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Achter Sieg  

Federer schreibt Sportgeschichte in Wimbledon

16.07.2017, 17:41 Uhr | sid, t-online.de

Federer schreibt Sportgeschichte in Wimbledon. Roger Federer mit der Trophäe. (Quelle: Reuters/Toby Melville)

Roger Federer mit der Trophäe. (Quelle: Toby Melville/Reuters)

Roger Federer hat sich den letzten Traum seiner einzigartigen Karriere erfüllt und mit dem achten Titel in Wimbledon Sportgeschichte geschrieben. Der 35 Jahre alte Schweizer krönte sich im Finale der 131. Championships im All England Club gegen den angeschlagenen Kroaten Marin Cilic zum alleinigen Rekordhalter des ältesten Tennisturniers der Welt.

"Das ist magisch. Fast schon zu viel", sagte Federer, "Ich wusste nach dem letzten Jahr überhaupt nicht, ob ich hier noch einmal ins Finale kommen kann. Aber ich habe immer daran geglaubt und immer geträumt."

Nach nur 1:41 Stunden verwandelte er seinen zweiten Matchball zum 6:3, 6:1, 6:4 gegen Cilic, der im zweiten Satz in Tränen ausgebrochen war. Ein Drama deutete sich an, Cilic ließ sich am linken Fuß behandeln, doch der 1,98-m-Hüne biss auf die Zähne. Allerdings ohne Erfolg: Federer triumphierte mühelos und damit ohne Satzverlust im gesamten Turnier. Das war ihm bislang nur bei den Australian Open 2007 gelungen. In der "ewigen" Bestenliste in Wimbledon zog er an Pete Sampras (USA) und dem legendären Briten William Renshaw vorbei.

Seine ärgsten Konkurrenten waren schon raus

Bei der Krönungsmesse des Rasenkönigs hatte sich die royale Prominenz die Ehre gegeben: Prinz William und seine Gattin Kate, Schirmherrin des Turniers, waren vor Beginn ihrer Deutschlandreise an die Church Road gekommen, wie auch weitere Mitglieder der königlichen Familie. Fürst Albert von Monaco fieberte mit Federer, dessen Ehefrau Mirka hatte sich dem Anlass entsprechend in ein weißes Kleid geworfen.

Die Anspannung auf dem Centre Court erreichte kurz vor dem ersten Aufschlag ihren Höhepunkt, unter den 15.000 Fans befand sich kaum jemand, der Liebling Federer den Sieg nicht wünschte. Der Grand-Slam-Rekordchampion hatte 2014 und 2015 gegen den Serben Novak Djokovic jeweils Chancen auf seinen achten Titel im Finale ausgelassen, diesmal sollte es endlich klappen, diesmal befand sich Federer in Bestform und diesmal waren seine größten Konkurrenten längst ausgeschieden.

Dicke Tränen bei Cilic

Dennoch war dem Maestro der Respekt vor Cilic anzumerken, immerhin hatte der ihn vor drei Jahren im Halbfinale der US Open vom Platz geschossen. Federer erinnerte sich ebenfalls noch gut an das Match aus dem Vorjahr, als er bereits drei Matchbälle gegen sich hatte und nur knapp dem Aus entging.

Tief berührt: Roger Federer nach seinem historischen Sieg. (Quelle: dpa/Adam Davy/PA Wire)Tief berührt: Roger Federer nach seinem historischen Sieg. (Quelle: Adam Davy/PA Wire/dpa)

Erleichtert rief er sein "Komm jetzt!" aus, nachdem er Cilics ersten Breakball beim Stand von 1:2 im ersten Durchgang vereitelt hatte. Wenig später nahm er dem besten Aufschläger im Turnier selbst dessen Service ab, und das Schicksal nahm seinen Lauf. Als die Ärzte im zweiten Satz zum ersten Mal auf den Platz kamen, liefen dicke Tränen über Cilics Wangen, in der zweiten Behandlungspause zu Beginn des dritten Durchgangs nahm der "sanfte Riese" eine Schmerztablette.

Federer ist der älteste Sieger überhaupt

Die Verzweiflung stand dem 28-Jährigen in seinem zweiten Grand-Slam-Finale nach seinem Triumph in New York ins Gesicht geschrieben, er hatte sich so viel vorgenommen für sein erstes Endspiel in Wimbledon und fest an seine Chance geglaubt. Ohne den Vollbesitz seiner Kräfte war das Unterfangen gegen Federer jedoch aussichtslos.

Nie zuvor in der Geschichte des Profitennis (seit 1968) hat ein älterer Spieler in Wimbledon gewonnen als Federer. Mit seinem 19. Grand-Slam-Titel baute er seine Führung vor seinem spanischen Dauerrivalen Rafael Nadal aus, der zuletzt bei den French Open in Paris seinen 15. Majorsieg gefeiert hatte. Federer krönte im All England Club sein bestes Halbjahr seit langem, das nach sechs Monaten Pause mit dem Sieg bei den Australian Open sensationell begonnen hatte.

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