Sie sind hier: Home > Unterhaltung > Kino & Film > Filmstarts >

Film - "Una und Ray": Beängstigendes Missbrauchsdrama

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Film  

"Una und Ray": Beängstigendes Missbrauchsdrama

27.03.2017, 08:04 Uhr | dpa

Film - "Una und Ray": Beängstigendes Missbrauchsdrama. 15 Jahre später sucht Una (Rooney Mara) ihren Peiniger Ray (Ben Mendelsohn) auf.

15 Jahre später sucht Una (Rooney Mara) ihren Peiniger Ray (Ben Mendelsohn) auf. Foto: Nicola Dove/Weltkino Filmverleih. (Quelle: dpa)

Leipzig (dpa) - Mit dem Vorstadtidyll stimmt etwas nicht. Die Villen sind zwar groß, das Gras ist saftig grün, Vögel zwitschern. Doch als das junge Mädchen zu Beginn des Missbrauchdramas "Una und Ray" rüber geht zum Nachbarn, gibt es einen harten Schnitt.

Der Zuschauer findet sich 15 Jahre später wieder in einem dunklen Techno-Schuppen zu dröhnender Musik. Aus dem Mädchen ist eine Frau geworden, sie tanzt mit leerem Blick, später hat sie auf der Toilette des Clubs freudlosen Sex. Mit ihr, der Protagonistin, stimmt etwas nicht. Warum das so ist, erzählt das intensive Kammerspiel in verstörenden Rückblenden auf das angebliche Vorstadtidyll.

Zwei formidable Darsteller tragen den Film. Rooney Mara wurde international bekannt in den amerikanischen Stieg-Larsson-Verfilmungen ("Verblendung"). Sie spielt eine fragile Frau, deren seelische Wunden aus der Kindheit nicht verheilen wollen. "Ich habe mein Leben verloren", sagt sie heute, 15 Jahre später.

Ben Mendelsohn brillierte unlängst in der Serie "Bloodline", auch auf der Kinoleinwand überzeugt er in der Rolle des Ray, eines verurteilten Pädophilen. Bei der Tat war er 40, das Mädchen Una 13. In kurzen Rückblenden wird der Missbrauch erzählt - ohne brutale physische Effekthascherei auf der Leinwand, sondern mit bedrohlichen Bildern von schwankenden Baumwipfeln und leeren Fabrikhallen im kalten Neonlicht.

Seit der Tat haben sich die beiden nicht gesehen, der Täter saß vier Jahre im Gefängnis und lebt mittlerweile unter neuer Identität in einer anderen britischen Stadt. Wie aus dem Nichts taucht Una bei ihm auf - zufällig hat sie sein Gesicht erkannt auf einem Werbezettel seiner Firma. "Was willst du?", fragt er sie barsch. "Dich sehen", antwortet sie. "Halt Dich fern von mir, Du brauchst Hilfe", sagt er. Ein Triebtäter diskreditiert sein Opfer als psychisches Wrack - das Drehbuch überrascht immer wieder mit ungewöhnlichen Dialogpassagen.

Der Brite David Harrower schrieb sowohl das Theaterstück "Blackbird" als auch das Drehbuch. Er vermeidet dabei Klischees vom eindeutig Bösen, lässt dem Täter Raum für Rechtfertigungen. Er sei nie ein Pädophiler gewesen, sagt er. "Du warst die Tochter meines Nachbarn und kein bloßes Ziel", sagt er zu Una. "Das weißt Du." Worauf sie antwortet: "Ich weiß nichts über Dich, außer dass Du mich missbraucht hast." Zur Rechtfertigung verweist er darauf, dass er kurze Hosen getragen habe, als er sie erstmals traf bei einer Grillparty ihrer Eltern. "Wäre ich erregt gewesen, hätte man das bemerkt." Sie lacht ihn aus. "Du hast Shorts getragen - das war Deine Verteidigung im Gerichtsprozess?"

Ihr heutiges Verhältnis zu Ray ist verstörend. Man merkt, wie sie ihn abstoßend findet und verachtet. Und dennoch ist ihr die Nähe zu ihm noch immer wichtig - die Erinnerung an das Kennenlernen vor 15 Jahren ist für sie eine Reise in eine Zeit, als ihre Psyche noch keinen Knacks hatte. Als sie wohl zum ersten und letzten Mal zu einem anderen Menschen "Ich liebe Dich" gesagt hat. Eine Reise in eine Zeit, als sie noch ein halbwegs fröhliches Mädchen war - bevor das Unheil kam samt Missbrauch und Gerichtsprozess. Bevor ihre Eltern unter schweren Schuldgefühlen psychische Probleme bekamen und das Familienglück zerbrach.

Während Ray vermeint, seine Schuld verbüßt und das alte Lebenskapitel abgehakt zu haben, scheint die Psyche für Una ein lebenslanges Gefängnis zu sein. "Ich lebe noch immer da, wo Du mich zurückgelassen hast", sagt sie. In dem angeblichen Vorstadtidyll, wo das Unglück begann. "Una und Ray" ist harte Kinokost mit einer beängstigenden Botschaft am Ende: Für das Opfer gibt es kein Erwachen aus dem Alptraum.

Una und Ray, Großbritannien 2017, FSK ab 12, 94 Minuten, von Benedict Andrews, mit Rooney Mara, Ben Mendelsohn, Riz Ahmed, Tara Fitzgerald, Tobias Menzies

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages

Shopping
Shopping
Highspeed-Surfen + digital fernsehen &120,- € TV-Bonus
bei der Telekom bestellen
Shopping
Cooler kühlen mit dem LG Side-by-Side Kühlschrank
gefunden auf otto.de
KlingelBabistabonprix.deLidl.deStreet OneCECILMADELEINEdouglas.deBAUR
Unterhaltung von A bis Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Telekom Fotoservice
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017