellerbrock gewann mit den French Open 2013 und den Australien Open in diesem Jahr zwei Grand-Slam-Turniere, ist derzeit die Nummer drei der Weltrangliste. Doch von professionellen Bedingungen kann sie nur träumen. Sie verdient ihren Lebensunterhalt als Gymnasiallehrerin für Biologie, Sport und Mathematik. Da kommt es schon mal vor, dass sie bei einem Turnier Klausuren korrigiert oder zu einem WM-Spiel um Bronze nicht antreten kann, weil sie zurück in die Schule muss.

"Während der Qualifikation und Vorbereitung auf die Paralympics in London habe ich teilweise wirklich Existenzängste gehabt, weil ich dafür zwei Jahre unbezahlten Urlaub nehmen musste", berichtet Ellerbrock. In anderen Nationen sei Rollstuhltennis bereits so an die "Fußgänger" angegliedert, dass die nationalen Titelkämpfe gemeinsam stattfinden. Ellerbrock: "Unsere deutschen Meisterschaften wurden zuletzt praktisch abseits jeglicher Öffentlichkeit gespielt, zum Teil auf Plätzen, die eine Frechheit waren."

Sie werde üblicherweise auch nicht als Leistungssportlerin wahrgenommen. "Die meisten glauben, wir reisen ein bisschen durch die Weltgeschichte, schlagen ein paar Bälle und machen uns einen lauen Lenz. Nur wer mehr Einblick hat, erkennt die geforderten Fähigkeiten und registriert den immensen Aufwand."

Ellerbrock stellt indes das Positive in den Vordergrund. Ihr Fernziel sind die Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. "Dort möchte ich gerne die Medaille nachholen, die ich 2012 verpasst habe. Es wäre natürlich auch schön, die fehlenden Grand-Slam-Titel - darunter auch Wimbledon - einmal zu holen und wieder oben in der Weltrangliste zu stehen."

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