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Kolumne von Anja Rützel: Danke Harry für die Ablenkung!

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Kolumne "Held der Woche"  

Danke, Harry, für die Ablenkung!

28.09.2017, 12:09 Uhr | Anja Rützel, t-online.de

Kolumne von Anja Rützel: Danke Harry für die Ablenkung!. Der britische Prinz Harry und die US-Schauspielerin Meghan Markle bei den Invictus Games. (Quelle: dpa/Danny Lawson/PA Wire)

Der britische Prinz Harry und die US-Schauspielerin Meghan Markle bei den Invictus Games. (Quelle: Danny Lawson/PA Wire/dpa)

Die Bundestagswahl war in Deutschland wochenlang allgegenwärtig. Da tut es gut, sich zeitweilig von royalen Träumereien ablenken zu lassen. Prinz Harry macht das für mich zum "Held der Woche".

War was? Irgendwas besonderes, vergangene Woche in Deutschland? Doofstellerische Plumpspäße beiseite, wäre es nicht schön, könnte man die Filterblase, mit der man seine digitale Existenz vor unerwünschten Menschen und Nachrichten abschirmt, in solchen, aktuellen Tagen grässlichen Menschheitsüberdrusses von der extrem dünnen Eihaut, die sie nun einmal ist, zum tresorwanddicken Bollwerk abdichten? Kann man aber nicht, und soll man ja auch nicht, und darum braucht es in dieser Woche Menschen wie Prinz Harry, die einen mit zuckerwattig aufgeschäumten Nichtigkeiten zumindest für ein kleines Weilchen aus der anderen, viel komplizierteren Realität entführen.

Zugegebenermaßen hat er sich den Helden-Status relativ günstig verdient: Er zeigte sich diese Woche lediglich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit mit seiner Freundin, der US-Schauspielerin Meghan Markle, die der durchschnittliche multistaffeljonglierende Serien-Freund mindestens aus „Suits“ kennt. Nach langer Beziehungsmauschelei und offiziellen Erklärungen beider beteiligten Seiten besuchten sie nun zusammen die Invictus Games in Kanada, ein Sportturnier, in dem sich verletzte Militärveteranen messen, sie saßen gar nebeneinander auf der Tribüne und sahen sich eine Partie Rollstuhl-Tennis an, und man hört von zeitweiligem Händchenhalten.

Wie gesagt: Eine im gängigen Heldenmaßstab gesehen eher überschaubare Leistung, dennoch ist die Auszeichnung gerechtfertigt, denn Prinz Harry hält uns damit die Katzenklappe in eine sauber geschrubbte, nach teurer Salbei-Rosmarin-Seife riechende Welt auf. Eine, in der niemand archaisch-grobdumme Jagderklärungen abgibt und niemand nicht minder grobwurschtige Fressemitteilungen absetzt. Zumindest kurz wird man sich ja wohl noch einmal in diesen gedanklichen Damastlaken wälzen können, bevor man sich wieder mit der hierzulande dampfenden Kacke, um im passenden Ordinärduktus zu bleiben, beschäftigen muss.

Auch die brexitös gebeutelten Briten ergötzen sich in gewähltem, simpelmütigem Gaffvergnügen, lasen die minutiös protokollierten öffentlichen Zuneigungsbekundungen von Harry und Meghan nach – wann fasste er sie bei ihrem Auftritt genau leicht am Rücken an, wann strich sie ihm gedankenverloren über den Arm?  „Royal snuggeling“, überverkauften einige Medien die unschuldigen Taster, in einer ersten Welle von Meghan-Manie kauften die Menschen ihr sogleich die Sonnenbrille nach, die sie bei ihrem ersten harryflankierten Auftritt trug, und bescherten dem kleinen britischen Label Finlay & Co über Nacht einen Umsatz von 20.000 Pfund. Wenn man schon mal beim Frustshopping ist, kann man auch gleich noch die weiße Hemdbluse einpacken, die Markle ebenfalls trug, sie stammt von der Designerin Misha Nonoo und heißt – jetzt bitte kollektiv huch-artig die Luft einsaugen –  „The Husband“. 

So, das muss reichen, mehr royaler Fluff wäre dann schon hart an der Pilchergrenze. Jetzt wieder zurück zu unserem gesammelten Problempersonal. Nachshoppen kann man denen übrigens nichts. Alexander Gaulands inzwischen schon wundgetragene grüne Krawatte mit dem gelben Retrievermuster stammt aus den Achtzigern – ein nicht mehr hergestelltes Auslaufmodell, wie passend.

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