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Pechstein tankt in Heerenveen auf - sportlich wie seelisch

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Eisschnelllauf - Weltcup in Heerenveen  

Pechstein badet im Zuspruch des Publikums

07.03.2011, 13:27 Uhr | dpa, dpa

Pechstein tankt in Heerenveen auf - sportlich wie seelisch. Claudia Pechstein erlebt in Inzell die Heim-WM als Aktive mit. (Foto: dpa)

Claudia Pechstein erlebt in Inzell die Heim-WM als Aktive mit. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Applaus statt Pfiffe, freundlicher Empfang statt "Höllenritt": Eisschnellläuferin Claudia Pechstein fährt mit Rückenwind zur Weltmeisterschaft nach Inzell. Und sie genoss den Augenblick: Immer wieder hielt sie das handgekritzelte A4-Blatt mit dem Wort "Bedankt" in die Luft und winkte den 9000 Oranje-Fans in der Thialf-Arena von Heerenveen zu.

Nie zuvor hatte die fünfmalige Olympiasiegerin einen vierten Platz so bejubelt. "Ich habe mich jede Runde mehr gefreut, wieder hier laufen zu dürfen", sagte sie zu ihrem zweiten Rennen in der Weltelite nach 752 Tagen Pause aufgrund ihrer Sperre, bei dem ihr Teil drei der Mission Comeback nach Erfurt und Salt Lake City geglückt war. "Noch nie war ein vierter Platz so wertvoll", meinte Coach Joachim Franke. Niederländische Journalisten sprachen über Pechsteins Comeback von einem "Zevensprung" - einem Aufstieg wie "Phoenix aus der Asche".

Sablikova sichert sich den Gesamt-Weltcup über 3000 Meter

Nach dem Dämpfer im 1500-Meter-Rennen mit Platz 17 knüpfte die seit Jahren umstrittenste deutsche Wintersportlerin an ihre Form von Utah an und sicherte sich beim Weltcup-Finale in 4:09,60 Minuten das WM-Ticket auch über 3000 Meter. Stephanie Beckert war in 4:08,03 noch schneller, musste aber als Zweite den mit 15.000 Dollar (10.700 Euro) dotierten Gesamt-Weltcup der Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien (4:06,26) überlassen.

Pechstein und Beckert funken auf verschiedenen Frequenzen

Demonstrativ feuerte Pechstein ihre Freundin Sablikova an und fiel ihr im Ziel in die Arme, ihre Rivalin Beckert würdigte sie hingegen keines Blickes. "Ein paar Spannungen sind gar nicht so schlecht", meinte Beckerts Heimcoach Stephan Gneupel. "Nur Friede, Freude, Eierkuchen bringt uns sportlich nicht voran", sagte der Mehrkampf-Bundestrainer. Ihm obliegt nun die delikate Aufgabe, um die beiden verfeindeten Langstrecklerinnen ein Team-Trio zu formen, das in Inzell eine WM-Medaille erkämpfen soll.

Kein Interview für die ehemalige Kollegin Schenk

Doch nicht nur auf dem Eis polarisierte Pechstein: Sie verweigerte ihrer einstigen Teamgefährtin und jetzigen ARD-Reporterin Franziska Schenk ein TV-Interview. Pechstein hatte Schenk in ihrem Buch als die "Kurnikowa des Eisschnelllaufs" bezeichnet, ihr Arroganz vorgeworfen und erklärt, sie werde ihr aus "persönlichen Gründen" nie wieder ein Interview geben. Nach Protesten der ARD konnte auch Teamchef Helge Jasch nicht vermitteln. "Jede beharrt auf ihrem Standpunkt", meinte er kopfschüttelnd. Hintergrund des neuerlichen "Zickenzoffs" sollen laut Pechsteins Lebensgefährten Matthias Große abfällige Äußerungen der einstigen Sprint-Weltmeisterin über Pechstein während der Zeit ihrer Sperre aufgrund erhöhter Blutwerte gewesen sein.

Das DDR-Doping und seine ewige Wirkung

Nachdem der Olympiasieger und jetzige TVM-Coach Bart Veldkamp von seinem Arbeitgeber für seine Verbalattacken von Salt Lake City - er hatte Pechstein als "ekliges Geschwür" bezeichnet - öffentlich gerügt wurde, kamen Sticheleien diesmal von Hollands Eis-Idol Rintje Ritsma. "Claudia ist die letzte Eisschnellläuferin aus der ehemaligen DDR. Ich will nicht alle ehemaligen DDR-Athleten des Dopings beschuldigen. Aber durch die Geschichten, die in den vergangenen Jahren bekannt geworden sind, kriegt das doch einen seltsamen Beigeschmack", sagte der viermalige Mehrkampf-Weltmeister.

Wolf kann sich nicht uneingeschränkt freuen

Die Fans dürfen sich nun in Inzell auf spannende WM-Duelle auf den Langstrecken zwischen Beckert und Pechstein freuen. Erste Gold-Kandidatin ist aber Sprint-Königin Jenny Wolf, die in Heerenveen den einzigen Gesamt-Weltcup nach Deutschland holte. Doch die Seriensiegerin konnte sich über ihre insgesamt zehnte Trophäe nicht richtig freuen: Obwohl sie sich in 38,31 Sekunden mit ihren 58. Weltcupsieg für die Vortags-Niederlage gegen die Niederländerin Annette Gerritsen über 500 Meter revanchierte, war sie mit ihrer Zeit nicht zufrieden. "Am Ende der Saison läuft es etwas zäh", gestand sie.

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