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Vierschanzentournee 2014: Kaum Kritik nach Abbruch in Oberstdorf

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"Man muss alles versuchen"  

Tournee: kaum Kritik nach Abbruch-Chaos

29.12.2014, 14:44 Uhr | sid

Vierschanzentournee 2014: Kaum Kritik nach Abbruch in Oberstdorf. Nach dem Abbruch des chaotischen Auftaktspringens der 63. Vierschanzentournee in Oberstdorf hat es kaum Kritik am langen Zögern der Jury des Ski-Weltverbandes FIS gegeben. (Quelle: dpa)

Nach dem Abbruch des chaotischen Auftaktspringens der 63. Vierschanzentournee in Oberstdorf hat es kaum Kritik am langen Zögern der Jury des Ski-Weltverbandes FIS gegeben. (Quelle: dpa)

Reichlich Chaos, aber überraschend wenig Kritik: Nach dem Abbruch des vom Winde verwehten Auftakts der 63. Vierschanzentournee hielten sich Trainer und Springer trotz der teilweise grenzwertigen Bedingungen mit Vorwürfen in Richtung Jury zurück. Daran änderte auch das fast dreistündige Geduldspiel bei Minustemperaturen nichts. Und selbst den Beinahe-Sturz von Marinus Kraus führte niemand einzig auf die schwierigen Verhältnisse mit starken Windböen zurück.

"Man hätte es vielleicht früher abbrechen können", sagte Bundestrainer Werner Schuster zwar, schob dann jedoch direkt nach: "Aber man muss alles versuchen. Das ist die absolute Verpflichtung der Jury und des Veranstalters. Man muss jede Chance suchen, aber es war schon wirklich lang."

Starker Schneefall in Verbindung mit Böen von bis zu 50 Stundenkilometern hatten erstmals in der Tournee-Geschichte zum Abbruch der Veranstaltung auf der Schattenbergschanze geführt. Der Start wurde mehrfach verschoben, ehe die Jury nach langem Zögern ein Einsehen hatte. "Es war schon gefährlich", sagte Schuster und meinte damit vor allem den völlig misslungenen Sprung seines Schützlings Kraus.

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DSV-Adler Kraus nimmt die Jury in Schutz

Der Team-Olympiasieger von Sotschi, der als einer von nur elf Springern über den Bakken ging, verhinderte nur mit viel Körperbeherrschung einen Absturz aus großer Höhe. "Ich versuche natürlich als Profisportler möglichst weit zu springen, da muss man an die Grenze gehen. Vielleicht war es ein bisschen zu viel, aber der Wind hat es mir nicht einfacher gemacht", sagte Kraus.

Im Auslauf meinte Kraus, dass er diese Situation "erst mal verdauen" müsse, doch auch er nahm die Jury des Weltverbandes FIS in Schutz. "Es ist für beide Parteien schwierig, die Jury macht sehr gute Arbeit und lässt uns erst runter, wenn es geht und nicht gefährlich ist", betonte der 23-Jährige. "Ein bisschen schade" fand er es, dass der Auftakt vor 24.500 bestens gelaunten Zuschauern derart verweht wurde. Durch die Neuansetzung des Wettkampfs am Montagabend (ab 17.15 Uhr im t-online.de Live-Ticker) erhielt er aber immerhin wieder eine Chance auf ein gutes Ergebnis.

FIS erwartet erneut schwierige Bedingungen

Dabei steht längst noch nicht fest, ob das Auftaktspringen im zweiten Versuch über die Bühne gehen kann. Denn für den neu angesetzten Wettbewerb erwartet der Ski-Weltverband erneut schwierige, gegenüber Sonntag aber leicht verbesserte Bedingungen. "Der Wind wird etwa um die Hälfte reduziert sein", sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer. Erwartet werden Geschwindigkeiten von zwei Metern pro Sekunde sowie Böen von bis zu vier Metern pro Sekunde. "Bei vier Metern ist es nicht angenehm, einen Wettkampf zu steuern. Aber die Reduzierung macht es insgesamt sicherlich einfacher", sagte Hofer. Zumindest der Schneefall soll diesmal keine Probleme bereiten.

Sollte erneut kein Wettkampf möglich sein, droht wie schon 2007/2008 eine "Dreischanzentournee". "Dann müssen wir uns mit Oberstdorf und Garmisch zusammensetzen und einen neuen Zeitplan erstellen", sagte Hofer. Der Dienstag bleibe aber schon aus logistischen Gründen ein freier Tag. Denkbar ist es, zwei Springen in Garmisch-Partenkirchen durchzuführen.

"Es war noch im Grenzbereich"

Ein mehrstündiges Geduldsspiel soll möglichst verhindert werden. Schon am Vortag wurde die Jury deswegen kritisiert - allerdings nur von einigen Medienvertretern. "Mit aller Hartnäckigkeit war da versucht worden einen Wettkampf durchzuboxen, der von Anfang an zum Scheitern verurteilt war", schrieb die österreichische Tageszeitung "Kurier". Eine realistische Chance, 50 Springer im ersten Durchgang in überschaubarer Zeit nach unten zu bringen, gab es eigentlich nie. Trotzdem zeigte auch ÖSV-Nationaltrainer Heinz Kuttin Verständnis: "Es war noch im Grenzbereich".

Das sah auch FIS-Renndirektor Walter Hofer so und verteidigte die mehrfache Verschiebung mit langen Unterbrechungen. Grund sei eine "absolut untypische Großwetterlage" gewesen, angebliche Verpflichtungen gegenüber den Fernsehsendern hätten keine Rolle gespielt. "Wir haben wirklich alles versucht, um Tausenden Zuschauern einen spannenden Wettkampf zu bieten", sagte der 59-jährige Österreicher: "Aber letztlich ging es um die Gesundheit der Sportler und die war aufgrund der böigen Winde nicht mehr gewährleistet".

"Sonst hätte man auch würfeln können"

Über den Abbruch des Springens waren jedenfalls alle glücklich. "Ich bin sehr, sehr froh, dass abgebrochen wurde. Die Phasen, in denen man ordentlich Skispringen konnte, waren einfach zu kurz. Sportlich war es die einzig richtige Entscheidung", sagte Schuster: "Sonst hätte man auch würfeln können."

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