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"Die schönen Tage von Aranjuez": Wim Wenders verfilmt Handke

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"Die schönen Tage von Aranjuez"  

Wenders verfilmt Handke-Stück

23.01.2017, 11:29 Uhr | dpa

"Die schönen Tage von Aranjuez": Wim Wenders verfilmt Handke. Reda Kateb (l) und Sophie Semin in einer Szene aus dem Film "Die schönen Tage von Aranjuez".

Reda Kateb (l) und Sophie Semin in einer Szene aus dem Film "Die schönen Tage von Aranjuez". Foto: Alfama Films. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Der Regisseur Wim Wenders hat einen radikalen Film gedreht, an dem sich wohl die Geister scheiden dürften. 30 Jahre nach dem Meisterwerk "Der Himmel über Berlin", das um das Handke-Gedicht "Lied vom Kindsein" kreist, bringt Wenders einen weiteren Text des mit ihm befreundeten Schriftstellers auf die Leinwand.

Der Film "Die schönen Tage von Aranjuez" beruht auf dem gleichnamigen Stück von Peter Handke. Es handelt sich dabei um ein Zwiegespräch zwischen einer Frau und einem Mann. Das Werk kommt mit seiner 3D-Ästhetik zwar sehr sinnlich, aber auch extrem statisch daher. Das kann man poetisch finden. Oder äußerst fad.

Die ersten Bilder bieten zunächst überaus erstaunliche Anblicke der Metropole Paris. Die Kamera zeigt Szenen einer vollkommen menschenleeren Stadt. Dieser Anfang bildet den philosophischen Nährboden des Films. Denn der Abkehr von der Zivilisation hat sich offenbar auch die Figur des Schriftstellers verschrieben - einer der drei Protagonisten, die dem Publikum in den 146 Minuten des Films begegnen.

Die Figur des Autors in dem Film sieht seine Charaktere förmlich vor sich. Auf der Terrasse seines Landhauses bei Paris nehmen sie Gestalt an: eine Frau und ein Mann. In dem Text, den der Autor in eine alte Olympia-Schreibmaschine hackt, kehren die beiden ihr Inneres nach außen. Besonders die Frau. Sie offenbart ihrem Gegenüber, wie sie ihre Liebschaften erlebt hat. Der Mann wiederum philosophiert etwa über den Geschmack von Frühäpfeln oder über eine Reise nach Aranjuez in die Sommerresidenz der spanischen Könige, wo er einst einige schöne Tage verlebt hat.

In der Hitze des Hochsommers scheinen die beiden fiktiven Figuren den Autor allmählich zu übermannen. So steht schließlich die naheliegende Frage im Raum: Ist wirklich er es, der sie erschafft? Oder haben sie sich schon längst verselbstständigt? Text und Film kreisen um ein Thema, das so alt ist, wie die Fiktion selbst: die Begegnung des Autors mit seinen Figuren, die ihren Erschaffer in letzter Konsequenz überdauern, weil sie "weiterleben", auch wenn er eines Tages verstirbt.

"Die schönen Tage von Aranjuez" sind für den Schriftsteller aber nicht lebensbedrohlich. Frau und Mann nähern sich lediglich seinem Haus und schauen durchs Fenster hinein, während er in der Küche ein Glas Wasser trinkt - und in sich hineinkichert. Schließlich entstammt auch dieses Hirngespinst seiner Fantasie.

Ein Höhepunkt des Films: Aus der als Leitsymbol eingesetzten Wurlitzer-Jukebox landet auch die Musik in der filmischen Realität, als Nick Cave den Song am Flügel des Landhauses zwei schöne Minuten lang live zu Ende spielt.

Insgesamt gleicht der Film "Die schönen Tage von Aranjuez" einem cineastischen Stillleben. Man könnte das Werk in weiten Teilen als eine szenische Lesung beschreiben. Die Figuren offenbaren im Verlauf ihres Gesprächs, dass sie vereinbart haben, "keine Handlung" zuzulassen.

Auch wenn der Bruch mit jeglicher Form von "Action" eine bewusste Entscheidung ist, birgt die Inszenierung der Statik allerdings ein Problem - egal, wie groß die Sympathie ist, die man diesem Film entgegenbringen möchte: die Figuren bleiben schemenhaft, so manchen Zuschauern dürfte es schwer fallen, sich mit ihnen zu ihnen identifizieren. So mag man den Schlagabtausch der Figuren mit seiner existenzialistischen Tragweite als erholsames Gegengewicht zum Chaos der Moderne empfinden - oder als weitgehend blutleer.

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