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Skandal um Zeitmessung bei der Ski-WM

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Den Verantwortlichen läuft die Zeit weg

13.02.2011, 20:39 Uhr | Aus Garmisch-Partenkirchen berichtet Jörg Hausmann, t-online.de

Skandal um Zeitmessung bei der Ski-WM. Die Zeitmessung war während des Super-G-Rennens von Tina Maze nicht im Bilde. (Foto: imago)

Die Zeitmessung war während des Super-G-Rennens von Tina Maze nicht im Bilde. (Foto: imago)

Auch nach fünf Wettkampftagen der Ski-WM ist eine Selbstverständlichkeit des Skisports das Hauptärgernis des Veranstalters: die Zeitnahme. Seit dem ersten Rennen, dem Super-G der Damen, werden Zwischenzeiten zu früh ausgelöst, falsch oder gar nicht angezeigt, vor Ort und im TV. Die Begründungen dafür klingen ebenso abenteuerlich wie die Fahrzeiten: schmelzender Schnee, störende Sicherheitszäune und ein zu emotionaler Stadionsprecher.

Albert Vetter als Vertreter der verantwortlichen Firma Alge-Timing versuchte sein Bestes, das Unfassbare zu erklären. Doch seine hilflosen Statements gerieten mindestens so unfassbar wie der aufzuklärende Umstand. Wer sie vernahm, schüttelte im Pressezentrum der WM nur mit dem Kopf.

Sicherheitszäune stören Genauigkeit

"Morgens ist der Schnee sehr sehr hart, und mittags ist der Schnee sehr sehr weich", sagte Vetter. In diesen Schnee, der jeden Tag um etwa fünf Zentimeter abnehme, werden die Holzpflöcke für die Lichtschranken gehauen. Durch das wegschmelzende Weiß aber verändert sich die Position der Pflöcke und somit der Lichtschranke. Deren Exaktheit störten zudem sechs davor aufgebaute Sicherheitszäune. Am 11. Februar seien diese entfernt worden.

Ungewollte Zeitmessauslösung

Die Lautsprecheranlage steht freilich noch. Was sie mit der falschen Zeit der Slowenin Tina Maze im Super-G zu tun hatte, schilderte Toni Ostler, zuständig für die Streckenbeschallung. Diese Beschallung habe während des Rennens auf der gesamten Strecke nicht funktioniert – wegen eines falsch installierten Datenkabels. Dies führte von der Beschallungskabine zur Verstärkeranlage im Zielhaus. Zum Unglück für Maze - und auch schon die vor ihr gestartete Französin Ingrid Jacquemod - schilderte der Stadionsprecher den WM-Auftakt sehr emotional. Dessen Lautstärke aber hatte kein Techniker auf der Rechnung. Getestet worden war die Anlage tags zuvor ohne ihn, nur mit Musik, ohne Live-Atmosphäre. Ergebnis in der Hitze des Rennens: "Ein induktiver Überschlag auf das Zeitnahmekabel", erklärte Ostler. Ungewollte Zeitmessauslösung. Das Problem sei nach fünf Minuten behoben gewesen. Anschließend wurde das Übersteuern der Lautsprecheranlage eingeschränkt. "Damit das nicht mehr passieren kann", erklärte Ostler.

Die angezeigten Zeiten aber blieben seitdem trotzdem Tag für Tag rätselhaft. Noch schlimmer: Sie gehen in alle Welt. Peter Fischer, Geschäftsführer des Organisationskomitees der WM und Vetter mussten von den Journalisten darüber aufgeklärt werden, dass der Zeiten-Wirrwarr durchaus auch auf den Fernsehschirmen  präsent war und ist. Beide hatten geglaubt, das peinliche Problem ärgere ausschließlich die Vor-Ort-Öffentlichkeit .

Fischer: "Viele unglückliche Umstände"

Im Weltcup kümmert sich um die Zeitmessung in etwa 85 Prozent der Fälle die Firma Swiss Timing – nicht aber bei dieser WM. Diese Entscheidung, so sagte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis, lag in den Händen des Organisationskomitees.

Fischer will Alge-Timing wegen "vieler unglücklicher Umstände" die zusammengekommen seien, "nicht in eine Ecke stellen", sagte aber auch: "Für uns ist das alles sehr ärgerlich. Das ist eine Begleiterscheinung, die es auf Grund des hohen Standes der Technik nicht geben dürfte." Nicht nur für Fischer ist die Zeitnahme "Standard", weil bei jedem Rennen "unabdingbar und fester Bestandteil. Die muss automatisch klappen. Es tut mir persönlich sehr leid, dass es die Diskussion gibt". Ab morgen dürfe es "dafür überhaupt keine Diskussionsgrundlage mehr geben", forderte Fischer, das Problem zu beseitigen.

Zweite Chance für Alge-Timing

Während der Abfahrt der Damen war Alge-Timing sicherheitshalber dazu übergegangen, die Zwischenzeiten der Athletinnen auf den im Zielbereich aufgestellten Anzeigetafeln erst gar nicht mehr aufscheinen zu lassen. Das Chaos im wahrsten Wortsinne auszublenden, behebt jedoch dessen Ursachen nicht. Trotzdem, sagte Fischer, müsse man Alge-Timing eine zweite Chance geben.

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