15.02.2013, 14:33 Uhr | CK/dpa
"Unser Song für Malmö": LaBrassBanda wurde von der Jury mit nur einem Punkt abgestraft. (Quelle: dapd)
Dance-Pop statt Blasmusik: Beim Eurovision Song Contest in Malmö wird Cascada für Deutschland singen. Dabei sah es zunächst so aus, als würde die bayerische Bläser-Combo LaBrassBanda das Rennen machen. Doch während die Blasmusikband beim dreiteiligen Votingverfahren sowohl von Radiohörern als auch von den Zuschauern eine hohe Punktzahl bekam (12 bzw. 10 Punkte), strafte die Jury sie mit lediglich einem einzigen Punkt ab - und war am Sieg von Cascada maßgeblich beteiligt.
Denn die Dance-Combo um Frontfrau Natalie Horler bekam von Radiohörern und Zuschauern zusammengenommen genauso viele Punkte wie LaBrassBanda (22 Punkte), wurde jedoch auch von der Jury besser eingestuft und erhielt 8 Punkte. Somit wird Deutschland in Malmö vom Cascada-Song "Glorious" und nicht vom Blasmusik-Hit "Nackert" vertreten.
Das Saalpublikum in Hannover schien angesichts der Jury-Entscheidung ebenso überrascht wie Moderatorin Anke Engelke und auch als Zuschauer daheim stellte man sich die Frage, wie die Jury-Wertung so an der Einschätzung der Masse vorbeigehen kann. Denn das fünfköpfige Gremium, das aus Tim Bendzko, Anna Loos, Mary Roos, Peter Urban und Roman Lob bestand, entschied nicht nur im Fall LaBrassBanda völlig anders als Zuschauer und Radiohörer. So vergab die Jury die Höchstwertung von 12 Punkten an die Elektro-Pop-Band Blitzkids mvt., die beim Massenpublikum vor Radio und TV überhaupt nicht gut ankam (2 Punkte respektive 1 Punkt).
Zwar gab es auch zwischen den Wertungen der Radiohörer und der TV-Zuschauer größere Diskrepanzen: Ben Ivory etwa erhielt im Radio-Voting 6 Punkte, vom Fernsehpublikum jedoch 0 Punkte. Auch im Fall Saint Lu gingen die Meinungen auseinander (0 Punkte versus 6 Punkte). Doch bei den Top 3 (Cascada, LaBrassBanda und die Söhne Mannheims) unterschieden sich die Punktzahlen nur gering. Die Jury geriet somit zum Zünglein an der Waage.
LaBrassBanda-Fans äußerten auf Facebook ihren Unmut über die Jury-Wertung. Das Gremium um Schlagersängerin Mary Roos wurde von einem User als "unkompetenteste ARD-Jury aller Zeiten" beschimpft. Auch Kommentare wie: "Die Jury hatte ja gar keine Ahnung von Musik!" fielen zuhauf. Ein Fan urteilte knallhart: "Was gestern beim Vorentscheid ablief, glich einem Skandal."
Doch nicht nur LaBrassBanda-Fans sind mit der Wahl von Cascada unzufrieden. Bereits im Vorfeld des Vorentscheids hatte es Kritik an der Liedauswahl der Bonner Band gegeben, weil "Glorious" in Teilen zu stark an das Siegerlied des Vorjahres, "Euphoria" von Loreen, erinnere. Auch viele t-online.de-User zeigten sich alles andere als begeistert: "Das geht gar nicht - Deutschland, das Plagiatland", schrieb eine Userin. Ein anderer urteilte: "Es ist vollbracht ... die Gutenbergnummer".
Am 18. Mai wird Cascada nun beim Eurovision Song Contest in Schweden um den Titel kämpfen. "Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, dass wir gewinnen", sagte Natalie Horler nach der Verkündung des Ergebnisses - und damit war sie nicht die einzige.
Kandidat | Radio-Vote- | Jury-Punkte | Zuschauer- | Gesamt- |
Cascada | 10 | 8 | 12 | 30 |
LaBrassBanda | 12 | 1 | 10 | 23 |
Söhne Mannheims | 7 | 5 | 5 | 17 |
Saint Lu | 0 | 10 | 6 | 16 |
Nica & Joe | 4 | 4 | 8 | 16 |
Blitzkids mvt. | 1 | 12 | 2 | 15 |
Ben Ivory | 6 | 7 | 0 | 13 |
Betty Dittrich | 8 | 0 | 4 | 12 |
Finn Martin | 3 | 6 | 3 | 12 |
Die Priester & Mojca Erdmann | 2 | 0 | 7 | 9 |
Mobilée | 5 | 3 | 0 | 8 |
0 | 2 | 1 | 3 |
Quelle: CK/dpa
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