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Lanzinger-Crash: ÖSV droht Rettungskräften in Norwegen mit Gericht

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Ski alpin  

Lanzinger-Crash: ÖSV droht mit Gericht

05.03.2008, 10:28 Uhr | sid, t-online.de, dpa

Sanitäter transportieren den gestürzten Lanzinger ab (Foto: imago)Sanitäter transportieren den gestürzten Lanzinger ab (Foto: imago) Der Skizirkus steht nach wie vor unter Schock. Nach dem Horror-Crash von Matthias Lanzinger beim Super-G-Rennen im norwegischen Kvitfjell, musste dem Rennläufer der Unterschenkel amputiert werden. Nach erfolgreicher OP ist laut Aussage der behandelnden Ärzte der Patient außer Lebensgefahr. Mittlerweile ist allerdings ein bitterer Streit entbrannt, ob eine Amputation überhaupt nötig gewesen wäre. Insbesondere der Österreichische Skiverband (ÖSV) geht auf die norwegischen Rettungskräfte los.

Hintergrund Schwere Unfälle im alpinen Skisport
Foto-Serie Lanzinger nach seinem Sturz
Sturz Lanzinger liegt im künstlichen Koma
Super G Miller siegt in Kvitfjell - Lanzinger gestürzt

ÖSV will Vorfall prüfen

"Der ÖSV wird sich diesen Unfall sehr genau anschauen und alle rechtlichen Konsequenzen ausschöpfen“, kündigte ÖSV-Alpin-Chef Hans Pum gegenüber den "Salzburger Nachrichten“ bereits an. Pum weiter: "Jeder Läufer weiß, dass es ein Restrisiko gibt. Aber dass man nach einem Beinbruch sein Bein verliert, ist unvorstellbar.“

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Transport wirft Fragen auf

"Das Problem bei Lanzingers Unfall war, dass er nicht sofort richtig versorgt werden konnte", sagt Wolfgang Maier, Alpin-Direktor des Deutschen Skiverbandes, im Interview mit "rp-online" und schließt sich der der Kritik über den verzögerten Abtransport des Rennläufers nach seinem Sturz an. Fünf Stunden dauerte es, bis er von der Strecke ins Krankenhaus kam. Ein spezieller Rettungshubschrauber hatte nicht zur Verfügung gestanden. Bei dem ersatzweise eingesetzten Touristen-Hubschrauber musste erst eine Sitzbank entfernt werden, um den schwer verletzten Sportler vom Zielraum ins Krankenhaus nach Lillehammer fliegen zu können. Dort wurde festgestellt, dass die Klinik nicht über die nötigsten Behandlungsgeräte verfügt, so dass er anschließend noch nach Oslo weitertransportiert werden musste.

Mutter lässt Bein beschlagnahmen

Laut der Tageszeitung "Österreich" hat die Mutter des Rennläufers mittlerweile einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Er soll die Hintergründe der Amputation überprüfen. Dazu habe der Jurist auch das amputierte Bein beschlagnahmen lassen. Es soll für ein mögliches Gerichtsverfahren verwahrt werden.

Gefäß-Chirurg: Amputation war unumgänglich

Der 27-jährige Lanzinger hatte sich bei dem Rennen am Sonntag einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch sowie eine schwerwiegende Gefäßverletzung zugezogen. Gefäß-Chirurg Thomas Hölzenbein, den der ÖSV am Montag eigens nach Oslo hatte einfliegen lassen, erklärte inzwischen jedoch, dass wahrscheinlich auch bei rascherem Transport eine Amputation nötig gewesen wäre: "Es haben Teile des Knochens gefehlt, es hätte dennoch das Bein amputiert werden müssen." Man sollte mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein.

Zwischenzeitlich ins Koma versetzt

Nach einer neunstündigen Not-Operation in der Nacht zum Montag kam Lanzinger, der wegen Komplikationen zwischenzeitlich ins künstliche Koma versetzt wurde, auch in der Nacht zum Dienstag wieder im Osloer Ullevål-Krankenhaus auf den OP-Tisch. Doch aller Einsatz der Ärzte half nichts, auch Hölzenbein konnte den schwer geschädigten Unterschenkel nicht retten.

Zu retten, was zu retten war

Hölzenbein habe nach seiner Ankunft in Oslo noch versucht zu retten, was zu retten ist. Sämtliche Unterschenkelarterien seien durchtrennt gewesen, es habe sich um eine außerordentlich schwerwiegende Verletzung gehandelt. "Die Durchblutung in Gang zu setzen, ist in Oslo nicht optimal geglückt", meinte er. Lanzinger wurde mitlerweile planmäßig aus dem künstlichen Koma geholt.

Diskussion über Sicherheit

Die schwere Verletzung des Österreichers führte dennoch zu einer Grundsatzdiskussion über die Sicherheit im alpinen Zirkus. "Ich halte die Entwicklung für bedenklich. Es geht immer mehr an die Grenze. Man muss in erster Linie das Tempo rausnehmen", sagte DSV-Arzt Ernst-Otto Münch im Münchner Merkur.

Ferstl: "Die Skifahrer sind nur noch Freiwild"

Sepp Ferstl, ehemaliger deutscher Abfahrer und Kitzbühel-Sieger, forderte in der "Münchner AZ" "neue Regeln" für den Skisport, "wie in der Formel 1. Da passiert auch fast nichts mehr. Die Skifahrer sind nur noch Freiwild. Material und Sicherheit müssen neu überdacht werden."

Maier: "Solche Unfälle können immer passieren"

Wolfgang Maier sieht dagegen keinen Grund zur Panik. "Skifahren bedeutet Risiko. Wenn man mit 140 Stundenkilometern die Piste herunterjagt, können solche Unfälle immer passieren." Außerdem sei die Verletztenrate in diesem Winter nicht höher als in anderen Jahren: "Wir haben immer ein bis zwei Waden- oder Schienbeinbrüche und vier bis fünf Kreuzbandrisse im Weltcup. Das gehört leider dazu."

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