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Start-Boykott: "Man wird zum Spielball"

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Scharfe Kritik an Jury  

Sprung-Eklat: "Man wird zum Spielball"

25.11.2013, 12:48 Uhr | dpa, sid

Start-Boykott: "Man wird zum Spielball". Gregor Schlierenzauer hat nach seinem Startboykott seine Kritik an der FIS erneuert. (Quelle: imago/GEPA Pictures)

Gregor Schlierenzauer hat nach seinem Startboykott seine Kritik an der FIS erneuert. (Quelle: GEPA Pictures/imago)

Die Elite-Springer Gregor Schlierenzauer und Anders Bardal haben ihren Startboykott beim Weltcup-Auftakt in Klingenthal verteidigt und scharfe Kritik an der Jury des Weltverbandes FIS geübt. "Ich setze meine Gesundheit nicht aufs Spiel. Danke, Anders", sagte Skisprung-Star Schlierenzauer, nachdem die besten Weitenjäger der Welt Seite an Seite mit dem Fahrstuhl die Rückkehr ins Tal angetreten hatten. Eindeutige Aussage: Mit uns nicht, liebe Jury!

"Die Verhältnisse waren irregulär. Man muss nichts Sinnloses riskieren", sagte Vierschanzentournee-Sieger Schlierenzauer über den chaotischen Auftakt der Olympia-Saison. 48 von 50 Springern waren bereits unten, als der Wind zum wiederholten Male auffrischte. Der Österreicher und auch Weltmeister Bardal telefonierten, diskutierten, tuschelten - und nahmen nach ein paar Minuten den Lift. "Ich fühlte mich nicht sicher", sagte Bardal.

Pointer: "Muss mich schämen"

Noch deutlicher wurde Österreichs Trainer Alexander Pointner. "Es hat fast den Anschein, dass man zum Spielball einer Show wird", sagte der Coach der Austria-Adler. Besonders ärgerlich fand Pointner die Reaktion der Jury auf den Start-Verzicht: "Zur Belustigung aller Athleten hat man dann noch einen zweiten Durchgang angesetzt. Ich bin enttäuscht und muss mich schämen, was da abgeht."

Zumindest der Ski-Weltverband FIS hatte allerdings kein Verständnis für den eigenmächtigen Boykott. "Die Windbedingungen hätten einen Start zugelassen, das wurde von Miran Tepes geprüft und bestätigt. Alex Stöckl, Trainer von Anders Bardal, bestätigte die fehlerfreie Arbeit der Jury", sagte Pressechef Horst Nilgen. Schlierenzauer sah das freilich anders: "Das Risiko war definitiv nicht kalkulierbar."

Schuster verteidigt die Jury

Auch die deutschen Springer machten sich ihre Gedanken zu dem Thema. "Wenn ich dort oben gestanden hätte, hätte ich auf eine Entscheidung der Jury oder des Bundestrainers gewartet. Aber jeder hat eine eigene Meinung", sagte Andreas Wellinger, der in Klingenthal bei halbwegs stabilen Bedingungen vom Bakken gegangen war und für einen guten Flug mit dem zweiten Platz belohnt wurde.

Bundestrainer Werner Schuster kündigte an, im Zweifel seine Schützlinge von der Schanze zu holen. "Heute musste ich nicht eingreifen. Aber wenn ich das Gefühl habe, man kann nicht mehr springen, werde ich meine Sportler auch schützen", sagte Schuster. Das sei in den vergangenen Jahren allerdings nie vorgekommen, denn "bei der Jury sind Profis am Werk, die machen sich Gedanken."

Hofer zeigt Verständnis

Genau das bezweifelt allerdings Schlierenzauer: "Ich bin enttäuscht von den Verantwortlichen, denn mit Sport hatte das Ganze heute recht wenig bis gar nichts zu tun." Der Protest der Austria-Adler gegen die Wertung wurde dennoch abgewiesen. Zuvor war bereits Teamkollege Andreas Kofler gestürzt, allerdings wegen eines eigenen Fehlers nach der Landung. Das Bild des ehemaligen Tournee-Gewinners, der auf der Trage aus dem Stadion gebracht wird, dürfte den Weltcup-Rekordgewinner hoch oben aber ebenfalls zum Grübeln gebracht haben.

Bardal wiederum traf seine Entscheidung zwar ohne Rücksprache mit Nationaltrainer Stöckl, der Coach hatte aber dennoch Verständnis. "Die Entscheidung ist in Ordnung für mich. Ich respektiere das", sagte Stöckl dem "Dagbladet". Und sogar FIS-Renndirektor Walter Hofer wollte nicht den mahnenden Zeigefinder erheben: "Das ist okay. Es ist ihre Entscheidung, ob sie starten oder nicht." Gregor Schlierenzauer jedenfalls ließ keinen Zweifel daran, in ähnlichen Fällen auch in Zukunft einen Start zu verweigern. Einzig für die Fans tat es ihm leid: "Aber ich bin davon überzeugt, dass sie meine Entscheidung verstehen."

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