Sie sind hier: Home > Unterhaltung > Kino & Film > Filmstarts >

"Venus im Pelz": Roman Polanski zeigt ewigen Geschlechterkampf im Kino

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Film  

Polanskis "Venus im Pelz": Amüsant und großartig gespielt

21.11.2013, 16:34 Uhr | dpa

"Venus im Pelz": Roman Polanski zeigt ewigen Geschlechterkampf im Kino. Von der ersten Minute an hat Vanda (Emmanuelle Seigner) Regisseur Thomas (Mathieu Amalric) in der Hand.

Von der ersten Minute an hat Vanda (Emmanuelle Seigner) Regisseur Thomas (Mathieu Amalric) in der Hand. Foto: Prokino Filmverleih. (Quelle: dpa)

Hamburg (dpa) - In "Venus im Pelz" inszeniert Roman Polanski meisterhaft das Duell der Geschlechter als erotisch aufgeladenes und dabei äußerst amüsantes Kammerspiel. Die beiden einzigen Protagonisten: Mathieu Amalric und Polanski Ehefrau Emmanuelle Seigner.

Foto-Serie mit 0 Bildern

Genüsslich spielt Vanda ihre Macht aus, lässt Thomas zu ihrem hörigen, unterwürfigen Hündchen werden. Sie, die alternde, etwas ordinäre Schauspielerin, die verzweifelt um eine Rolle in einem heruntergekommenen Pariser Theater buhlt - er, der arrogante, genervte und gelangweilte Regisseur. Meisterhaft inszeniert Roman Polanski das Theaterstück "Venus im Pelz" von David Ives, das auf einer Novelle von Leopold von Sacher-Masoch beruht, jenem Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, der dem Masochismus seinen Namen gab.

Es ist das ewige Spiel von Macht und Unterwerfung, sexueller Dominanz, dem Kräftemessen der Geschlechter und dem Verschwimmen von Realität und Fiktion, das der 80 Jahre alte Regisseur mit seiner Frau Emmanuelle Seigner in der Titelrolle auf die Leinwand bringt. Ebenso erotisch aufgeladen, mitunter sehr komisch inszeniert er diese Geschichte als dichtes Kammerspiel, das trotz ständig klingelnder Handys in einer eigenen Welt spielt.

Langsam nähert sich die Kamera an einem tristen, regnerischen Tag einem heruntergekommenen Theater in Paris. Es ist die Perspektive von Vanda (Seigner). Äußerlich arg derangiert und von einer fast bemitleidenswerten und zugleich polternden Hartnäckigkeit überzeugt sie den Regisseur Thomas (Amalric), dass sie doch noch für sein Stück "Venus im Pelz" vorsprechen darf. Thomas reagiert genervt, das Casting ist nämlich längst zu Ende.

Von der ersten Minuten an hat Vanda den Regisseur in der Hand, verblüfft ihn mit ihrer Textsicherheit, ihrem eindringlichen Spiel, ihrer peniblen Vorbereitung - selbst ein Kostüm hat sie mitgebracht. Sie wird zur Regisseurin des Castings, des Zwiegesprächs, demontiert den machohaften Thomas, wird zur Diva, zur Liebesgöttin, der sich niemand entziehen kann. Von der abgetakelten, erfolglosen Schauspielerin wird sie zur schönen, verführerischen Herrscherin.

Amalric, der frappierend an den jungen Polanski erinnert, spielt diesen Thomas, der für das Vorsprechen in die Rolle des Severin schlüpft. Der junge Mann lässt sich in dem Stück nach seinem Heiratsantrag an die Witwe Vanda auf eine Probezeit ein, in der er ihr als Liebessklave dienen soll. Mit lustvoller Selbstunterwerfung ergibt er sich der sadistischen Dominanz. Wann das Spiel auf der Bühne aufhört, die Interaktion zwischen Vanda und Thomas beginnt, ist nicht mehr auszumachen.

Viele Deutungen lässt dieser Film zu, der bei den Filmfestspielen in Cannes im Wettbewerb lief. Es ist nicht nur die erstaunliche Ähnlichkeit zwischen Polanski und seinem Hauptdarsteller Amalric und nicht nur, dass er seine Frau fast abgöttisch auf ein Podest stellt. Es sind auch die klaren Anspielungen auf die sado-masochistischen Beziehungen zwischen Regisseur und Schauspieler, die Polanski parodiert. Fast scheint es ein ironisches Selbstgespräch.

Das trifft auch zu, als Thomas in der Rolle des Severin von seiner Lust erzählt, die er als kleiner Junge empfunden hat, als ihm seine mit einer Pelzstola bekleidete Tante mit Birkenstockschlägen züchtigte. Es gehe in dem Stück auch um Kindesmissbrauch. Thomas erzürnt sich: Sei denn heutzutage alles gleich Missbrauch?

Polanski soll vor mehr als 30 Jahren in den USA eine damals 13-Jährige sexuell missbraucht haben. Um einem Prozess in den USA zu entkommen, flüchtete er nach Paris. 2009 wurde er in der Schweiz verhaftet, und saß zwei Monate in Haft. Anschließend stand er acht Monate lang unter Hausarrest, bis die Schweiz 2010 das Auslieferungsgesuch der US-Justiz ablehnte.

Jenseits aller persönlichen Deutungen und Anspielungen ist "Venus im Pelz" vor allem ein kluges und sehr unterhaltsames Kammerspiel über den Geschlechterkampf, den die Frau eindeutig für sich entscheidet. Meisterhaft gespielt von Seigner und Amalric.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Shopping
Shopping
Gartengeräte: Tolle Helfer für den grünen Daumen
OTTO.de.
Shopping
Fresh Spirit – nur für kurze Zeit versandkostenfrei bestellen
bei BONITA
Shopping
iPhone 7 für 1,- €* im Tarif MagentaMobil L mit Handy
bei der Telekom
Unterhaltung von A bis Z

Anzeige
shopping-portal
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017