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Film - "Caracas, eine Liebe": Vielschichtiger Venedig-Gewinner

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"Caracas, eine Liebe": Vielschichtiger Venedig-Gewinner

27.06.2016, 13:27 Uhr | dpa

Film - "Caracas, eine Liebe": Vielschichtiger Venedig-Gewinner. Sie suchen Nähe, Liebe und Geborgenheit: Luis Silva als Elder (l) und Alfredo Castroin als Armando.

Sie suchen Nähe, Liebe und Geborgenheit: Luis Silva als Elder (l) und Alfredo Castroin als Armando. Foto: Alexandra Bas/Weltkino Filmverleih. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Das Fehlen von Müttern oder Vätern kann bei Kindern eine große Sehnsucht auslösen. Auch in "Caracas, eine Liebe" werfen abwesende Väter einen Schatten auf die Ereignisse der Gegenwart. Im Zentrum aber steht zunächst die homoerotische Beziehung eines älteren zu einem deutlich jüngeren Mann.

Es ist ein bemerkenswerter Debütfilm, den Lorenzo Vigas aus Venezuela da vorlegt - und der beim Filmfest Venedig im vergangenen Jahr mit dem Goldenen Löwen geehrt wurde.

Armando, einsamer und alleinstehender End-Fünfziger, spricht in Caracas junge Männer an und bittet sie gegen Geld nach Hause. Sex will er nicht, ihm genügt der Anblick der drahtigen jugendlichen Körper. Dabei trifft er Elder, einen ungestümen, aggressiven Heranwachsenden aus ärmlichen Verhältnissen. Bei ihrer ersten Begegnung schlägt dieser Armando in dessen bürgerlicher Wohnung zusammen und beklaut ihn.

So unterschiedlich die beiden auch sind, kommen sie sich mit der Zeit näher. Allerdings bleibt lange unklar, wohin die sexuell und emotional aufgeladene Beziehung der beiden Männer steuert. Schließlich suchen beide Nähe, Geborgenheit und Liebe - was jeder auch beim anderen ausnutzt. Während der junge Luis Silva dabei in seiner ersten Hauptrolle durch starke Präsenz in Erinnerung bleibt, überzeugt der gefeierte chilenische Schauspieler Alfredo Castro durch sein subtiles Spiel voller unterdrückter Begierde und Enttäuschungen.

Regisseur Vigas (Jahrgang 1967) deutet in dem so vielschichtigen wie intensiven Drama viel an und überrascht mit unvorhersehbaren Wendungen. Außerdem gelingt ihm eine subtile Gesellschaftskritik: In "Caracas, eine Liebe" thematisiert er nicht nur die vehemente gesellschaftliche Ausgrenzung von Homosexuellen, sondern zeigt auch die teils prekären Lebensverhältnisse und die großen Unterschiede zwischen Arm und Reich.

Caracas, eine Liebe, Venezuela 2015, 93 Min., von Lorenzo Vigas, mit Alfredo Castro, Luis Silva, Jericó Montilla, Catherina Cardozo

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