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"Alles was kommt": Subtiles Frauenporträt mit Huppert und Depardieu

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"Alles was kommt": Subtiles Frauenporträt mit Huppert

17.08.2016, 08:48 Uhr | dpa

"Alles was kommt": Subtiles Frauenporträt mit Huppert und Depardieu . Nathalie (Isabelle Huppert) hat scheinbar alles im Griff.

Nathalie (Isabelle Huppert) hat scheinbar alles im Griff. Foto: Ludovic Bergery/CG Cinema. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Starke Frauen, die eine unerwartete Wendung in ihrem Leben aus der Bahn zu werfen droht - solche Rollen gehören zum festen Repertoire des französischen Schauspielstars Isabelle Huppert (63).

Und immer schaut der Kinozuschauer fasziniert zu, wie Huppert ihren Figuren eine unnachahmliche Aura aus Verletzlichkeit und Enttäuschung, trotziger Arroganz und zupackendem Selbstbewusstsein verleiht.

In "Valley of Love - Tal der Liebe" spielte Huppert zuletzt an der Seite von Gérard Depardieu eine Mutter, die ihren Sohn und sich selbst erst nach dessen Tod richtig kennenzulernen scheint. In "Alles was kommt" geht es nun um den Frust und die Lust der späten Jahre - darum, dass nichts im Leben sicher ist und dass das vielleicht auch ganz gut so ist.

Huppert spielt die Pariser Philosophie-Lehrerin Nathalie - eine Frau, die ihr Leben perfekt unter Kontrolle hat. Beruflich erfolgreich, privat zufrieden. Doch von einem Tag auf den anderen ändert sich für Nathalie alles: Ihr Mann Heinz verlässt Nathalie nach einem Vierteljahrhundert Ehe für eine andere Frau. Ihr Verlag will ihre Philosophie-Werke aus dem Programm werfen, weil er sie für nicht mehr zeitgemäß hält. Und ihre Mutter kann nicht mehr allein leben und soll ins Altenheim umziehen.

Nathalie ist plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen und gezwungen, sich mit dem eigenen Altern auseinanderzusetzen. Doch Nathalie ist eine Frau, die sich am liebsten keine Schwäche zugestehen und keinen Schmerz zulassen würde. Mit kühlem Intellekt versucht sie, das Leben zu meistern.

Winzige Veränderungen in Hupperts Mimik, ihrem Auftreten und ihren Gesten verraten, dass Nathalie trotz aller zur Schau gestellten Zuversicht Angst vor der Zukunft hat - vor dem was kommt. Regisseurin Hansen-Løve ("Eine Jugendliebe", "Der Vater meiner Kinder"), deren Eltern beide Philosophie-Lehrer sind, hat ein ungeheuer gutes Gefühl für Zwischentöne. Für ihr subtiles Frauenporträt wurde sie bei der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären für die Beste Regie ausgezeichnet.

Es habe ihr unheimlich gut gefallen, dass Hansen-Løve bereit gewesen sei, eine intellektuelle Frau zu zeigen, sagte Huppert bei der Berlinale. "Ich glaube, viele Regisseure haben Angst, dass sie sich da die Finger verbrennen", so die Schauspielerin. "Manchmal ist es wie ein Tabu."

Der Zuschauer wird von Hansen-Løve unaufdringlich aufgefordert, den Schwingungen der Geschichte nachzuspüren, um so die ganze Tragik von Nathalies Leben zu begreifen. Schmerzliche und tragikomische Momente mischen sich - zum Beispiel, wenn Nathalie der Einladung ihres ehemaligen (Lieblings-)Schülers Fabien folgt, ihn und seine Freunde auf dem Land besucht und unter den jungen Leuten merkt, wie einsam sie eigentlich ist.

"Alles was kommt" ist kein Film zum einfachen Konsumieren, sondern zum Mitdenken. Am Ende begreift Nathalie, dass ihr die Zukunft trotz vermeintlicher Niederlagen im Leben offen steht - der Preis dafür ist aber noch nicht abzuschätzen.

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