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Claudia Pechstein stellt Selbstanzeige

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Pechstein will endgültig ihre Unschuld beweisen

14.09.2011, 17:34 Uhr | sid

Claudia Pechstein stellt Selbstanzeige. Das letzte Wort zur Dopingsperre der fünffachen Olympiasiegerin Claudia Pechstein scheint noch nicht gesprochen. (Quelle: imago)

Das letzte Wort zur Dopingsperre der fünffachen Olympiasiegerin Claudia Pechstein scheint noch nicht gesprochen. (Quelle: imago)

Eisschnelläuferin Claudia Pechstein gibt nicht auf: Ein halbes Jahr nach Ablauf ihrer Dopingsperre stellt die fünfmalige Olympiasiegerin als erste Athletin überhaupt Selbstanzeige wegen eines möglichen eigenen Doping-Vergehens. Das Ziel des taktischen Manövers der 39 Jahre alten Berlinerin ist klar: Die Adressaten der Selbstanzeige, die Anti-Doping-Weltagentur WADA, deren deutscher Ableger NADA, der Eislauf-Weltverband ISU und die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), sollen ihren Dopingfall neu aufrollen - und ihre Unschuld feststellen.

Pechstein hat mittlerweile von der ISU, die sie im Februar 2009 wegen erhöhter Blutwerte für zwei Jahre gesperrt hatte, die Ergebnisse ihrer jüngsten Bluttests erhalten. "Meine neuen offiziellen Werte liegen mir vor, und sie sind nach wie vor erhöht. Von daher werde ich nun Selbstanzeige einreichen", sagte Pechstein.

Erhöhte Werte bei roten Blutkörperchen

Nach Ablauf ihrer Sperre war Pechstein wieder bei Weltcups gelaufen und auch getestet worden. Ebenso bei der Einzelstrecken-WM im März in Inzell, wo sie ihr Comeback mit dritten Plätzen über 5000 Meter und in der Team-Verfolgung gekrönt hatte. In Inzell ergaben nach Pechsteins Angaben drei von vier Tests Retikulozyten-Werte, die teilweise deutlich über dem zulässigen ISU-Grenzwert von 2,4 Prozent lagen.

Seit ihrem Comeback haben die Tests laut Pechstein einen Mittelwert von knapp dieser Größe erreicht. Eine Reaktion der ISU gab es daraufhin nicht. Weitere Details will Pechstein auf ihrer Website (www.claudia-pechstein.de) bekannt geben. Nun erhöht die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin den Druck auf die an ihrem Dopingfall beteiligten Parteien, auch um ein weiteres wichtiges Fernziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Ergebnis einer vererbten Anomalie?

Pechstein hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass am Ende ihres langen Kampfes eine Schadenersatzklage gegen die ISU ("Sie hat mein Leben zerstört") stehen soll. Die Erfolgschancen einer solchen Klage sind mit einem Freispruch im zweiten Anlauf um ein Vielfaches höher. Pechstein glaubt, mittlerweile bewiesen zu haben, dass die erhöhten Werte ihrer frischen roten Blutkörperchen (Retikulozyten) das Ergebnis einer vererbten Anomalie sind.

Derselben Ansicht sind zahlreiche international renommierte Hämatologen, darunter der italienische ISU-Gutachter Alberto Zanella. Die ISU, die Pechstein nur anhand des indirekten Dopingnachweises sperrte, hatte in ihrem Urteil eine andere Ursache als Doping ausgeschlossen.

"Ist ihr gutes Recht, diesen Weg zu beschreiten"

Den neuen Vorstoß Pechsteins kommentiert der Weltverband zurückhaltend. "Die neuen Werte haben keinen Einfluss auf in der Vergangenheit gefällte Entscheidungen", sagte ISU-Sprecherin Selina Vanier der "Sport Bild". Wahrscheinlich wird sich die ISU in ihrer Reaktion auf die Selbstanzeige Pechsteins auf die neuen Verfahrensrichtlinien der WADA zum Umgang mit indirekten Doping-Nachweisen berufen, die erst kurz nach dem Pechstein-Urteil in Kraft traten.

"Es ist ihr gutes Recht, diesen Weg zu beschreiten", sagte WADA-Vizepräsident Arne Ljungqvist beim internationalen Doping-Symposium in Freiburg. Über Pechsteins Erfolgsaussichten wollte der 80 Jahre alte Schwede, der auch Präsident der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, nicht spekulieren.

Die Gefahr, dass durch die weitere Vorgehensweise Pechsteins das noch junge indirekte Doping-Nachweisverfahren der WADA Schaden nehmen könnte, sieht Ljungqvist nicht und argumentiert in dieselbe Richtung, wie es wohl auch die ISU tun wird.

"Dieser Fall stellt für den indirekten Nachweis keine Bedrohung dar. Wir haben mittlerweile die Richtlinien zur Führung des indirekten Nachweises installiert, die im Fall Pechstein noch keine Gültigkeit besaßen", sagte Ljungqvist. NADA-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer sagte, dass die NADA der Selbstanzeige "natürlich genauestens auf den Grund" gehen werde.

Pechstein will zu Olympia 2014

Pechstein bereitet sich derzeit auf die neue Saison vor, in der sie das volle Programm bestreiten will. Die Olympiasiegerin von Lillehammer, Nagano, Salt Lake City und Turin, die im Sommer wenig erfolgreich bei den deutschen Bahnrad-Meisterschaften gestartet war, ist fest entschlossen, bei den Winterspielen 2014 in Sotschi auf dem Eis zu stehen. Die sogenannte Osaka-Regel des IOC verbietet es ihr als einer offiziell des Doping überführten Athletin bislang noch, an den Spielen teilzunehmen. Ihrer Meinung nach verdient sie eine Ausnahmegenehmigung.

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