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"Ludwig II." - Der Märchenkönig wieder im Kino

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"Ludwig II." - Der Märchenkönig wieder im Kino

24.12.2012, 09:25 Uhr | dpa

"Ludwig II." - Der Märchenkönig wieder im Kino. König Ludwig II.

König Ludwig II. (Quelle: dpa)

 

München (dpa) - Selten ist ein Filmprojekt in Bayern mit so viel Spannung erwartet worden: Ludwig II. kehrt auf die Kinoleinwand zurück - angemessen prunkvoll und pompös.

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"Märchenkönig" Ludwig II. ist nicht weniger als der vielleicht größte bayerische Mythos. Er ist eine Legende. Sein Leben und vor allem sein Sterben: sagenumwoben. Ein junger König im Bayern des 19. Jahrhunderts - schwul, kunstverliebt, ohne Interesse an Politik und Militär, dafür mit großer Liebe zu Richard Wagners Musik und einer (möglicherweise zu Unrecht) attestierten Geisteskrankheit. Sein Tod im Starnberger See stellt die Historiker heute noch vor ein Rätsel. War es ein Unfall, Selbstmord oder gar Mord? Ganz sicher weiß das auch heute noch niemand. Kurzum: Ludwigs Leben bietet Stoff, aus dem großes Kino sein könnte.

Rund 40 Jahre nach Luchino Viscontis berühmtem Film hat sich nun im wahrsten Sinne des Wortes Bayern selbst seines Lieblings-Monarchen angenommen - in Form der Produktionsfirma Bavaria. "Ludwig II." dürfte für sie eines der wichtigsten Filmprojekte der vergangenen Jahre sein. Kostenpunkt: irgendwas um die 15, 16 Millionen Euro, wie Bavaria-Chef Matthias Esche sagt.

Das Projekt ist überaus ambitioniert. Acht Jahre lang haben die Regisseure und Drehbuchautoren Peter Sehr und Marie Noelle an dem Film gearbeitet, Bücher gewälzt und sich in Archiven herumgetrieben - sogar in dem geheimen des Hauses Wittelsbach. "Es war eine lange Zeit. Man muss sehr stark engagiert sein für so ein Projekt", sagt Noelle im Interview der Nachrichtenagentur dpa. "Wir hatten den Anspruch, so authentisch wie möglich zu sein. Deshalb haben wir außergewöhnlich ausführlich recherchiert." Genau das merkt man ihrem Film zwar an, das ist nur nicht unbedingt gut.

Noelle und Sehr erzählen die Geschichte des jungen Königs streng chronologisch vom Tod seines Vaters, der ihn viel zu früh auf den bayerischen Thron katapultierte, bis hin zu seinem eigenen rätselhaften Tod im Wasser. Dabei streifen sie alle wichtigen und hinreichend bekannten Stationen und Episoden seines Lebens: die Verehrung seiner Cousine, der Kaiserin Sisi (Hannah Herzsprung), seine noch größere Verehrung Richard Wagners (Edgar Selge), den berühmten Kaiserbrief, der Bayern in das Deutsche Reich integrierte, den Wahnsinn seines Bruders Otto (Tom Schilling), seinen eigenen mutmaßlichen Wahnsinn, seine Prunkschlösser und mystisch anmutende nächtliche Ausflüge in goldener Kutsche. In ein Porträt gehöre ja schließlich die komplette Lebensgeschichte, sagt Peter Sehr.

Die reine Quantität aber geht in diesem Fall auf Kosten der Qualität. Wirkliche Nähe zu seiner Hauptfigur stellt der Film nicht her. Dabei war genau das der Anspruch. "Diese emotionale Führung der Figur war unser Roter Faden. Wir wollten zeigen, mit welcher Zerrissenheit Ludwig an dieses Amt herangegangen ist. Er hatte eigentlich die Psyche eines Künstlers, musste aber König sein", sagt Noelle. Und Sehr fügt hinzu: "Wir wollten dem Ludwig wirklich nahe kommen - auch emotional."

Dabei kommt aber vor allem der Lebensabend Ludwigs im Vergleich zum viel zu langatmig erzählten Rest deutlich zu kurz. Gerüchte über sexuelle Ausschweifungen mit oder Gewaltexzesse gegen Stalljungen haben in dem Film, der aus seiner Bewunderung oder gar Liebe zu Ludwig II. keinen Hehl macht, keinen Platz.

Der Film will Ludwig vor allem als jemanden zeigen, der seiner Zeit voraus war - als musischen Feingeist, der die Welt mit Kunst verändern, ja verbessern wollte und an den Umständen zerbrach, die seine Zeit eben mit sich brachte. Der neue Ludwig ist nicht der selbstverliebte Kitsch-König wie ihn noch Visconti zeigte, er ist jetzt ein intelligenter, sensibler und kunstverliebter Weltverbesserer. Sabin Tambrea in der königlichen Hauptrolle ist wie geschaffen für dieses Vorhaben. Er ist so groß wie Ludwig, hat auch ansonsten eine große Ähnlichkeit mit dem Kini, und dass er ebenfalls ein Feingeist ist, verrät er, als er im Interview sagt, wie er sich die Figur Ludwigs erschlossen habe: über die Musik Gustav Mahlers.

Der noch sehr unerfahrene Tambrea und auch seine erfahrenen Schauspiel-Kollegen aber können die Geschichte, die ihre Protagonisten doch sehr auf sich allein gestellt lässt, nicht allein tragen. Die Charaktere wirken holzschnittartig, die Kulissen trotz zahlreicher Originalschauplätze wie Kulissen. Und so ist Sehrs und Noelles wirklich engagiertes und fleißiges Porträt über den bayerischen Kini ein sehr künstlicher, unpointierter und langatmiger Film geworden, der so richtig viel Neues über den Märchenkönig nicht zu erzählen weiß.

 
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