16.02.2013, 17:18 Uhr | sid
Völlig entkräftet schleppte sich Schlussläufer Erik Lesser über die Ziellinie. Dem Schock am Schießstand folgte aber nur kurze Zeit später die Freude über die Bronzemedaille: Mit der Staffel sind die deutschen Biathleten bei der WM in Nove Mesto auf das Podest gestürmt und haben nach einer guten Leistung das erste Edelmetall in Tschechien geholt. Über 4x7,5 Kilometer musste sich die Auswahl des Deutschen Skiverbandes (DSV) nur der überragenden Mannschaft aus Norwegen und Frankreich geschlagen geben.
Bis vor dem letzten Schießen war für die deutsche Mannschaft aber noch mehr möglich. Am Schießstand versagten Schlussläufer Lesser auf Position zwei liegend die Nerven, zweimal musste er nach seiner wackeligen Einlage in die Strafrunde.
Die Biathlon-Damen stellen sich nach der Staffel-Enttäuschung bei der Biathlon-WM den Fragen. zum Video
"Druck habe ich eigentlich nicht verspürt, es war einfach Unvermögen. Ich weiß nicht, warum ich die Dinger daneben schieße. Man kann sich natürlich über die Bronzemedaille freuen, aber ich brauche noch ein bisschen", sagte Lesser.
Im Ziel hatte Deutschland 1:18,5 Minuten Rückstand auf die überragenden Norweger, die sich in 1:15:39,0 Stunden (fünf Nachlader) souverän vor der Staffel aus Frankreich (+1:12,8/7) durchsetzten. Schlussläufer Emil Hegle Svendsen holte sein viertes Gold bei den Titelkämpfen.
"Die Jungs wissen selber, dass es Tage gibt, die schlechter laufen. Sie geben aber immer alles. Manchmal reicht es aber eben nicht ganz nach vorne. Heute haben sie aber gezeigt, dass es geht. Wir wollen nicht über die Strafrunden, sondern über die Bronzemedaille reden", sagte Männer-Trainer Mark Kirchner.
Von Beginn an blieb das DSV-Quartett auf Tuchfühlung zur Spitze, Schempp und Birnbacher hielten dank starker Vorstellungen mit der Konkurrenz während ihrer Runden mit.
Startläufer Schempp, der im kräftezehrenden Einzelrennen zwei Tage zuvor noch ausgesetzt hatte, schien die schöpferische Pause gut getan zu haben. In der Loipe mit den Besten auf einem Niveau, blieb er auch am Schießstand fehlerfrei. "Ich wollte mich beim Schießen konzentrieren. Das Tempo in den ersten zwei Runden war nicht hoch, deshalb musste man am Schießstand gut arbeiten. Ich glaube, ich hatte heute den besten Ski der gesamten Saison", sagte Schempp.
Mit dem knappen Vorsprung von vier Sekunden übergab der 24-Jährige als Erster an Birnbacher. Der Routinier im deutschen Team nutzte die gute Vorlage. Wie Schempp glänzte auch der 31-Jährige mit der Waffe, blieb ebenfalls ohne Fehlschuss und vergrößerte zusammen mit dem Norweger Henrik L'Abee-Lund den Vorsprung zu den Verfolgern.
Danach machte auch "Mr. Zuverlässig" Arnd Peiffer seinem Spitznamen endlich mal wieder alle Ehre. Mit der nötigen Ruhe trotzte er dem Lärm in der Skiarena, ließ sich auch von der Schnellfeuereinlage des Norwegers Tarjei Boe nicht beeindrucken und traf wie seine Vorgänger ohne Nachlader.
Im ersten Anschlag hatte auch Lesser noch furios geschossen, ehe ihm stehend die Fehler unterliefen. Der Franzose Martin Fourcade überholte ihn dann kurz vor dem Ziel.
Quelle: sid
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