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Ski alpin - FIS-Präsident Kasper: "FIFA denkt, dass sie Götter sind"

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FIS-Präsident Kasper: "FIFA denkt, dass sie Götter sind"

10.02.2015, 09:21 Uhr | dpa

Ski alpin - FIS-Präsident Kasper: "FIFA denkt, dass sie Götter sind". Gian-Franco Kasper sieht den Wintersport in der schwächeren Position.

Gian-Franco Kasper sieht den Wintersport in der schwächeren Position. Foto: Stephan Jansen. (Quelle: dpa)

Beaver Creek (dpa) - Der Schweizer Gian Franco Kasper, Präsident des Skiweltverbandes FIS, zieht nach dem Bergfest bei der Alpin-WM in den USA Zwischenbilanz. Enttäuscht sei er über das mediale Echo vor allem in Amerika, sagte der 71-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Auch zu den von der FIFA bedrohten Winterspielen 2022 äußerte er sich: Beim Fußballweltverband spielten sich die Chefs als Götter auf.

Spannende WM-Rennen, viel Action - beglückwünscht man sich bei der FIS für die Einführung des Team-Events im jetzigen Format?

Kasper: Natürlich. Wir haben lange genug dafür gekämpft. Es war nicht leicht, bis wir ein Format gefunden haben, das gut war. Das Volk will das, man will eine Mannschaft haben, die man anfeuern kann.

Im Gegensatz zum Team-Event ist die Kombination nicht mehr sonderlich beliebt.

Kasper: Das diskutieren wir auch seit 100 Jahren. Was wir brauchen würden, wären ganz sicher mehr Kombinationen innerhalb des Weltcups. Da haben wir eindeutig zu wenig. Das Problem ist der Platz im Kalender. Aber da müssen wir was machen.

Das Team-Event soll spätestens 2022 olympisch sein. Ist es angedacht, die Kombination dafür zu streichen?

Kasper: Nein.

Ist diese WM bislang die große Werbung, die man sich vor allem für den amerikanischen Markt erhofft hat?

Kasper: Man hat in Amerika ein bisschen mehr Fuß gefasst. Enttäuscht bin ich über das Echo. Hier in Colorado ist das nicht schlecht. Wenn Sie aber die amerikanischen Medien quer durchs Land anschauen, dann ist das verdammt wenig. Aber wichtig ist nicht unbedingt die größere Beachtung des Rennsports in den USA, sondern, dass wir mehr Skifahrer haben. Wenn ich zurückdenke an 1989 oder 1999, dann sind schon gewaltige Fortschritte gemacht worden. Auch mit dem Publikum.

Wie sehr schmerzt es, dass US-Star Lindsey Vonn bislang nicht die erhoffte Goldmedaille gewinnen konnte?

Kasper: Natürlich wäre eine Goldmedaille am ersten Tag ideal gewesen für die Veranstalter. Aber die Spannung auf eine Medaille war da, und das ist das Wichtigste.

Was trauen sie den deutschen Athleten in der zweiten Woche zu?

Kasper: Natürlich Gold, Silber und Bronze im Slalom... was sonst? Über den vierten Platz kann man diskutieren. (lacht)

Die USA gelten als Ski-Entwicklungsland. Was können aber die kommenden Gastgeber St. Moritz und Åre von Vail und Beaver Creek lernen?

Kasper: Die ganze Organisation ist ziemlich reibungslos. Man macht viel fürs eigene Publikum. Aber St. Moritz und Vail arbeiten ohnehin sehr eng zusammen. Was sie nicht machen müssen, ist die Preise angleichen...

Gibt es eine Region, von der Sie sich sagen, da würde ich mir mal eine Bewerbung wünschen?

Kasper: Praktisch von überall her. Auch Deutschland muss wieder kommen. Die sind immer in der Zwickmühle zwischen Nordisch und Alpin. Die Weltmeisterschaften sollten an einem großen, erfahrenen Ort sein. Das ist kein Spielzeug. Mit Olympia können Sie das machen, wohin zu gehen, wo noch nie was war. Da hat man mehr Zeit und mehr Geld. Aber bei uns sollte man die Qualität in den Vordergrund stellen.

Auch mit Blick auf die Winterspiele sind Sie großer Gegner einer Fußball-WM 2022 im Februar. Welches Druckmittel hat denn der Wintersport, um die Fußballer in die richtige Spur zu schicken?

Kasper: Überhaupt keins. Als die Sache mit Katar das erste Mal aufkam, habe ich sofort im Namen aller Wintersportverbände an Herrn Blatter geschrieben. Ziemlich scharf auch, um ehrlich zu sein. Die Reaktion? Gleich null. Die FIFA denkt, dass sie Götter sind, und handelt auch dementsprechend. Die kümmern sich um gar nichts. Wenn es jetzt November oder Dezember wird, dann können wir - nicht gern, aber doch - damit leben. Aber was wollen Sie machen? Das einzige wäre, die Landsleute von Herrn Blatter daran zu erinnern, dass er den Wintersport kaputt macht.

Sie sind offenbar nicht zufrieden, wie sich Sepp Blatter anderen Sportarten gegenüber verhält.

Kasper: Ich weiß nicht, ob er es ist. Für seine Gruppe, für seinen Vorstand, ist der Wintersport nicht existent. Die FIFA hat noch nie auf jemanden gehört. Der Fußball ist nun mal so stark.

Also ist Sepp Blatter nicht das Hauptproblem?

Kasper: Nein, es ist ja eine Gruppe.

Was halten Sie davon, dass er sich noch mal als FIFA-Chef wiederwählen lassen will?

Kasper: Ich sage mal so: In seinem Alter würde ich nicht mehr antreten.

Als FIFA-Präsident oder auch als FIS-Präsident?

Kasper: Sowohl als auch.

Wie lange planen Sie denn noch?

Kasper: Im Moment bin ich noch drei Jahre gewählt, dann schauen wir. Ich sage aus Prinzip nichts von vorne herein. Das lasse ich vollkommen offen.

Was bringen die vom neuen IOC-Präsidenten Thomas Bach angekündigten Reformen bei der künftigen Vergabe Olympischer Spiele?

Kasper: Ob das den Gigantismus zurückholt, das bezweifele ich. Es wird eher noch größer, weil man zusätzliche Städte mit einbaut. Das wird eine gefährliche Gratwanderung, das durchzusetzen.

Wie realistisch sind angepeilte Einsparungen bei Olympia?

Kasper: Wie kosteneffektiv eingespart wird, muss man dann beurteilen. Es ist viel einzusparen. Alles, was nice to have ist, muss man vergessen.

ZUR PERSON: Gian Franco Kasper (71) ist seit 1998 Präsident des Skiweltverbandes FIS, zuvor war er Generalsekretär. Seit 15 Jahren ist der Schweizer Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees.

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