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Eisschnelllauf: Jenny Wolf und die Problemzone

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Eisschnelllauf  

Jenny Wolf und die Problemzone

12.02.2010, 21:20 Uhr | Andreas Müller / Stiftung Deutsche Sporthilfe

Jenny WolfWürde sich über eine Medaille in Vancouver sehr freuen: Jenny Wolf (Foto: dpa) Bei ihrem dritten Anlauf will Eissprinterin Jenny Wolf ihren Traum von der ersten olympischen Medaille endlich wahr werden lassen. Mit Platz zehn über 500 Meter kehrte die Berlinerin 2002 aus Salt Lake City zurück, vier Jahre später mit Platz sechs aus Turin. In den Wintern danach spurtete sie auf ihrer Paradestrecke dreimal in Folge zum WM-Titel und drückte den Weltrekord auf 37,00 Sekunden.

Im Vorfeld der Winterspiele 2010 in Vancouver darf sich der Schützling von Trainer Thomas Schubert mit dem schönen Titel "weltweit schnellste Frau auf Eis" schmücken. Sie geht als Favoritin in diese olympische Saison und könnte die erste Eisschnellläuferin überhaupt sein, die den halben Kilometer unter 37 Sekunden bleibt. "Die Olympiaplatzierung ist für mich wichtiger als der Weltrekord. Auf der Olympiabahn in Richmond kann das Eis noch so gut sein, man läuft dort trotzdem rund eine halbe Sekunde langsamer als in der Höhe", stellt Jenny Wolf klar, wie sie ihre Prioritäten setzt.

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Ehrgeiz ja - überziehen nein

Damit es mit dem ersehnten Goldlauf klappt, schindete sich die 30-Jährige im Höhentrainingslager im südfranzösischen Font Romeu. Das dreiwöchige Camp im August war für sie der "anstrengendste Teil" in der Saisonvorbereitung. "Dort bewegt man sich an der Hantel und auf dem Fahrrad ständig im hohen Laktatbereich. Das ist schon sehr belastend und härter als das Trainingslager im Juni, als wir zum Grundlagentraining in den italienischen Alpen in Livigno gewesen sind." Bei allem Ehrgeiz, überziehen will Jenny Wolf auf keinen Fall. Im olympischen Winter möchte sie "nichts übertreiben und nichts riskieren" und vertraut jenem Formaufbau, der in den vergangenen drei Jahren zum WM-Hattrick führte. Einen guten Einstieg in die Saison hat Jenny Wolf mit gleich mehreren Weltcup-Siegen in Folge bereits geschafft.

Wolf: "Das ist eine tolle Motivation"

 

Der schnelle Erfolg war ihr auf dem Eisoval jedoch nicht beschieden. Geduldig, zäh und mit viel Stehvermögen stieß sie erst im Alter von 27 Jahren in die absolute Weltelite vor. Auf halber Strecke schlapp machen, kam für sie nie in Frage. Auch und gerade weil sie beispielsweise mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe auch als "Nobody", als alle nur von Friesinger und Pechstein sprachen, stets einen verlässlichen Partner an ihrer Seite wusste. "Schon sehr früh, als noch weitgehend meine Eltern mit einspringen mussten, erhielt ich Beihilfen für die Internatskosten. Ich hatte Glück, dass ich zu jenen Jahrgängen gehörte, die von der Sporthilfe durchgängig eine Grundförderung bekamen", sagt Jenny Wolf im Rückblick. Zum Glück sei die Sporthilfe jetzt wieder dahin zurückgekehrt, "auch die B- und Anschlusskader stärker zu fördern". Gerade die Förderung für junge Sportler, die noch nicht oben angekommen sind, sei ganz wichtig. "Es geht dabei nicht nur um den materiellen Wert, sondern auch um das Gefühl, dass man beachtet und begleitet wird. Das ist eine tolle Motivation."

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Robinson-Club als Schlüssel zum Erfolg

 

Ansporn in der entscheidenden Phase vor dem olympischen Winter war für die weltweit beste Kurzstrecklerin auf Kufen auch die Teilnahme beim "Champion des Jahres", zum dem die Sporthilfe gemeinsam mit Robinson im September in den Robinson-Club nach Sarigerme Park in die Türkei eingeladen hatte. Die Veranstaltung geriet für Jenny Wolf inzwischen zu einer Art Maskottchen. "Ich war schon in den vergangenen beiden Jahren dabei und es hat immer gut funktioniert. Man kann eigentlich sagen, immer wenn ich zu Saisonbeginn im Club "Champion des Jahres" war, bin ich anschließend Weltmeisterin geworden." Ein Argument, dem selbst der Trainer nicht widersprechen kann.

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"Problemzone" zweite Kurve

Nach der kleinen Auszeit am Wasser hieß es dann Schlittschuhe schnüren und zunächst für die ersten Saison-Weltcups Anfang November zuhause in Berlin und in Heerenveen trainieren. Dabei galt es, insbesondere die "Problemzone" eingangs der zweiten Kurve bei rund 300 Metern optimal zu bewältigen. "In diese Kurve läuft man schätzungsweise mit einem Tempo um die 55 Stundenkilometer rein. Die Kunst ist, den Druck in die Kurve zu leiten und den Speed auf die Gerade mitzunehmen, so dass die Fliehkräfte so weit wie möglich zurück gedrängt werden. Ehrlich gesagt, habe ich vor dieser Kurve immer noch Respekt, obwohl ich jetzt schon so lange aktiv bin. Dort optimal durchzukommen, ist bei mir Kopfsache. Man muss sich an dieser Stelle genau darauf konzentrieren, alles richtig zu machen, zum Beispiel die Hüfte und den Oberkörper in der richtigen Position zu halten."

Zweites Studium nach Olympia

Damit Jenny Wolf über diesen Details nicht Kopfweh bekommt und ausschließlich Eisiges in ihren Gedanken herumschwirrt, hat sie stets Wert auf intelligente Abwechslung gelegt. Im Sommer vorigen Jahres beendete sie ihr Literaturstudium an der Berliner Humboldt-Uni und kurz darauf schrieb sie sich an der Technischen Fachhochschule im Wedding im Fach Betriebswirtschaft ein. "Da geht es eher praktisch zu, das ist eine ganz andere Welt. Dieses Handfeste hat mir im Literaturstudium gefehlt." Ein paar Kurse habe sie bereits besucht, ernsthaft werde sie das zweite Studium aber erst nach Olympia angehen.

Sportliche Zukunft steht noch in den Sternen

"Ich schaue schon jetzt über Vancouver hinaus, obwohl ich keine konkrete Planung für die weitere sportliche Karriere habe", gesteht die Frau, die auch jetzt noch stets einige Seiten Belletristik im Gepäck hat. Gerade liest sie "Soll und Haben" von Gustav Freytag, einen Roman aus dem Jahr 1855. "Nur soviel steht fest", fügt sie hinzu. "Ob ich weitermache, das wird nichts mit dem Abschneiden bei den Winterspielen zu tun haben und es ist auch nicht so, dass ich mich jetzt aus Livigno so verabschiedet hätte, als wäre das dort mein letztes Trainingslager gewesen."

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