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Vierschanzentournee: Bilanz der DSV-Adler - Severin Freund im Soll

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Ernüchternde Bilanz der DSV-Adler: Nur Freund im Soll

02.01.2012, 16:16 Uhr | dpa

Vierschanzentournee: Bilanz der DSV-Adler - Severin Freund im Soll. Severin Freund hat noch gute Chancen auf Platz drei bei der Vierschanzentournee. (Quelle: imago)

Severin Freund hat noch gute Chancen auf Platz drei bei der Vierschanzentournee. (Quelle: imago)

Das einstige Idol Martin Schmitt ist abgereist, der neue Hoffnungsträger Richard Freitag grübelt über seine Formkrise - nur Severin Freund hält das deutsche Fähnlein zur Halbzeit der 60. Vierschanzentournee hoch: Während Österreichs Überflieger Gregor Schlierenzauer nach zwei Siegen auf den Spuren von Sven Hannawald wandelt, erfüllten sich die Träume der DSV-Adler bislang nicht.

"Wir wollten im Tagesgeschäft eine tragende Rolle spielen, das haben wir nicht ganz erreicht. Die Mannschaft hat es ziemlich zerwürfelt, nur Severin ist absolut im Soll", sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Freitag: "Mir fehlt die Lockerheit"

Am einzigen Ruhetag der neuntägigen Flugshow, die bislang ganz im Zeichen von Jahrhunderttalent Schlierenzauer steht, lautete das Motto der deutschen Skispringer: Köpfe frei bekommen. "Ich will mal ein bisschen runterfahren. Für mich ist es schon ein bisschen blöd gelaufen. Mir fehlt die Lockerheit. Ich bin auf der Suche nach dem richtigen Gefühl, das man für gute Sprünge braucht", sagte Freitag.

Der 20 Jahre alte Sachse, der nach seinem ersten Weltcupsieg vor drei Wochen in Harrachov sogar als Geheimfavorit gehandelt worden war, zeigte sich von der neuen Situation bislang überfordert. "Da hatten sich alle mehr versprochen. Ich habe gedacht, er packt es. Aber es ist ziemlich viel eingeprasselt auf den Burschen", räumte Schuster ein.

Schuster: Das Podest ist noch drin

Die Hoffnung auf einen Podestplatz hat der Coach aber nicht aufgegeben. "Richie muss jetzt aus diesem Tal herauskommen. Hoffentlich können wir am Ruhetag neu starten, damit er wieder frei von der Leber weg springt. Ich sehe weiter die Möglichkeit, mit Freund und Freitag um das Podest mitzukämpfen", verkündete Schuster.

Zumal Freund in Oberstdorf, wo ihm nur drei Zehntel zu Platz drei fehlten, und bei seinem siebten Rang in Garmisch-Partenkirchen überzeugen konnte. "Auf dem Fahrplan, in der Gesamtwertung die Top Ten zu schaffen, bin ich sehr gut unterwegs", stellte der Bayer zufrieden fest.

Gelingt Freund sogar noch ein Sieg?

Schuster traut seiner Nummer 1 sogar noch mehr zu. "Ich sehe eine Perspektive, dass er in absehbarer Zeit wieder mal so ein Ergebnis wie voriges Jahr in Willingen machen kann. Sprich, dass er gewinnen kann", prophezeite der Chefcoach vor den Wettbewerben in Innsbruck und Bischofshofen.

"Seit er verinnerlicht hat, dass er einer der besten zehn Skispringer der Welt sein kann, ist er befreit und lockerer geworden", lobte Schuster den 23-Jährigen. Freund liegt nach zwei Springen als Gesamtfünfter nur 6,1 Punkte hinter dem drittplatzierten Japaner Daiki Ito. "Severin hat noch die Chance auf Rang drei. Im Kampf um den Gesamtsieg fehlt uns aber noch die Routine, wenn es haarig wird", konstatierte der Chefcoach.

"Martin hat tapfer gekämpft"

Eine schmerzhafte Erkenntnis musste auch Schmitt verkraften: Für den Ende des Monats 34 Jahre alt werdenden Routinier ist kein Platz mehr im Team. Schusters Eloge auf den "fairen Sportsmann", der zur Halbzeit aussortiert wurde, klang fast schon wie ein Abgesang.

"Martin hat wirklich tapfer gekämpft, aber er ist nicht an seine Leistungen herangekommen. Er hat sich immer dem Konkurrenzkampf gestellt, dieses Mal hat er ihn nicht bestanden. Er will nichts geschenkt, ist noch nie durchgezogen worden. Ich hoffe, er krempelt noch einmal die Ärmel hoch", sagte Schuster.

Schmitt hat kaum noch Chancen

So recht scheint der Coach aber nicht daran zu glauben, dass es Schmitt noch einmal packt. "An sich ist er schon noch ein Weltcup-Springer. Wir werden mal sehen, wann wir wieder einen Platz für ihn freimachen können. Da muss er aber definitiv besser springen. Ich kann nicht irgendeinen einfach raus tun", erklärte Schuster.

Auch ein Einsatz im Continentalcup sei unwahrscheinlich. "Wir brauchen unsere dortige Quote als Ausbildungsplätze, denn wir müssen eine Mannschaft für die Zukunft aufbauen", verdeutlichte er. In diesen Plänen spielt Schmitt keine Rolle mehr. So klangen Schusters Worte nach Abschied: "Das Leben wird auch ohne Martin weitergehen."

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