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"Kopfüber" macht ADHS zum Thema

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"Kopfüber" macht ADHS zum Thema

05.11.2013, 12:27 Uhr | dpa

Berlin (dpa) - Sascha (10) ist eigenwillig, impulsiv und ständig in Bewegung. Allenfalls Dinge, die ihn wirklich interessieren, können seine Aufmerksamkeit länger fesseln.

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Schule gehört definitiv nicht dazu, dafür das Herumbasteln an Fahrrädern - im geheimen Schuppen auf dem Dach des Hochhauses, in dem er mit seiner überforderten Mutter und den beiden großen Geschwistern in schlichten Verhältnissen lebt. Sascha hat's nicht einfach im Leben. Und er hat die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ADHS. "Kopfüber" beschreibt Saschas Alltag - mit viel Beobachtungsgabe und wenig Illusionen.

Seinen jungen Hauptdarsteller Marcel Hoffmann fand Regisseur Bernd Sahling in der Berliner Freizeiteinrichtung "Arche". Die Geschichte um den Jungen herum entstand nicht zuletzt aus Sahlings eigenen Erfahrungen heraus - er selbst arbeitete in den 90er Jahren als Erziehungshelfer.

Ein solcher Erziehungsbeistand ist in "Kopfüber" nun Frank (Claudius von Stolzmann), der für Sascha zur wichtigen Bezugsperson wird. Denn in dessen Familie ist wenig Raum für besondere Bedürfnisse: Die Mutter alleinerziehend und überarbeitet (groß, auch in ihren vergeblichen Unterstützungsversuchen: Inka Friedrich), der Bruder bereits auf kriminelle Abwege geraten, die Schwester kaugummikauend genervt und desinteressiert. Sascha nutzt dies für eigene Winkelzüge.

Einzig die gleichaltrige, versponnene Elli (Frieda-Anna Lehmann) mag und nimmt Sascha genau so, wie er ist. Gemeinsam stromern sie per Rad durch die Gegend, immer auf der Suche nach Geräuschen, die sie aufnehmen können. Erziehungsbeistand Frank ist es, der den ADHS-Verdacht aufbringt und einen Arztbesuch anregt. Als die Diagnose bestätigt wird, bekommt Sascha hier und da Therapiesitzungen, vor allem aber Medikamente. Endlich kann er nun in der Schule konzentriert arbeiten, bekommt erstmals gute Noten, Lob und Bestätigung. Aber er wird auch müde, traurig und antriebslos. Als die Freundschaft zu Elli daran zu zerbrechen droht, setzt er die Medikamente wieder ab. Und nun?

Der Film entlässt den Zuschauer mit vielen Fragen. Das offene Ende ist Regisseur Sahling nach eigenen Aussagen auch schon bei der Finanzierung des Films zum Problem geworden. Zehn Jahre hat er an den Drehbuchversionen geschrieben. Nach dem MDR winkte später auch der Bayrische Rundfunk ab. "Wenn der Junge das Medikament nimmt, hat er ein Problem und wenn er es nicht nimmt, hat er auch eines. Es entsteht eine gewisse Ratlosigkeit", bekennt Sahling im Presseheft.

Trotzdem hat er an der Idee festgehalten. Denn das Thema beschäftigte ihn seit der Zeit als Erziehungsbeistand, als er das schwierige Ringen um die Balance zwischen Nähe und professioneller Distanz kennenlernte. Die auch unter Betroffenen viel diskutierte Frage, ob, wann und in welchem Ausmaß Kinder mit ADHS Medikamente bekommen sollten, kann und will der Film nicht beantworten. Und die Zielgruppe? Kinder oder Erwachsene? Beide miteinander wohl am ehesten. Sahling: "Es ist das Thema des Films, dass Erwachsene mit Kindern nicht klarkommen und Kinder nicht mit den Erwachsenen und dass wir uns wieder annähern, verstehen und respektieren müssen."

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