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Skispringen: Noch keine Bindung zur Bindung

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Noch keine Bindung zur Bindung

13.12.2010, 11:18 Uhr | t-online.de, t-online.de

Skispringen: Noch keine Bindung zur Bindung. Die Bindung von Simon Ammann war letzte Saison der große Aufreger. (Foto: imago)

Die Bindung von Simon Ammann war letzte Saison der große Aufreger. (Foto: imago)

Ob Radsportler, Ruderer oder Wintersportler: Bereits seit 48 Jahren basteln die Wissenschaftler des Berliner Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) an kleinen und großen Teilchen, mithilfe derer Deutschlands Sportler in der Weltelite für Furore sorgen. Seit diesem Jahr vertrauen auch die Skispringer des DSV den Berliner Tüftlern. Doch noch sind Martin Schmitt und Co. mit der neuen Technik überfordert.

Wer sich als Sportbegeisterter auf die Website des FES verirrt, bekommt leuchtende Augen: 3D-Animationen futuristischer Bobs, Simulationen der Windströme bei Rennrädern, ein Rodler im Windkanal, der Entwurf eines Paddels zur optimalen Wasserverdrängung. Nur die neue Ski-Bindung der DSV-Adler ist dort nicht zu sehen. Diese, so Deutschlands Cheftrainer Werner Schuster, sei schließlich "eine mutige, visionäre Idee" und soll die deutschen Skispringer schon bald wieder ganz nach vorne führen.

Trotz Problemen: Schuster fordert Konzepttreue

Gäbe es da nicht kleine Schwierigkeiten: "Wir haben Umsetzungsprobleme", gesteht Schuster gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" ein. "Die Anpassung ist noch nicht gelungen." Mit anderen Worten: Weder die alten Hasen um Martin Schmitt und Michael Uhrmann (beide 32) noch die jungen Hüpfer um Pascal Bodmer (19) und Severin Freund (22) sind bisher in der Lage, ihre Sprung- auf die neue Bindungstechnik zu übertragen. Es fehlt die Bindung zur Bindung.

"Das Wichtigste ist jetzt die Konzepttreue", betont aber Schuster. "Das Schlimmste wäre, alles wieder umzuschmeißen." Denn: Skispringen ist ein Sport, der Geduld erfordert. Arbeiten an Details. Minimale Umstellungen können maximalen Erfolg bringen. Doch weil ein Sprung automatisch und ohne Nachdenken ablaufen muss – sonst ist jedes Timing dahin – müssen Veränderungen im Bewegungsablauf, so klein sie auch sind, erst verinnerlicht werden, bevor sie zu Ergebnissen führen.

Aus dem Band wurde ein Aluminiumsteg

Doch was hat es überhaupt mit dieser neuen Wunderbindung auf sich? Was ist so wichtig an der Verbindung zwischen Fuß und Ski? Über Jahrzehnte war das Band das Maß aller Dinge. Es tat, was sein Name versprach – die Ferse des Springers mit dem Ski verbinden, bei möglichst hoher Elastizität. Doch seit dem letzten Winter ist alles anders. Simon Ammann, oder besser gesagt, seine Techniker haben das Skispringen revolutioniert. Mit einer Methode, die für den Außenstehenden fast unsichtbar ist. Aber mit einer Methode, die den Schweizer zum Doppel-Olympiasieger von Vancouver gemacht hat.

Ein gebogener Steg aus Aluminium hat das Band abgelöst. Dieser Schaft sorgt dafür, dass die Ski mit dem Absprung nicht so stark aufkanten wie bei einem Band. Kurzum: Der Ski bleibt in einer Position, durch die er der Luft mehr Fläche gibt und trotz deren Widerstandes stabil bleibt. Mehr Luftwiderstand, mehr Weite. So einfach ist das im Skispringen. Und doch so kompliziert.

Ausgerechnet Neumayer der einzig passable Weitenjäger

Denn während die gesammelte Weltelite diese neue Technik über den Sommer hinweg einfach kopiert hat und nun verwendet, wollten die Deutschen mit Hilfe des FES noch einen Schritt weiter gehen und bereits die nächste Generation der Bindungstechnik kreieren. Was bleibt, sind bisher Ergebnisse unter ferner liefen. Einzig Michael Neumayer hat bisher respektable Ergebnisse erzielen können. Doch der Grund dafür klingt fast absurd: Er springt noch mit einer konservativeren Bindungsvariante.

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