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Vierter Teil der "Twilight"-Saga startet im Kino

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Glitzer-Vampir gegen Kuschel-Werwölfchen

23.11.2011, 13:59 Uhr | mth

Vierter Teil der "Twilight"-Saga startet im Kino. Der vierte Teil der "Twilight"-Saga kommt in die Kinos.  (Quelle: Concorde)

Der vierte Teil der "Twilight"-Saga kommt in die Kinos. (Quelle: Concorde)

Vampire ernähren sich nicht von Menschenblut, leben in einer an die "Waltons" erinnernden superharmonischen Großfamilie und fahren Autos der für ihre Bodenständigkeit bekannten schwedischen Marke Volvo. Und das Schlimmste: Gerät ein Blutsauger ins Sonnenlicht, dann verbrennt er nicht wie einst Dracula und Kollegen unter Todesqualen zu einem Häufchen Asche, sondern glitzert auch noch gülden. Werwölfe hingegen sind extrem gut gebaute Kerle mit Hang zum Exhibitionismus, die sich bei Bedarf in flauschige Kuscheltiere verwandeln. Das suggeriert uns zumindest die US-amerikanische Buchautorin Stephenie Meyer mit ihrer "Twilight"-Saga. Deren Filmadaption biegt nun auf die Schlussgerade ein und wird uns bald mit ihren zur Unkenntlichkeit weichgespülten Charakteren, die ursprünglichen mal aus dem Horrorgenre stammten, in Ruhe lassen.

Nichts gegen Liebesgeschichten, die zudem auch noch mit einer diverse Konflikte versprechenden Dreieckskonstellation aufwarten. Aber warum musste Meyer ihre auch noch reichlich stereotyp daherkommende Story mit Horrorelementen anreichern und dabei klassische Motive derart verunstalten? Jeder Freund von Genre-Klassikern wie "Bram Stoker's Dracula", "Near Dark", "Wolven" oder "American Werewolf" bekommt bei dem, was Meyer da den guten alten Vampiren und Werwölfen antut, das kalte Grausen. Und "Dracula"-Autor Stoker wird sich in der Gegenwart von Glitzer-Vampiren und Kuschel-Werwölfchen sehr wahrscheinlich im Grab herumgedreht haben. Wobei: Mit den reaktionären Ansichten zu Sex, Partnerschaft und Frauenbild, die Meyer in ihrem Werk verbreitet, hätte sich der im 19. Jahrhundert aufgewachsene Ire eventuell noch anfreunden können.

Heile Barbiepuppenwelt

Da daten sich die Protagonisten Bella Swan (Kristen Stewart) und Edward Cullen (Robert Pattinson) monatelang, aber außer etwas Kuscheln und dem ein oder anderen schmerzhaft kitschig inszenierten Kuss passiert nichts. Ins Bett geht es ganz brav erst nach der Heirat. Das ist nicht an sich schlimm, vermittelt aber ein stark idealisiertes Weltbild, das auch an der Lebenswirklichkeit der meisten Leserinnen Meyers vorbeigeht. Denn in Meyers stark vereinfachtem Mikrokosmos hat eben alles seine Ordnung, alle relevanten Figuren sind unter der Haube und der einzige wahre Konflikt ist Bellas Luxusproblem, sich zwischen zwei tollen Typen zu entscheiden. Mehr heile Barbiepuppenwelt geht nicht. Dass die ab und an mit ein wenig Blut getränkt wird, dient dabei nur einem Rest von düsterromantischer Dramatik, ohne den die Geschichte in seliger Langeweile versinken würde.

Kreuzbrave Lovestory ohne Mehrwert

Ein volles Jahr wird der "Twilight"-Hype also noch andauern, bis voraussichtlich am 22. November 2012 mit "Breaking Dawn - Teil 2" das letzte Kapitel der Saga in die Kinos kommt. Und natürlich muss niemand, der das nicht möchte, an diesem Hype teilhaben. Dennoch verwundert es den objektiven Betrachter, mit welchen bescheidenen erzählerischen Mitteln - keine Perspektivwechsel, keine relevanten Nebenhandlungsstränge, u.a. - hier unter Ausbeutung des Fundus an Horrormotiven eine kreuzbrave Lovestory ohne den geringsten Mehrwert zu einem weltweiten Phänomen wurde.

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