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Meryl Streep lässt die Rockerbraut raus

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"Rick - Wie Familie so ist"  

Meryl Streep lässt die Rockerbraut raus

02.09.2015, 16:50 Uhr | dpa

. Meryl Streep darf in "Ricki - Wie Familie so ist" einmal mehr ihre Wandelbarkeit unter Beweis stellen. (Quelle: Sony)

Meryl Streep darf in "Ricki - Wie Familie so ist" einmal mehr ihre Wandelbarkeit unter Beweis stellen. (Quelle: Sony)

Regisseur Jonathan Demme liefert wieder einen Musikfilm ab - allerdings nicht dokumentarisch wie die wunderbare Konzertdoku "Stop Making Sense" der Talking Heads, sondern einen Spielfilm. Oscar-Preisträgerin Meryl Streep gibt darin die erfolgreiche Rocksängerin Ricki Rendazzo.

In Jahrzehnten auf der Bühne und im Tourbus hat sie ihre Familie komplett vernachlässigt. Nun will sie Versäumtes nachholen und zu ihren erwachsenen Kindern eine Beziehung aufbauen. "Ricki - Wie Familie so ist" erzählt amüsant, wenn auch recht konventionell und vorhersehbar.

Meryl Streep liefert tolle Vorstellung ab

Dennoch ist der Film sehenswert - dank Streep, die als Gitarristin und Sängerin eine tolle Vorstellung abliefert. An ihrer Seite überzeugen Rock-Veteran Rick Springfield als ihr Lebensgefährte und Mamie Gummer, die im Film wie im wahren Leben Streeps Tochter ist.

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Rockerleben trifft auf Vorstadt-Beschaulichkeit

Im Film platzt Ricki eines Tages überraschend ins beschauliche Vorstadt-Leben ihrer Familie. Die Söhne Adam (Nick Westrate) und Josh (Sebastian Stan) wollen von ihr nichts wissen. "Oh mein Gott, Sie spielt Mami, hat jemand 'ne Kamera?", kommentiert Adam Rickis Versuche, ein Familiengefühl aufzubauen.

Für ihn ist Maureen (Audra McDonald) die Mutter. Sie ist die fürsorgliche Frau an der Seite von Rickis Ex-Mann Pete (Kevin Kline) und fühlt sich von Ricki an den Rand gedrängt. Ein Zickenkrieg beginnt.

Komplexe Mutter-Tochter-Beziehung

Auf totale Ablehnung stößt Ricki bei ihrer Tochter. Julie steckt in einer tiefen Depression, seit ihr Mann sie jäh verlassen hat. Rickis unbeholfene Versuche, ihr beizustehen, weist sie brüsk zurück. Unvergessen die Jahre, als sich das Mädchen nach der Mutter sehnte und immer wieder enttäuscht wurde. So entsteht eine Dynamik aus Wut und Trotz, aus Liebe und Ablehnung, wie sie so typisch für Mütter und Töchter ist.

Meryl Streep und Mamie Gummer spielen das wunderbar: Zwei desillusionierte Frauen, verletzt, unsicher, aufbrausend und in vielerlei Hinsicht ähnlich, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen. Julie hat den Glauben an die Liebe und sich selbst verloren. Und Ricki muss erkennen, dass das, was sie Zuhause versäumt hat, unwiederbringlich ist.

Erfüllung abseits der üblichen Wege

Doch das, so die Botschaft von Demme und Drehbuchautorin Diablo Cody (Oscar für "Juno"), ist vielleicht gar nicht so tragisch, denn Erfüllung gibt es auch abseits der üblichen Wege. Und zumindest für Ricki lag diese nie zwischen Haushalt, Schule und Kindergeburtstag.

Der Film erhebt keine Anklage und erklärt die Standardfamilie nicht zum allein seligmachenden Lebensziel. Das ist sympathisch. Ricki bleibt die leidenschaftliche Rockerin, oft getrieben und zweifelnd, aber auf der Bühne in ihrem wahren Element. In der Vorstadt wird sie dafür angefeindet, trägt sie doch weiter Lederjacke, Jeans und Zöpfe: "Hast du heute noch einen Gig oder läufst du immer rum wie eine Trucker-Nutte?".

Am Ende geht es in Jonathan Demmes Film vor allem darum, eigene Fehler zu erkennen, sich gegenseitig zu verstehen und vielleicht auch zu vergeben - ohne viele Worte. Hier zeigt sich, wie meisterhaft der Regisseur des Psycho-Thrillers "Das Schweigen der Lämmer" mit Musik umgehen kann und wie leidenschaftlich er deren Sprache versteht.

Im Film wird live gesungen

Denn anstatt den Film mit Dialogen zu überfrachten und Gefahr zu laufen, am Ende doch nicht die treffenden Worte zu finden, lässt er Ricki singen. Und zwar echt, nicht Playback, wie sonst in Filmen oft üblich. Darauf legt der 71-Jährige US-Amerikaner wert: "Mir kam nie etwas anderes in den Sinn, als die Band wirklich spielen zu lassen". So spricht Streep mit ihrem rauen Gesang: mal wild und unbändig, mal leidenschaftlich und dann wieder ganz leise, inbrünstig und voller Liebe.

Streep engagierte einen Gitarrenlehrer

Eine Herausforderung auch für Streep, die einen Gitarren-Lehrer engagierte und Monate lang übte, um mit Springfield und der Band mithalten zu können. Zwei Wochen hatten die Musiker Zeit, zu einer Band zusammenzuwachsen.

Anfangs sei es ihr schwer gefallen, bekennt Streep. "Dann, ungefähr am sechsten Tag, sprang der Funke über, und wir konnten nicht mehr aufhören zu spielen. Wir spielten und spielten und spielten, und ich konnte wirklich endlich verstehen, warum Ricki das niemals aufgeben wollte, weil es sooooo viel Spaß bereitete."

Kinostart "Ricki - Wie Familie so ist": 3. September 2015

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