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Filmmusik: Hollywoods Star-Komponist Hans Zimmer im Interview

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Interview mit Hollywoods Star-Komponist Hans Zimmer  

"Die Musik sollte gezielter sein"

19.05.2009, 10:41 Uhr | SKO/demo

Herr Zimmer, gerade ist der Film "Illuminati", zu dem sie die Filmmusik komponiert haben, in den deutschen Kinos angelaufen. Es fällt auf, dass die Musik einmal mehr von einer Kombination aus Synthesizer- und Orchesterklängen geprägt ist. Ist das eines Ihrer Markenzeichen?

Ich weiß nicht, ob man es mein 'Markenzeichen' nennen kann, aber für diesen Film hat es gepasst. Es geht ja um Wissenschaft und Religion, um Fakten und Glauben. Und ich habe mich gefragt, wie man zwischen Wissenschaft und Religion eine Brücke schlagen könnte. Da schien mir eine Mischung aus Elektronik und Orchester geeignet.

Wie sind Sie bei der Komposition vorgegangen? Haben Sie gewisse Stücke schon vor dem Dreh geschrieben oder sich am Ende die fertigen Szenen angesehen und dann die Musik komponiert?

Eine Menge Ideen kamen bereits lange vor den Dreharbeiten. Regisseur Ron Howard wollte nicht, dass ich die Romanvorlage von Dan Brown lese. Er wollte jemanden, der das Buch nicht kennt. Schon vor zwei Jahren zeigte er mir die Entwürfe für einzelne Actionszenen, ohne dass mir der Kontext bekannt war. Da haben wir schon angefangen zu überlegen, welche Art von Film wir machen wollen und was die Musik für eine Rolle spielen soll. Ich wollte eine Menge Ideen einbringen, die „Illuminati“ tougher und actionreicher machen als "Der Da Vinci Code".

Sie nehmen also mit Ihrer Musik Einfluss auf den Film-Dreh?

Wir beeinflussen uns alle gegenseitig. Ein Film ist immer Teamarbeit. Heute hat sich die Art des Filmemachens verändert. Wir schneiden die Musik heute nicht mehr auf den fertigen Film. Alles wird digital gemacht, so dass man die Einzelheiten noch bis zum letzten Moment ändern kann. Aber ich will nicht warten bis zum letzten Moment. Es macht mehr Spaß, wenn man früh anfängt und dann auch am ganzen Ablauf der Filmproduktion mitbeteiligt ist.

Sie haben die Filmmusik zu unzähligen Filmhits geschrieben und von Oscar bis Golden Globe alle renommierten Preise gewonnen, die es gibt. Welchen Ihrer Film würden Sie unseren Lesern ans Herz legen, mit dem Fokus auf die Musik noch einmal anzusehen - und warum?

Das Kriegsepos „Der schmale Grat“. Da wurde der komplette Film mehr oder weniger um die Musik herumkonstruiert. Außerdem ist der Film mal was ganz anderes. Es war zwar kein großer Kassenerfolg, hatte aber sehr viel Einfluss auf andere Hollywood-Produktionen.

Sie haben die Musik zu Blockbustern wie "Illuminati" mit Tom Hanks, "Fluch der Karibik" mit Johnny Depp oder "The Rock" mit Nicolas Cage und Sean Connery geschrieben. Kommen Sie bei der Produktion Ihrer Stücke persönlich mit diesen Stars in Kontakt?

Ja, na sicher. Tom Hanks hat während der Dreharbeiten zu "Illuminati" zum Beispiel dauernd zu mir gesagt: "Nimm doch Hörner für die Musik". Ich glaube, das einzige, was wir am Ende nicht verwandt haben, sind Hörner! (lacht) Aber Spaß beiseite. Wir kennen uns natürlich auch alle privat. Wir leben hier in Hollywood ja in einer Kleinstadt, in der alle in derselben Branche tätig sind.

Bislang haben es nicht allzu viele Deutsche aus dem Filmgeschäft bis nach Hollywood geschafft. Sie leben schon seit den Achtzigern in Los Angeles. Wie wird man als Deutscher dort angenommen und was ist Ihr Erfolgsrezept?

Ich werde dort genauso angenommen wie jeder andere. Es ist eine sehr internationale Stadt. Ron Howard ist zum Beispiel einer der wenigen amerikanischen Regisseure, mit denen ich arbeite. Die meisten stammen gar nicht aus den USA. Angenommen wird man, wenn man eine Idee hat. Hat man keine, helfen einem die Leute ein bisschen. Das ist der Unterschied zwischen Hollywood und Deutschland: In Hollywood wird erwartet, dass auch mal Fehler passieren. Weil man ohne Fehler nichts Riskantes machen kann. Ohne Fehler gibt es nichts Neues. Wenn man in Deutschland einen Fehler macht, arbeitet man die nächsten drei Jahre nicht mehr.

Was Ihre Orchesterarbeit anbelangt: Mit bis zu wie vielen Instrumentalisten arbeiten Sie beim Einspielen Ihrer Stücke zusammen?

Das kommt auf den Film an. Die Musik  zu "Illluminati" habe ich absichtlich mit einer sehr kleinen Gruppe eingespielt. Rom und der Vatikan sind als Schauplätze schon so riesig. Da sollte die Musik ein wenig gezielter sein. Deshalb habe ich diesmal wirklich nur meine Top-Spieler mit ins Boot geholt.

Für welche Filme schreiben Sie am liebsten Musik? Eher für lustige, actiongeladene oder vielleicht sogar gruselige Streifen?

Lustige sind am schwierigsten. Die machen zwar viel Spaß, aber es ist nicht einfach, den Witzen des Films mit der Musik nicht in die Quere zu kommen. Was ich am liebsten mache, kann ich eigentlich gar nicht sagen. Immer was Anderes, immer was Neues. Es geht mir darum, mich an Sachen zu versuchen, die ich vorher noch nie gemacht habe.

Pro Jahr geht die Musik für rund sechs Filme auf Ihr Konto. Woher nehmen Sie Ihre Kreativität? Gehen Ihnen nie die Ideen aus?

Der Anfang ist meistens schwierig. Dann habe ich Angst, dass mir nichts einfallen könnte. Gerade sitze ich zum Beispiel an der Musik zu „Sherlock Holmes“ – und mir fällt einfach nichts ein. In der Regel sitze ich mindestens zwei Wochen lang rum, bevor sich die ersten Ideen einstellen. Aber am Ende fällt mir dann doch immer wieder was ein.

Herr Zimmer, wir bedanken uns für das Gespräch.



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