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Pechstein-Urteil bringt Sportgerichtsbarkeit ins Wanken

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Revolution durch Urteil  

Fall Pechstein bringt Sportgerichtsbarkeit ins Wanken

26.02.2014, 16:36 Uhr | sid, dpa

Pechstein-Urteil bringt Sportgerichtsbarkeit ins Wanken. Claudia Pechstein löst eine Sport-Revolution aus. (Quelle: dpa)

Claudia Pechstein löst eine Sport-Revolution aus. (Quelle: dpa)

Das gleicht einer "Revolution": Claudia Pechstein hat mit ihrem juristischen Streit das weltweite Sportrechtssystem ins Wanken gebracht, im millionenschweren Schadenersatzprozess jedoch eine Niederlage erlitten. Das Landgericht München I erklärte die Schiedsklausel der Athletenvereinbarung zwischen Verbänden und Athleten im Falle der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin für unwirksam - die Autorität des Internationalen Sportgerichtshofs CAS ist stark angekratzt.

"Dieses Urteil ist ein Sieg für alle Sportler in Deutschland, weil nun der Schiedszwang abgeschafft werden muss", sagte Pechstein-Anwalt Thomas Summerer nach der Urteilsverkündung. "Das heißt, Athleten können künftig nicht länger gezwungen werden, sich der Sportgerichtsbarkeit zu unterwerfen. Das ist eine Revolution für die gesamte Sportwelt."

Künftig könne jeder Athlet frei entscheiden, ob er den Weg der Sportgerichtsbarkeit oder über ein ordentliches Gericht in Deutschland wähle. Es gehe nicht um die Abschaffung des CAS, "sondern nur um Reformen", erklärte Summerer.

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Bei der Unterzeichnung keine Wahl gehabt

Das Gericht begründete die Entscheidung im Fall Pechstein damit, dass die Vereinbarung vonseiten der 42-Jährigen nicht freiwillig getroffen worden sei. Die Beklagten, die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) sowie der Eislauf-Weltverband ISU, hätten eine Monopolstellung inne gehabt. Pechstein habe bei der Unterzeichnung keine Wahl gehabt, denn ohne wäre die Berlinerin nicht zu Wettkämpfen zugelassen worden und dadurch in ihrer Berufsausübung behindert gewesen.

CAS ist "massiv angegriffen"

Mit Blick auf die Athletenvereinbarungen hat das Urteil Signalwirkung. Sportler könnten mit Berufung auf dieses Urteil eine Unwirksamkeit entsprechender Verträge geltend machen. ISU-Rechtsbeistand Dirk-Reiner Martens, der ebenfalls Mitglied des Internationalen Sportgerichtshofes ist, sieht den CAS "massiv angegriffen". "Man muss sich Gedanken machen. Letztlich gibt es zur Sportgerichtsbarkeit keine Alternative", sagte Martens.

Die Entscheidung sei sehr bemerkenswert und stehe im Widerspruch zu vielen bisherigen Urteilen. Dem Athleten sei mit dem Gang über ein Zivilgericht und mehrere Instanzen nicht geholfen. Summerer bekräftigte derweil die Notwendigkeit von Reformen: "Der Sport muss damit leben, dass es möglicherweise zwei Gerichtsbarkeiten gibt. Einerseits Schiedsgerichte, andererseits staatliche Gerichte. Das ist der Preis des Rechtsstaates."

Der renommierte Heidelberger Sportrechtler Michael Lehner sieht die Freiheit des Athleten gestärkt. "Es ist sicherlich ein ganz bedeutendes sportrechtliches Urteil", sagte er, es sei ein "Zurechtstutzen der Monopolmacht, die die Sportverbände so ausüben".

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GdP fordert faireres Sportrechtssystem

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht in dem Urteil den Startschuss zu tiefgreifenden Änderungen im Sportrecht und begrüßte das Urteil des Münchner Landgerichts. "Unsere den Sportverbänden und dem DOSB mitgeteilten Bedenken gegen das gegenwärtige Sportrechtssystem sind voll bestätigt worden", sagte der stellvertretende GdP-Vorsitzende Jörg Radek. Das bisherige Prozedere des Abschlusses von Athleten- und Schiedsvereinbarungen sei meilenweit vom sportlichen Anspruch der Fairness entfernt. "Es entrechtet und benachteiligt die Sportler völlig unangemessen. Das Münchner Landgericht hat dies bestätigt", sagte Radek.

Dopingsperre: Klage abgewiesen

Zum Ärger des Pechstein-Lagers prüfte die 37. Zivilkammer des Landgerichts jedoch nicht, ob Pechsteins auf Indizien beruhende Dopingsperre rechtswidrig gewesen ist. Das Gericht sah sich an den Schiedsspruch des CAS gebunden. "Das halten wir für falsch und sehen das als widersprüchlich an. Einerseits fühlt man sich gebunden an ein Schweizer Gericht, andererseits aber sagt man, die Schiedsklausel ist unwirksam. Das passt nicht zusammen", sagte Summerer.

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Deshalb wird Pechstein gegen die abgewiesene Schadenersatzklage Rechtsmittel vor dem Oberlandesgericht München einlegen. Sie hatte unter anderem Schadenersatz in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro sowie ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 Euro gefordert.

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