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"The Program": Drama um Lance Armstrong bleibt blutarm

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Film  

"The Program": Aufstieg und Fall von Lance Armstrong

09.10.2015, 15:52 Uhr | dpa

"The Program": Drama um Lance Armstrong bleibt blutarm. Schneller als die Polizei erlaubt: Ben Foster als Lance Armstrong.

Schneller als die Polizei erlaubt: Ben Foster als Lance Armstrong. Foto: StudioCanal Deutschland. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Radsport-Filme dürften vor allem ein Vergnügen für ambitionierte Pedaltreter sein. Wer sich unter sengender Sonne den Berg hochgequält und stundenlang auf dem harten Sattel Kilometer frisst, wird das Rad-Fieber verstehen. Andere dürfte das Spektakel womöglich ziemlich kalt lassen.

Einsame Kämpfer, schwitzende Asphalthelden, von Anstrengung verzerrte Gesichter - in seinem neuen Film "Um jeden Preis" setzt auch Stephen Frears ("Mein wunderbarer Waschsalon") ganz auf die Faszination des Radsports.

In der Saga über den Aufstieg und Fall von Lance Armstrong, dem siebenfachen Tour-de-France-Sieger und überführten Doper, spielt der Brite mit jenen Bildern, wie sie wohl nur der Radsport produziert. Doch Frears, dem mit "The Queen" ein packendes Drama über die britische Monarchie gelang, will auch hier an der Zeitgeschichte mitschreiben. Und kommt dabei aus dem Tritt.

"The Program - Umjeden Preis" heißt der Film - und tatsächlich hatten Armstrong und seine Helfer ein Doping-System ausgetüftelt und damit jahrelang die Kontrollen ausgehebelt. Wie im Rennen vom Hase und dem Igel waren Armstrong und seine Kollegen den Inspektoren zunächst stets einen Schritt voraus.

Lange konnten betrügende Radprofis auf das stille Einverständnis der Sportfunktionäre setzen, die gleich beide Augen zudrückten. Schon früh spürten aber Journalisten, dass da etwas nicht stimmen konnte. Schließlich kam die Justiz dem systematischen Betrug auf die Spur.

Vertuschen, leugnen, lügen - die Armstrong-Story hat alle Zutaten für einen Krimi. Frears stützt sich auf einen Tatsachenroman des Briten David Walsh. Der Investigativ-Reporter der "Sunday Times" hatte den Amerikaner früh als vielversprechendes Talent ausgemacht und baute zu ihm eine gute Arbeitsbeziehung auf. Doch irgendwann merkte auch Walsh, dass bei Armstrong etwas zu gut lief, um wahr zu sein. Über knapp 100 Minuten entfaltet Frears das Duell zwischen Walsh (Chris O'Dowd) und Armstrong (Ben Foster).

Zunächst kauft Armstrong das Dopingmittel EPO in einer Apotheke, ein Jahr später gewinnt er sein erstes großes Rennen in Europa. Der Aufstieg des Amerikaners wird dann durch seine Erkrankung mit Hodenkrebs gestoppt. Ein Gespräch mit dem Arzt wird ihm zum Verhängnis: In Anwesenheit seines Freundes und Teamkollegen Frankie Andreu und dessen Frau Betsy gesteht Armstrong, schon früh gedopt zu haben. Betsy wird später im Verfahren der US-Justiz die Kronzeugin gegen Armstrong.

Und dann nimmt Doping-Arzt Ferrari Armstrong unter seine Fittiche. Der Italiener tüftelt ein Cocktail aus, das bei Blut- und Urintests nicht auffallen soll. 1999 gewinnt Armstrong seine erste Tour de France. Walsh zweifelt immer stärker - so schnell nach seiner Krebserkrankung scheint der Sportler in Bestform zu sein. Armstrong wird zum Idol für Millionen und zum lukrativen Werbezugpferd. Sieben Mal gewinnt er die Frankreich-Rundfahrt - bis sein Teamkollege Floyd Landis auspackt.

Der Fall Armstrong ist heute weitgehend aufgearbeitet. In der US-Talkshow von Oprah Winfrey legte der Amerikaner ein Doping-Geständnis ab, die US-Antidoping-Behörde USADA hat ihn auf Lebenszeit gesperrt, seine Tour-Titel sind weg. Was interessierte Frears so sehr an der Affäre?

Zwar gelingt es Ben Foster, glaubwürdig Armstrong als schillernd-verbissenen Aufsteiger zu spielen. Doch sonst bleibt das Drama merkwürdig hölzern, die Geschichte blutarm. In sperrigen Dialogen versuchen Frears und Drehbuchautor John Hodge, die Hintergründe des Doping-Systems für jeden verständlich zu erklären. Doch warum der maßlos ambitionierte Armstrong immer tiefer in das Lügennetz versinkt, bleibt auch danach ein Rätsel. Mit einem Dokumentarfilm wäre Frears dem Thema wohl eher gerecht geworden. Und dabei ist bis heute nicht sicher, dass der Doping-Sumpf ausgetrocknet ist.

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