18.02.2013, 19:45 Uhr | CK, dpa
Beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest lag am Donnerstag lange Zeit LaBrassBanda vorne - bis die Dance-Formation Cascada an der Bayern-Band vorbeizog und dank des Jury-Votings den Sieg einfuhr. Nun allerdings könnte die Bläser-Combo doch noch nach Malmö fahren. Und zwar dann, wenn Cascada tatsächlich disqualifiziert werden sollten. Das bestätigte eine NDR-Sprecherin laut Vorabbericht dem "Nordkurier".
Cascada, die mit dem Song "Glorious" den Vorentscheid gewannen, sehen sich zurzeit mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert. Schon kurz nach der Show gab es Stimmen, "Glorious" weise viel Ähnlichkeit mit dem schwedischen Sieger-Titel "Euphoria" aus dem vergangenen Jahr auf. Inzwischen lässt der NDR, der innerhalb der ARD federführend für den Song Contest zuständig ist, das Lied überprüfen. Ein musikwissenschaftliches Gutachten sei am Samstag in Auftrag gegeben worden, hatte der Norddeutsche Rundfunk einen "Express"-Bericht bestätigt.
Als richtig erwiesene Plagiatsvorwürfe können zu einer Disqualifizierung führen. 1999 musste die Vorentscheid-Siegerin Corinna May auf ihre Reise zum internationalen Finale verzichten: Ihr Lied "Hör den Kindern einfach zu" war bereits 1997 mit einem anderen Text und Interpreten erschienen. Die Gruppe Sürpriz als Zweite des Vorentscheids trat deshalb damals mit dem Titel "Reise nach Jerusalem" anstelle von May an und wurde international Dritter.
ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber beschwichtigte in einem "Eurovision.de"-Interview und erklärte, "Versuche, den ESC zu skandalisieren und Plagiatsvorwürfe" gehörten mittlerweile wohl "zur Folkore". So sei 2012 dem Siegertitel von Loreen fälschlicherweise vorgeworfen worden, bei drei Titeln "geklaut" zu sein, "unter anderem bei Rihanna und David Guetta".
Die "Bild am Sonntag" hatte Wissenschaftler der Kieler Universität einen Vergleich in Sachen Lautstärke, Grundfrequenz und Spektraldaten vornehmen lassen und die Phonetikerin Tina John mit den Worten zitiert: "'Glorious' wirkt wie eine Kopie von 'Euphoria' mit kleinen, raffinierten stilistischen Änderungen." Der Mainzer Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs, der das Lied auch für die "taz" (Dienstag) analysiert, sagte am Montag der Nachrichtenagentur dpa, das Lied sei eher "eine clevere Stil-Kopie und kein Plagiat".
Unterdessen konnte sich Cascada auch im Download-Ranking gegenüber allen "Unser Song für Malmö"-Konkurrenten behaupten. "Glorious" habe zwischen Freitag und Sonntag 70 Prozent mehr Verkäufe als "Nackert" verzeichnet, der Beitrag der bayerischen Bläser-Combo LaBrassBanda, der damit erneut nur Platz zwei erreichte, teilten die Marktforscher von Media Control mit. Insgesamt schaffte "Glorious" demnach Platz drei bei den Single-Downloads vom Wochenende.
Quelle: CK, dpa
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