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Nervenzusammenbruch bei Pechstein

23.09.2010, 13:01 Uhr | dpa, t-online.de, t-online.de, dpa

Die Karriere der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein steht vor dem endgültigen Ende. Wie ihr Management in einer Presseerklärung mitteilte, hat die Berlinerin einen Nervenzusammenbruch erlitten und musste sich in psychologische Behandlung begeben.

Sie müsse eine Situation verarbeiten, die durch den jüngsten Entscheid des Präsidiums der Bundespolizei entstanden war. Ihr Arbeitgeber hatte den Antrag der Polizeihauptmeisterin abgelehnt, einen "Sonderurlaub unter Wegfall der Bezüge" zu gestatten. "Mit einer solchen Ablehnung hatte sie nie und nimmer gerechnet, nachdem ihr die Bundespolizei diesen Schritt noch vor einigen Wochen selbst empfohlen hatte", erklärte ihr Manager Ralf Grengel. "Jetzt aber von einem sofortigen Karriere-Ende auszugehen, wäre mit Sicherheit verfrüht", sagte er. Pechstein hatte stets betont, dass allein sie es sein würde, die den Zeitpunkt ihres Karriereendes festlegen wird.

Sonderurlaub für Comeback-Vorbereitung


"Ein Wunsch auf Sonderurlaub unter Wegfall der Bezüge ist beamtenrechtlich nichts Außergewöhnliches und wird in sämtlichen Bereichen der Bundesverwaltung praktiziert", erklärte Pechstein-Anwalt Alexander Friedhoff. "Eine solche Lösung wäre für alle Beteiligten das Beste gewesen. Das BMI hätte keine Steuergelder für die Bezahlung meiner Mandantin verwenden müssen, und Frau Pechstein hätte sich im Rahmen von selbst organisierten Trainingsmaßnahmen zielgerichtet auf ihr Comeback vorbereiten können", erklärte Friedhoff weiter und kündigte an, dagegen Rechtsmittel einzulegen.

Dem Antrag Pechsteins vom 18. August 2010 war die öffentliche Aufforderung zum schnellstmöglichen Dienstantritt von Bundesinnenminister Thomas de Maizière vorausgegangen. Die Lösung des Sonderurlaubs stieß dabei beim Minister offensichtlich auf wenig Gegenliebe. De Maiziere hatte zudem auch infrage gestellt, ob Deutschlands erfolgreichste Winterolympionikin nach Ablauf ihrer Sperre überhaupt wieder in die Sportförderung des BMI aufgenommen wird.

Karriere-Ende aufdiktiert?

Wie sehr de Maizière nun auf das Karriereende der wegen Dopings bis zum 8. Februar 2011 gesperrten Athletin drängt, geht nach Auffassung ihre Managements daraus hervor, dass für Pechstein in Absprache mit Sportmedizinern nun ein Plan erarbeitet wird, der sie zum Abtrainieren anhalten soll. Dass ihr das Karriereende jetzt offensichtlich durch das "völlig unnötige, öffentliche Vorpreschen des Bundesinnenministers" aufdiktiert werden sollte, sei definitiv zu viel für ihr strapaziertes Nervenkostüm gewesen, kritisierte Grengel. Extrem getroffen fühlte sich die Eisschnellläuferin durch den Vorwurf, es würden Steuergelder verschwendet, weil sie trotz ihrer Sperre nicht den Dienst als Polizeibeamtin erfüllen würde.

Gang vor Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Fall einer Niederlage

Pechstein ist bis 2011 wegen Dopings gesperrt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte die Sperre bestätigt. Pechstein hat vor dem Schweizer Bundesgericht Revision gegen das Urteil eingelegt. Eine endgültige Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Für den Fall der erneuten Niederlage vor Gericht haben ihre Anwälte bereits den Gang vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg angekündigt.

Olympia 2014 war anvisiert

Pechstein hatte angekündigt, bei den Olympischen Spielen 2014 ihre "gestohlenen sechsten Olympischen Spiele" zurückzuholen. Sie gilt als Deutschlands erfolgreichste Wintersportlerin. Bei den Olympischen Spielen 1994, 1998, 2002 und 2006 holte sie insgesamt fünf Goldmedaillen und gewann je zweimal Silber und Bronze.

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