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Maria Höfl-Riesch im Interview: "Hat oft nur der letzte Tupfer gefehlt"

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Höfl-Riesch: "Hat oft nur der letzte Tupfer gefehlt"

04.02.2013, 11:54 Uhr | dpa

Maria Höfl-Riesch im Interview: "Hat oft nur der letzte Tupfer gefehlt". Maria Höfl-Riesch glaubt an Topresultate in Schladming.

Maria Höfl-Riesch glaubt an Topresultate in Schladming. (Quelle: dpa)

Schladming (dpa) - Vor zwei Jahren war Maria Höfl-Riesch mit zweimal Bronze die einzige deutsche Medaillengewinnerin bei der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen. Vor den Titelkämpfen in Schladming lief der Weltcup aber alles andere als zufriedenstellend.

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa spricht die 28-Jährige über Druck, Erwartungshaltungen und was der Aufschwung bei den Männern für sie bedeutet.

Maria Höfl-Riesch, inwiefern macht es für Sie einen Unterschied, ob die WM wie in Garmisch-Partenkirchen 2011 zu Hause ist, oder im Ausland stattfindet?

"Bei einer Heim-WM ist die Erwartungshaltung der Zuschauer groß. Vor heimischer Kulisse, im eigenen Ort, ist aber auch die Aufregung und die eigene Erwartungshaltung, der Wille, es besonders gut machen zu wollen, und irgendwo auch der Druck, viel größer."

Also können Sie nun ganz entspannt an die Aufgabe hier in Österreich gehen?

"Die Österreicher haben es in dem Fall sicher schwerer. Trotzdem hat man ja eine eigene Erwartung, eine eigene Hoffnung, obwohl die bei mir für die WM nicht gerade riesengroß ist. So wie die letzten Wochen im Weltcup gelaufen sind. Ich fahre zwar eine ganz gute Saison, aber es waren eben in über 20 Rennen nur zwei Podestplätze. Deswegen glaube ich, kann man nicht sagen, dass ich diesmal zu den Favoritinnen zähle. Trotzdem werde ich natürlich alles daran setzen, doch um die Medaillen mitzufahren."

Woher nehmen Sie den Glauben, dass es trotzdem klappen kann?

"Dass es möglich ist, das weiß ich. Das hat man ja doch ein paar Mal gesehen. Ich hatte oft fehlerhafte Läufe und bin dann Vierte, Fünfte, Sechste geworden. Auch in Flachau hat man bis zum Ausscheider gesehen, was ich drauf habe. Es hat halt in der Saison oft nur der letzte Tupfer gefehlt, um ganz vorn zu landen."

Ausgerechnet beim letzten Slalom vor der WM sind Sie in Maribor ausgeschieden und waren zudem krank. Wie sehr schadet das bei der Vorbereitung?

"Optimal ist es natürlich nicht, vor allem, weil ich durch die Erkältung nicht so gut trainieren konnte. Aber manchmal ist es besser, lieber ein paar Tage Pause zu machen, um auch den Kopf wieder freizubekommen."

Ist es psychologisch ein Nachteil, dass das Saisonfinale in Schladming vergangenes Jahr nicht optimal gelaufen ist?

"Das ist eine ganz andere Ausgangssituation. Im Finale letztes Jahr war bei mir total die Luft raus, es ging um nichts mehr für mich, sowohl körperlich als auch vom Kopf her hat es mir gereicht. Zudem war es wettermäßig eher Sommer als Winter, tagsüber waren es 20 Grad. Das kann man sicher nicht vergleichen. Wenn in Schladming normale Bedingungen herrschen, dann sind es sicher Strecken, die mir liegen. Außerdem ist die Motivation bei einer WM natürlich ganz anders als beim Saisonfinale, wo die Rennen Nummer 37 bis 40 gefahren werden und es um nichts mehr geht."

Sie sprechen ihr großes Pensum an. Warum tun Sie sich das an, in allen Disziplinen an den Start zu gehen?

"Weil ich halt in allen Disziplinen vorne mitfahren kann. Und weil schon der Gesamtweltcup immer wieder das Ziel ist. Man kann ja nie von vornherein wissen, dass so außergewöhnlich gute Saisons von anderen gefahren werden wie von Lindsey (Vonn) letztes Jahr oder von Tina (Maze) in diesem. Ich wüsste auch nicht, welche Disziplin ich weglassen sollte."

Aber es kostet auch viel Kraft und Regenerationszeit haben Sie auch kaum.

"Es ist natürlich ein hartes Programm, ich denke mir auch oft, es ist Wahnsinn, was man sich da antut im Vergleich zu den Spezialistinnen, die viel mehr Ruhetage haben und Zeit zum Trainieren. Aber ich war schon immer eine Allrounderin, und es macht mir auch Spaß, sonst würde ich es nicht machen. Die negativen Seiten, die das hat, muss man dann halt in Kauf nehmen."

Was trauen Sie dem deutschen Team zu?

"Vicky (Viktoria Rebensburg) ist im Riesenslalom sicher eine der Favoritinnen, auf eine Medaille sowieso, vielleicht sogar auf Gold. Spannend wird sein, wie viel Auftrieb Lena (Dürr) durch ihren Sieg beim Parallelslalom in Moskau bekommt. So was kann einen beflügeln. Und ansonsten könnten die Herren vielleicht was aus dem Feuer holen - wird eh mal Zeit."

Spielen die Weltmeisterschaften schon eine Rolle im Hinblick auf Olympia 2014?

"Dafür ist es viel zu früh. Da ist ein Jahr dazwischen, da kann noch so viel passieren."

Tina Maze dominiert den Gesamtweltcup - kann sie auch bei der WM ähnlich stark auftrumpfen?

"Das traue ich ihr auf jeden Fall zu, bei der Konstanz und der Stärke, die sie heuer zeigt. Das wird sie auch von sich selbst erwarten. Man weiß nie. Großereignisse haben eigene Gesetze, und gerade die größten Favoriten scheitern manchmal. Aber ich denke, sie hat ein ordentliches Selbstvertrauen im Moment und zeigt kaum Schwäche. Deshalb traue ich ihr da schon Einiges zu."

Sie haben das Leistungshoch der Herren angesprochen. Haben Sie das Gefühl, dass deren unerwartete Resultate für Sie ein Nachteil sind, weil Sie im Vergleich vielleicht schlechter wegkommen?

"Im Gegenteil. Ich finde, es ist mal Zeit geworden, dass die Herren was zeigen. Es waren viele, viele Jahre, wo eigentlich nur die Damen die Fahnen hochgehalten haben. Jetzt läuft es bei uns nicht ganz so rund, aber auch nicht richtig schlecht. Es ist ja nicht so, dass wir so rumkrebsen, wie die Herren noch vor fünf Jahren. Deswegen: Wir freuen uns, wenn sie erfolgreich sind. Das ist doch super. Für den Skisport insgesamt und für die Aufmerksamkeit ist das total wichtig."

Sorge, in der Relation noch kritischer beurteilt zu werden, gibt es keine?

"Das kann schon sein. Aber das stört mich nicht. Ich versuche immer mein Bestes."

In einem Artikel über Sie heißt es, sie seien zufrieden mit ihrer Karriere und hätten deswegen nicht mehr den unbedingten Willen, zu gewinnen. Welcher Teil der Aussage stimmt?

"Es ist absoluter Schmarrn, dass ich nicht mehr gewinnen will. Das einzige, was ich immer sage: Ich habe alles erreicht, was ich mir jemals vorgenommen habe, ich habe alles gewonnen, das ist ein super Gefühl. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Das heißt nicht, dass ich nicht noch mal gewinnen will. Aber dieses Ich-muss-jetzt-was-gewinnen,-weil-sonst-ist-meine-Karriere-schlecht, das habe ich nicht mehr. Auf der einen Seite spüre ich eine gewisse Gelassenheit, auf der anderen habe ich aber trotzdem noch den totalen Ehrgeiz. Ich fahr da ja nicht zur Gaudi rum."

Das heißt, Teil eins des Satzes stimmt..

"... natürlich..."

... aber Teil zwei des Satzes ist falsch?

"Ja."

Sie haben gesagt, vor Flachau hatten Sie Zweifel an ihrer Siegfähigkeit. Hat das einen Einfluss auf ihre Karriereplanung?

"Überhaupt nicht. Natürlich gibt es Tage, wo es alles etwas schwerer fällt und man denkt, ich bin froh, wenn das irgendwann mal vorbei ist. Aber nur, weil es ein bisschen zu kämpfen gibt, schmeiße ich nicht gleich alle Pläne um. Sotschi ist das große Ziel, und dann sehen wir weiter."

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