19.11.2012, 14:45 Uhr | dpa
Berlin (dpa) - Die Pubertät an sich ist ja schon eine ausgesprochene Herausforderung. In dem Familiendrama "Transpapa" muss die halbwüchsige Maren (Luisa Sappelt) jedoch sehr viel mehr verarbeiten als die meisten ihrer Generation.
Denn in der von eigenen Erfahrungen angeregten Geschichte lässt Autorin und Regisseurin Sarah-Judith Mettke die Jugendliche nach Jahren der Abwesenheit den Vater (Devid Striesow) wiedertreffen. Der aber ist inzwischen zu einer Frau namens Sophia geworden.
Zunächst hat die Tochter gar kein Verständnis für den Vater. Trotzdem besucht sie ihn. Denn sie möchte herausfinden, wer und wie diese Sophia ist, die aussieht wie ihr Vater, so spricht wie er, die aber sagt, dass es den Mann, der Marens Vater ist, nicht mehr gibt. Zunächst scheint es für die beiden keinen wirklichen Weg zueinander zu geben. Marens Ablehnung und ihr Unverständnis sind zu stark. Doch Sophia gibt nicht auf und versucht mit viel Witz und Zärtlichkeit, Marens Blick für die Vielfalt der Lebensmöglichkeiten zu öffnen.
Mettke gelang mit ihrem Abschlussfilm des Regie-Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg eine gefühlvolle jedoch niemals sentimentale Ballade vom Wert solcher Tugenden wie Ehrlichkeit und Offenheit. Maren und Sophia kommen einander nur vorsichtig näher. Eine wirkliche Freundschaft ist vielleicht einmal möglich. Das lässt der Film offen. Es wird klar: Erst einmal müssen beide für sich selbst herausfinden, wer sie sind und wie sie leben möchten. Ein rosarotes Happy End bleibt aus.
Der Film behandelt mit staunenswerter Leichtigkeit und sehr unterhaltsam das komplizierte Thema der Transsexualität. Wissenschaftliche Trockenheit bleibt dabei aus. Es geht der Autorin und Regisseurin ganz offenkundig nicht um Erklärungen, warum ein Mensch sich sicher ist, dass er als Frau fälschlicherweise im Körper eines Mannes lebt oder umgekehrt. Sarah-Judith Mettke zeigt mit der berührenden Geschichte, eine Möglichkeit, vorurteilsfrei miteinander umzugehen, egal ob hetero-, homo- oder transsexuell.
Devid Striesow spielt Sophia als eine Persönlichkeit, die mit sich selbst nur schwer klarkommt. Billiger Witz à la "Charleys Tante" bleibt vollkommen aus. Devid Striesow zeigt keinen Mann in Frauenkleidern, sondern eine Frau, die dabei ist, die Facetten ihrer Weiblichkeit zu erkunden. Die Sensibilität, mit der Devid Striesow im Zusammenspiel mit seiner jugendlichen Film-Partnerin Luisa Sappelt agiert, sorgt für eine geradezu nervenaufreibende Spannung.
Die schönste Szene des Films haben Striesow und Sappelt zusammen mit Horst Sachtleben. Er verkörpert den schon von Altersbeschwerden gezeichneten Wolfgang. Bei ihm hat Sophia in einem kleinen Haus in dörflicher Abgeschiedenheit in der Eifel ihr neues Heim gefunden. Wenn Wolfgang mit schlichten Worten Maren den Wert von Toleranz und Offenheit erklärt, stockt einem als Zuschauer wahrlich der Atem.
Der Film wird zur ergreifenden Erzählung von der Schwierigkeit, sich selbst zu finden. Eine Problematik, die jeden Menschen betrifft, egal welcher Herkunft oder sexuellen Orientierung. Da diese Problematik außerordentlich massenwirksam beleuchtet wird, hat der Film große Chancen auf einen enormen Publikumserfolg.
Auf einigen Festivals gab es bereits Auszeichnungen, so im Januar den Preis der Saarländischen Ministerpräsidentin beim 33. Filmfestival um den Max Ophüls Preis in Saarbrücken.
Quelle: dpa
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