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Doping-Affäre im Wintersport: Hörmann sieht "eine böswillige Rufmordkampagne"

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Doping-Affäre im Wintersport  

Hörmann: "Eine böswillige Rufmordkampagne"

17.02.2008, 16:13 Uhr | dpa

Biathleten im Blickpunkt (Foto: ddp)Biathleten im Blickpunkt (Foto: ddp) Mit Empörung, Entsetzen und einer kollektiven Unschuldsbeteuerung haben Athleten, Trainer und Funktionäre auf die neuen Blutdoping-Verdächtigungen reagiert. "Das ist eine böswillige Rufmordkampagne, die den Deutschen Skiverband und den Biathlonsport in Gänze nachhaltig beeinträchtigt", sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann am Rande des Skisprung-Weltcups in Willingen zu einer anonymen Anzeige, in der 31 Spitzensportler mit einer Wiener Blutbank in Verbindung gebracht werden. Auf dieser in Österreich aufgetauchten Liste sollen auch zehn deutsche Athleten stehen. "Es kann nicht sein, dass Sportler denunziert werden, ohne dass es Beweise gibt", sagte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Schwarzbach im Interview "Anzeige gegen Unbekannt"

Bei Falschaussage droht eine Freiheitsstrafe

Als kräftigen Beleg ihres Schwurs, sauber und ohne Doping ihren Sport zu betreiben, wollen die Biathlon-Asse unmittelbar nach der WM eine Eidesstattliche Erklärung abgeben. "Für mich wiegt die Eidesstattliche Versicherung unserer Athleten mehr als eine anonyme Anzeige", erklärte DOSB-Präsident Thomas Bach. Schließlich droht bei einer Falschaussage eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren wegen Meineids. Er werde "nachdenklich, dass es aufgrund einer anonymen Anzeige möglich ist, Athleten namentlich derart an den Pranger zu stellen".

Einzelne Athleten schalten Anwälte ein

Die Entscheidung des Deutschen Skiverbandes (DSV), Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten, ist für Hörmann Juristen der richtige Weg. "Wir werden uns mit allen möglichen Rechtsmitteln gegen diese Form der Verleumdung wehren", kündigte Hörmann an. "Wir werden versuchen, über diese Anzeige gegen Unbekannt an die Quellen zu kommen und diesen Sumpf trocken zu legen." Auch einzelne Athleten hätten bereits Rechtsanwälte beauftragt.

Andrea Henkel: "Es ist eine Schweinerei"

Die Hiobsbotschaft von der Veröffentlichung der ominösen Liste wirkte bei den deutschen Biathleten in Schweden wie ein Schock. "Es geht nicht alles spurlos an einem vorbei, auch wenn man unschuldig ist. Es ist eine Schweinerei", sagte Andrea Henkel nach dem verpatzten Massenstart-Rennen und nur Platz 22 mit verheultem Gesicht. "Jeder ist enttäuscht und traurig, dass so etwas aus der Luft gegriffen wird", meinte Magdalena Neuner, Weltmeisterin im Massenstart-Rennen.

Wolf kann sich über Bronze nicht freuen

"Brutal feige ist es, dass die Anzeige anonym erfolgt ist", schimpfte Michael Rösch, der mit der deutschen Männer-Staffel WM- Bronze in Östersund gewann. Tief getroffen war sein Staffel-Kollege Alexander Wolf: "Das ist einfach eine große Sauerei. Ich kann mich nicht richtig über Bronze freuen. Da bleibt immer etwas hängen." Das sei so, als wenn man die Zeitung aufschlage und müsse lesen, man sei ein Kinderschänder.

Greis: "Ich stehe für einen sauberen Sport"

Mit demonstrativer Gelassenheit begegnete der dreimalige Olympiasieger Michael Greis den Doping-Vorwürfen. Als er davon erfuhr, habe er lachen müssen und sei zu Bett gegangen: "Dann habe ich mich hingelegt und normal geschlafen. Ich bin aus dem Alter raus, um mich davon fertigmachen zu lassen." Außerdem habe er ein reines Gewissen. "Ich stehe für einen sauberen Sport", sagte Greis.

Bundestrainer spricht von Rufmord

Absolute Rückendeckung erhielten die Biathlon-Asse von ihren Trainern. "Ich lege nicht nur eine Hand, sondern ich lege beide Hände für diese Mannschaft ins Feuer", versicherte Männer-Bundestrainer Frank Ullrich, "das ist eine Wahnsinns-Diffamierung, das gleicht schon einem Rufmord." Auch Damen-Chef Uwe Müssiggang zeigte sich verärgert. "Die Art und Weise macht mich betroffen. Wir wissen nicht, aus welcher Ecke es kommt. Es gibt keine Beweise."

Affäre kocht auch in Österreich hoch

Hohe Wellen haben die neuen Doping-Vorwürfe im österreichischen Sport geschlagen. "Eine anonyme Anzeige ist nicht mehr als ein Gerücht. Schlimm ist dabei nur, dass man sich nicht dagegen wehren kann", kritisierte der Wiener Sportwissenschaftler und Dopingexperte Hans Holdhaus "Ich bin weiß Gott gegen Doping. Wenn es Indizien gibt, dann gehören sie auf den Tisch, und die Schuldigen gehören gnadenlos verfolgt." Er wolle nicht ausschließen, dass die inzwischen veröffentlichte Liste von Spitzensportlern "frei erfunden ist".

Österreicher bereit für Eidesstattliche Erklärungen

Keinen Hehl aus seinem Unmut machte Markus Gandler, Sportdirektor des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV). "Die Sportler anonym zu verdächtigen, ist unter der Gürtellinie", erklärte er und forderte: "Der Anonyme soll sich outen, wenn er Beweise für die Behauptungen hat, wäre er sowieso der Hero." Auch die österreichischen Biathleten seien bereit, eine Eidesstattliche Erklärung abzugeben.

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