21.01.2013, 17:45 Uhr | dpa
Hamburg (dpa) - Die Filmindustrie entdeckt den demografischen Wandel: Nach "Best Exotic Marigold Hotel" und "Und wenn wir alle zusammenziehen" kommt mit "Quartett" ein weiterer Film über eine Art Alters-WG in die Kinos.
Der 75-jährige Hollywoodstar Dustin Hoffman wählte diesen Stoff für sein Regiedebüt und beschreibt unaufgeregt, sehr charmant und stets mit einem Augenzwinkern das Älterwerden. Fast spielerisch widmet er sich selbst ernsten Themen wie Demenz und Vereinsamung.
Man fühlt sich zunächst ein bisschen wie bei "Hanni & Nanni". Die Filmhelden von "Quartett" sind zwar keinem Geheimnis auf die Spur, jagen auch keine Verbrecher und sie leben auch nicht in einem Internat. Doch auch in dieser Komödie geht es um Freundschaft, Rivalität und die Rettung der eigenen Bleibe. Und die ist eben nicht ein idyllisch gelegenes Internat, sondern ein ebensolches Altenheim.
Beecham House ist eine Seniorenresidenz für betagte Opernsänger und Musiker. Schaut man sich das herrschaftliche Haus inmitten eines Parks in englischer Landschaft, die Kleidung der Bewohner sowie Service und Betreuung an, liegt die Vermutung nahe, dass sie allesamt in ihrer aktiven Zeit durchaus erfolgreich waren. Die vier Hauptfiguren waren es allemal: Vor 30 Jahren spielten sie gemeinsam Verdis "Rigoletto" ein und gingen insbesondere mit einem Quartett in die Musikgeschichte ein.
Nun treffen sie im Beecham House wieder aufeinander. Bei der alljährlichen Verdi-Gala wollen sie ihr Können unter Beweis stellen und zugleich Geld für die Rettung der Residenz sammeln. Besonders engagiert sind der ruhige Reggie (Tom Courtenay), der charmante, aber auch ein wenig liebestolle Wilf (Billy Connolly) und die naive bis verwirrte Cissy (Pauline Collins) dabei, die durchaus schon Erfahrung mit der Gala haben.
Da kündigt sich ein Neuzugang an: Die berühmte Sopranistin Jean Horton (Maggie Smith), die einst mit den anderen zusammen die Oper eingespielt hatte. Immer noch ganz die Diva separiert sie sich von den anderen und will auf keinen Fall bei der Gala mitsingen, wohl aus Angst zu versagen. Vor allem aber war sie mal kurz mit Reggie verheiratet, der bis heute nicht über die Trennung hinweg ist.
Kurzum, "Quartett" handelt nicht nur vom Älterwerden, sondern von Verletzungen, Enttäuschungen und Freundschaften, die Angst vor dem Versagen und um die Kraft der Musik und des Musizierens, nicht nur der klassischen Musik. Denn es geht auch um Giuseppe Verdi, der noch zu Lebzeiten in Mailand ein Altenheim für Musiker gründete und dessen Musik diesem Film Leichtigkeit und Dramatik zugleich verleiht.
Den sprühenden Charme seines Debüts verdankt Hoffman aber seinem großartigen Cast, wobei neben dem Quartett unbedingt Michael Gambon als exzentrischer und doch liebenswerter Regisseur der Gala erwähnt werden muss. Die Hauptakteure allerdings erlebt man niemals beim Musizieren selbst. Und so gerät der Auftritt von der weltweit gefeierten Opernsängerin Gwyneth Jones als Ann Langley und Jeans Hauptkonkurrentin bei der Verdi-Gala zu einem der Höhepunkte sowie einer Schlüsselszenen des Films. Da nämlich wird klar, dass es im Leben eines Musikers immer um die Musik geht, egal wie alt man ist. Dass dem Plot jegliche Überraschung fehlt, verzeiht man dann, insbesondere weil Schauspieler wie Collins, Connolly, Courtenay und Smith - alle über 70 - ihre Klasse unter Beweis stellen können.
Quelle: dpa
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