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Fall Claudia Pechstein: DOSB beauftragt Experten

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DOSB schaltet Experten ein  

Pechstein: "Bedeutsamer Tag in meiner Karriere"

10.10.2014, 06:31 Uhr | dpa, sid

Fall Claudia Pechstein: DOSB beauftragt Experten. Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein pocht weiterhin auf ihre Unschuld.  (Quelle: dpa)

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein pocht weiterhin auf ihre Unschuld. (Quelle: dpa)

Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein hat die Initiative des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) begrüßt, ein namhaftes Expertengremium um gründliche Prüfung und Bewertung ihres Falls zu bitten. "Für mich ist heute einer der bedeutsamsten Tage meiner Karriere. Denn nun ist klar, dass mein Fall noch lange nicht abgeschlossen ist, wie die ISU noch immer behauptet", teilte die 42-Jährige mit.

Nun werde erstmals medizinisch von offizieller Stelle durch anerkannte Experten geklärt, "ob ich Täter oder Opfer bin. Ich kenne die Antwort längst", sagte Pechstein. "Wenn die Experten ihre Arbeit beendet haben, werden auch alle anderen sie kennen."

Physiologen und Biochemiker im Expertengremium

Der DOSB hat fünf anerkannte Experten um eine Bewertung der "diskutierten medizinischen Fragen" im "Fall Pechstein" gebeten. Wie der Dachverband in Frankfurt/Main mitteilte, übernahm Wolfgang Jelkmann, Direktor des Instituts für Physiologie an der Universität Lübeck, die Koordinierung des Gremiums. Die Experten sollen laut DOSB "alle vorgelegten medizinischen Fachgutachten und Diagnosen bewerten, die es zu diesem Fall bislang gibt".

Dem Gremium gehören auch Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln, und Alberto Zanella, langjähriger Direktor der hämatologischen Abteilung der Universitätsklinik Mailand, an. Der Italiener war auch Gutachter des Eislauf-Weltverbandes ISU im Verfahren gegen Claudia Pechstein

Moralischer Freispruch für Pechstein?

Die fünfmalige Olympiasiegerin war von der ISU im Juni 2009 aufgrund eines indirekten Dopingnachweises - basierend auf erhöhten Retikulozyten-Werten - für zwei Jahre gesperrt worden. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte die Sperre im November 2009 bestätigt.

Das Schweizer Bundesgericht lehnte Pechsteins anschließende Revision gegen die CAS-Entscheidung im September 2010 ab. An den Gerichtsurteilen ist nicht mehr zu rütteln. Mögliche neue - von bisherigen Expertisen eventuell völlig abweichende - Erkenntnisse könnten indes zu einem moralischen Freispruch für Pechstein führen.

"Die Frage steht im Raum, ob wir eine Athletin haben, die Täterin war oder Opfer ist. Wir wollen überprüfen, inwieweit das Bild der dopenden Claudia Pechstein in der Öffentlichkeit gegebenenfalls korrigiert werden muss", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. "Sollte hier Unrecht geschehen sein, dürfen wir es nicht stehen lassen." Der DOSB stelle sich seiner Verantwortung "mit allen daraus resultierenden Konsequenzen".

Vom Vater vererbte Blut-Anomalie soll schuld sein

Zahlreiche medizinische Experten haben immer wieder darauf hingewiesen, dass Pechstein zu Unrecht verurteilt worden sein könnte, da sie eine vom Vater vererbte Blut-Anomalie habe, die ihre erhöhten Retikulozyten-Werte erklären könne. "Die Experten sollen dieser Frage nun erneut nachgehen und beurteilen, ob sich aus den vorliegenden Daten ein Dopingvergehen ableiten lässt", erklärte der DOSB.

Der "Fall Pechstein" wird indes wohl einzigartig bleiben, da die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) im Anschluss die Regeln so änderte, dass zwingend mehrere Blutparameter von Aktiven auffällig sein müssen, um eine Sperre verhängen zu können.

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