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Skispringer Severin Freund im Interview: "Eine schöne Entwicklung"

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"Das Springen in Deutschland nimmt zurzeit eine schöne Entwicklung"

12.12.2011, 12:44 Uhr | t-online.de

Skispringer Severin Freund im Interview: "Eine schöne Entwicklung" . Severin Freund hat bisher zwei Weltcup-Springen gewonnen.  (Quelle: imago)

Severin Freund hat bisher zwei Weltcup-Springen gewonnen. (Quelle: imago)

Das Interview führte Nils Tittizer
Severin Freund gehört zur neuen Generation der deutschen Skispringer. In der letzten Saison gewann er zwei Mal im Weltcup und holte die WM-Bronzemedaille im Teamwettbewerb. Den Schwung der vergangenen Saison nahm Freund mit und landete in der jungen Weltcup-Saison schon auf dem zweiten Platz.

Vor den Springen im tschechischen Harrachov spricht der 23-Jährige im Interview mit t-online.de über die Konkurrenz zu Mannschaftskollege Richard Freitag, warum man Altstar Martin Schmitt noch nicht abschreiben darf und den Spagat zwischen Hochleistungssport und Studium.

t-online.de: Herr Freund, Bundestrainer Werner Schuster setzt auf den Nachwuchs. Vor der Saison sprach er von einem Generationswechsel im deutschen Skispringen, den er vorantreiben wolle. Kann er nun die ersten Früchte seiner Arbeit ernten?
Severin Freund: Das hätte ich vielleicht schon etwas früher gesagt. Mit Pascal Bodmer und mir gab es ja bereits letztes Jahr gute Springer. Und nun kommt auch Richard Freitag dazu. Das Springen in Deutschland nimmt zurzeit wieder eine schöne Entwicklung.

Sorgt Richard Freitag durch seine guten Resultate innerhalb des Teams für mehr Konkurrenz?
Klar, man pusht sich gegenseitig. Im letzten Jahr war ich im Team ziemlich weit vorne. Diesen Sommer hat Richard mal die Marschrichtung vorgeben. Das ist richtig cool. Es entsteht eine Dynamik. Und jeder Sportler möchte besser sein als der Kollege, dadurch treiben wir uns gegenseitig an.

Sie sind in Lillehammer Zweiter geworden. Ihr Resümee?
Ich bin natürlich sehr zufrieden. Trotz des ganzen Stresses. Der Abstand auf Gewinner Andreas Kofler war ja nur sehr gering. Zumal ich tags zuvor nur auf dem 28. Platz gelandet bin. Damit kann man mehr als zufrieden sein.

Stress hatten Sie durch einen kaputten Ski. Sie selbst sagten, dass Sie "nervlich kaputt" waren in diesem Moment. Trotzdem sprangen Sie am Ende auf Rang zwei. Sind Sie auch mental stärker geworden?
Ja. Das geht mit mehr Erfahrung und besseren Ergebnissen einher. Man gewöhnt sich an die Situationen und verliert die Nervosität. Allerdings kann man sich auf einen Skibruch nicht vorbereiten oder daran gewöhnen. In dem Moment war es natürlich extrem ärgerlich, und ich hatte richtig Stress. Aber vielleicht war es im Endeffekt gar nicht schlecht, dass der Ski gebrochen ist.

Wie kann ein Skibruch positive Auswirkungen haben?
So musste ich mich auf wenige Dinge konzentrieren. Dadurch hatte ich die Chance, Dinge unbewusst besser zu machen als bei einer normalen Vorbereitung.

Ist am Wochenende in Harrachov noch mehr für Sie drin?
Darauf schaue ich eigentlich gar nicht. Die letzten Sprünge waren richtig gut, aber sicher nicht perfekt. Und die Konkurrenz kann auch mehr. Deswegen freue ich mich über den zweiten Platz. Gerade so früh in der Saison ist es sehr angenehm, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Jetzt geht es darum am Sprung weiterzuarbeiten. Damit alles sicherer und lockerer wird.

Letzte Saison waren es zwei Weltcup-Siege. Wie viele werden es diesmal?
Ich hoffe, dass es überhaupt Weltcup-Siege werden. Im Endeffekt sind bei jedem Wettkampf 50 Springer, die alle gewinnen wollen. Und es sind die Besten der Welt. Aber am Ende kann es nur einer schaffen. Da ist es schön, ganz vorne mit dabei zu sein. Für einen Sieg muss alles passen. Aber klar, ich werde versuchen, erneut zu siegen. Doch jetzt gilt es, zuerst die Form aufzubauen und zu stabilisieren.

Wie groß ist der Druck jetzt, die Leistungen der vergangenen Saison dauerhaft zu bestätigen?
Man bekommt schon mit, dass es von außen mehr Ansprüche gibt. Wenn man Leistungssportler ist und in der Öffentlichkeit steht, lebt man davon. Deshalb kann man sich natürlich nicht darüber aufregen. Aber manchmal ist es auch etwas lästig. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass man seinen eigenen Erwartungen gerecht werden muss und nicht den Erwartungen von irgendjemand anderem. Für mich persönlich ist es wichtig, einen bestimmten Weg vor Augen zu haben, den ich gehen möchte. Dabei kommt es nicht auf jedes einzelne Ergebnis an, sondern die Entwicklung in der Saison und über die Jahre.

Bundestrainer Werner Schuster traut Ihnen die ganz großen Sprünge zu. Er beschreibt Sie als zielgerichtet, selbstbewusst, leistungsstark und athletisch. Zuletzt sprach er davon, dass Sie an guten Tagen der beste Skispringer der Welt sein können. Wie groß ist denn noch der Abstand zu den Österreichern?
Den Abstand in Metern auszudrücken, ist schwierig. Ich weiß, wenn ich gut springe, dann kann ich ganz vorne dabei sein. Aber Andreas Kofler gewinnt einfach mal so drei Weltcup-Springen hintereinander. Und das mit einer sagenhaften Leichtigkeit. Bei uns im Team fehlt eben noch die Konstanz. Aber ich kann sagen, dass wir vom Potenzial her eine richtig gute Mannschaft haben. Allerdings muss dann auch jeder seine Leistung bringen, um konkurrenzfähig zu sein. Mit jedem Erfolgserlebnis wird es etwas leichter.

Martin Schmitts Saisoneinstand ging mit dem letzten und dem 25. Platz völlig daneben. Ist seine Zeit endgültig vorbei, oder kommt er noch einmal zurück?
Vorbei ist seine Zeit bestimmt nicht. Martin hatten schon viele Menschen abgeschrieben, und dann ist er bei der WM zu Silber gesprungen. Er ist nach wie vor sehr motiviert. Es wäre falsch zu denken, dass er es nicht mehr packen würde. Im Skispringen fehlen manchmal nur ganz kleine Schritte.

Hat ihn der Bundestrainer bereits abgeschrieben, indem er sagt, dass es den alten Martin Schmitt nicht mehr geben wird?
Das glaube ich auf keinen Fall. Er ist ein wichtiger Springer im Team, das hat er viele Male im Wettkampf unter Beweis gestellt. Die Medaillen, die gewonnen wurden, wurden mit ihm gewonnen.

In Lillehammer gab es mit dem Springen der Frauen eine Weltcup-Premiere. Konnten Sie zusehen?
Die Frauen sind quasi parallel zu uns gesprungen. Somit hat man ein, zwei Sprünge sehen können. Aber ansonsten musste ich mich auf meine Sprünge konzentrieren.

Wie bewerten Sie die Premiere?
Ich glaube, dass sie ganz gut angekommen ist. Zumal wir eine deutsche Frau (Melanie Faißt, Anm. d. Redaktion) auf dem Podest hatten. Deswegen ist es für uns auch sehr gut gelaufen. Was wollen wir mehr...?

Ein Mixed-Wettbewerb ist ebenfalls in Planung. Hätten Sie Spaß daran?
Warum nicht? Ich glaube, wir hätten sehr gute Chancen, um Medaillen zu springen. Das möchte doch jeder Sportler.

Seit 2008 studieren Sie an der Hochschule Ansbach „International Management“. Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Studium und Spitzensport?
Im Winter während der Weltcup-Saison habe ich keine Zeit, richtig zu studieren. Deshalb habe ich mir ein Urlaubssemester genommen. Aber im Sommer ist es kein Problem für mich. Dann ist das Studium ein idealer Ausgleich zum Sport.

Wie weit sind Sie schon?
Ein paar Jährchen wird es wohl noch dauern. Aber ich möchte mir jetzt auch keinen Stress machen.

Wird man Sie nach Ihrer aktiven Karriere im Aufsichtsrat eines großen Konzerns sehen?
Ich finde Wirtschaftsrecht sehr interessant. Aber das Studium habe ich nicht mit einem bestimmten Berufswunsch gewählt. Nach der Karriere werde ich mir die Zeit nehmen und überlegen, wo es hingehen soll. Aber bislang konzentriere ich mich nur auf meine sportliche Karriere. 

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