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"Radio Heimat"-Interview mit David Hugo Schmitz

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"Alles war viel analoger"  

Komödie bringt den Ruhrpott der 80er zurück

26.11.2016, 11:44 Uhr | t-online.de, mth

"Radio Heimat"-Interview mit David Hugo Schmitz. Die Vier aus dem Pott: Pommes (Jan Bülow), Mücke (Maxmilian Mundt), Spüli (Hauke Petersen) und Frank (David Hugo Schmitz). (Quelle: Concorde)

Die Vier aus dem Pott: Pommes (Jan Bülow), Mücke (Maxmilian Mundt), Spüli (Hauke Petersen) und Frank (David Hugo Schmitz). (Quelle: Concorde)

Seit dem 17. November ist die Komödie "Radio Heimat" in den deutschen Kinos zu sehen. Der Film von Matthias Kutschmann erweckt die kultigen Kurzgeschichten von Frank Goosen zum Leben und entführt Zuschauer und Darsteller in den Ruhrpott der 80er Jahre.

Im Mittelpunkt des Films stehen die vier 16-jährigen Freunde Pommes (Jan Bülow), Mücke (Maximilian Mundt). Spüli (Hauke Petersen) sowie Goosens jugendliches Alter Ego Frank (David Hugo Schmitz) und ihr Bemühen, endlich bei den Mädels zu landen.

Außer mit den Darstellern, neben den vier Jungschauspielern tritt das Who's who der Ruhrgebiets-Stars von Peter Lohmeyer über Anja Kruse bis Ralf Richter geschlossen an, punktet Radio Heimat vor allem mit detailverliebtem Lokal- und Zeitkolorit. Wir sprachen mit Hauptdarsteller David Hugo Schmitz - Jahrgang 1993 - über seine Zeitreise, das Ruhrgebiet und die 80er Jahre.

t-online.de: David, was mich sehr begeistert hat an „Radio Heimat“, war die Verliebtheit ins Detail. Das muss für euch ja wie eine Zeitreise gewesen sein …

David Hugo Schmitz: Auf jeden Fall! Mein Papa hatte mir zwar vorher schon gezeigt, wie das damals musikalisch und modisch war. Aber wirklich in dieser Zeit drin zu sein, war etwas ganz anderes. Es wurden für den Film ganze Häuser auf 80er Jahre umgebaut. Da fiel es dann leicht, sich fallen zu lassen. Du warst in dieser Ruhrpottwelt in den 80ern. Es wurde auch immer etwas Nebel in die Luft geblasen, damit wir das passende staubige Licht zum Drehen hatten. Es war richtig nostalgisch, auch wenn ich die Zeit nicht selbst kenne.

Du sagst es gerade. Wie hast du dich denn als jemand, der 1993 geboren wurde, auf die Rolle und die Zeit vorbereitet?

Über Musik und Gespräche mit Papa, der mir auch viele Bilder aus der Zeit gezeigt hat. Ansonsten habe ich mich einfach darauf eingelassen. Ich fand die 80er sowieso immer schon sehr spannend. Natürlich habe ich auch viel mit den anderen Schauspielern geredet, zum Beispiel mit Stephan Kampwirth, der im Film meinen Vater spielt. Auch mit Peter Lohmeyer und Sandra Borgmann haben wir Jungdarsteller viel gequatscht. Die haben uns viel über die Zeit erzählt und waren auch total darüber begeistert, wie echt das Set wirkte.

Du musstest dich in die Rolle eines Jugendlichen Anfang der 80er hineinversetzen. Was ist deiner Meinung nach der entscheidende Unterschied im Lebensgefühl  Jugendlicher damals und heute?

Ganz simpel gesagt: Damals war einfach alles viel analoger. Grundprobleme wie Mädchen kennenzulernen oder der erste in der Jungs-Gruppe zu sein, der flachgelegt wird, die kenne ich ja. Aber wie es dazu kommt, das ist heutzutage, wo die Jugendlichen mit dem iPad in der Hand aufwachsen, anders. Die sind sozial ein bisschen amputiert. Je mehr du gewöhnt bist, den ersten Schritt über das Internet zu machen, umso weniger hast du noch den Mut, das selbst zu tun. Das war damals anders. Da musste man bei der Damenwahl in der Tanzschule Eier haben und es selbst angehen. Das ist, glaube ich, der große Unterschied. Ich bin natürlich froh, dass ich in der heutigen Zeit aufgewachsen bin. Aber für die Drehzeit in die 80er reinzuschnuppern und zu verstehen, warum Papa sagt, dass wir vom Internet viereckige Augen bekommen, war wirklich sehr spannend und sehr erleuchtend.

In eurem Film spielt die Musik eine große Rolle, wie in vielen Filmen aus den und über die 80er. Damals war Musik eine Haltung, ein Statement. Heutzutage hat Popmusik diesen Stellenwert nicht mehr, ist austauschbarer geworden. Oder wie siehst du das?

Viele Popsongs heute sind so einfach, dass jeder, der sich damit ein wenig auseinandersetzt, einen machen könnte. Das ist formatgerechter Einheitsbrei. Damals waren mehr Sachen in der Musik neu. Natürlich gibt es auch heute noch tolle Musiker, aber es ist eben viel schwerer, etwas Neues zu erfinden. Und du bist leichter mit Scheiße erfolgreich als damals. Und unseren Soundtrack von „Radio Heimat“ feiere ich natürlich megahart. Falco oder James Brown, das sind Sachen, die ich auch privat gerne höre.

 (Quelle: Concorde) (Quelle: Concorde)

Im Film wird ja – ob in der Tanzschule oder im Partykeller – viel getanzt. Habt ihr da richtigen Unterricht bekommen?

Wir haben eine Mail mit zehn Tanz-Tutorials und tatsächlich auch Unterricht bekommen, in dem wir dann Cha-Cha-Cha und so weiter gelernt haben. Aber wir spielen ja eine Tanzszene, in der wir selbst Tanzen lernen. Deshalb sollten wir das nicht perfekt können, aber eben so gut, dass wir spielen können, dass wir es nicht können.

Und wie habt ihr euch auf das Party-Gehopse vorbereitet?

Da haben wir Videos geschickt bekommen, wie das in den 80ern so aussah. Dann hat man die Klamotten an, kennt die Musik und die zugehörigen Musikvideos sowieso und dann kommt das von alleine, dass man 80er-mäßig rumzappelt. Das macht dann einfach Spaß.

Kommen wir mal zum Ruhrgebiet, das im Film auch eine große Rolle spielt. Du bist ja als Kölner auch ein Außenstehender. Kannst du trotzdem sagen, was den besonderen Charme dieser Region ausmacht?

Wenn du dir Zeit nimmst, dann kommst dort auch in die schönen Ecken und erkennst die Ästhetik des Hässlichen für dich. Und der Menschenschlag ist etwas Besonderes. Die Ruhrpottler haben einen sehr trockenen Humor und eine Art, bei der man denkt: „Mag der mich nicht, warum beleidigt der mich jetzt?“ Aber das ist dann eben nett gemeint (lacht). Das kommt im Film ja auch schön rüber. Natürlich übertreiben wir manche Sachen, aber es wird doch eine rauere Sprache gesprochen, die aber nett gemeint ist.

Im Film geben sich deutsche TV- und Filmstars – die meisten aus dem Ruhrgebiet - mit ihren Gastauftritten die Klinke in die Hand.  Habt ihr als Hauptdarsteller von diesem Aufgebot überhaupt etwas mitbekommen? Die meisten Kollegen waren ja immer nur für ein paar Szenen am Set.

Ich hatte das Glück, dass ich fast mit allen zu tun hatte. Die anderen drei Hauptdarsteller hatten nur mit Peter Lohmeyer, der Pommes‘ Papa spielt, und mit Heinz Hoenig zu tun. Ich durfte auch mit Ralf Richter, Elke Heidenreich, Stephan Kampwirth oder Sandra Borgmann drehen. Martin Semmelrogge haben wir nur im Hotel getroffen. Das war schon aufregend, wenn wir auf dem Weg zum Set waren und wussten, heute drehen wir mit Peter Lohmeyer. Dann haben wir aber gemerkt, dass das auch nur normale Menschen sind. Die haben auch mal einen kleinen Texthänger, aber gehen anders damit um als wir. Das war lehrreich zu sehen, und wir haben natürlich auch viele Tipps bekommen.

Wie war denn die Stimmung am Set bei diesem hohen Aufkommen an Comedy-Spezialisten?

Das war schon ziemlich heiter (lacht). Petra Nadolny und Peter Nottmeier, die unsere Klassenlehrer spielen und mit denen wir den intensivsten Drehzeitraum hatten, sind auch privat witzig, und sie sind total jung geblieben im Kopf und echt coole Socken. Wir sind nach Drehschluss noch an der Bar einen trinken gewesen, haben tolle Gespräche geführt.

Und Fußball war doch bestimmt auch unter euch Schauspielern immer ein Thema. Es sind ja mit dir inklusive einige bekennende Fußballfans am Set gewesen …

Der Film ist vom Fußball eingefärbt, was ich sehr schön finde. Von unserem Haupt-Cast bin ich der Interessierteste gewesen, und das Gespräch mit Peter Lohmeyer begrenzte sich auf: „Du bist doch Schalke-Fan. Ich bin Dortmund-Fan“ – „Oh… schön, dass du auch da bist.“ Es war also am Set gar nicht so fußballlastig. Aber ich finde es schön, dass Fußball im Film eine Rolle spielt, weil sich für mich der Ruhrpott auch immer über diesen Fußball-Fanatismus definiert.

Hat sich bei dir persönlich durch die Hauptrolle in „Radio Heimat“ jetzt schon etwas verändert?

Ich wohne zum Glück momentan nicht in Köln, wo alle Wände vollplakatiert sind mit „Radio Heimat“ und meine Freunde dort total ausflippen und meine Facebook-Wand füllen mit Postings und Glückwünschen und Sätzen wie „Hollywood ruft“. Das ist alles nicht so nah an mir dran, weil ich noch in Potsdam im Niemandsland wohne, wo mehr Katzen als Menschen herumlaufen. Da bekomme ich das alles eher über die Medien mit. Und auf der Schauspielschule bin ich sehr fokussiert und auch nur einer von zehn Schülern, die ihr Ding machen. Aber natürlich geht das alles nicht einfach so an mir vorbei. Das Rampenlicht, die Interviews, den roten Teppich – das versuche ich aufzusaugen, aber auch als das zu sehen, was es ist: eine superschöne Momentaufnahme. Es ist eine Welt, in der ich noch nie war. Es ging alles ziemlich schnell. Und es ist auch nicht so, dass ich davon irgendwann nicht gerne noch mehr hätte. Aber ich versuche jetzt gerade, das alles realistisch zu sehen, es aber auch zu genießen und nicht nur absurd zu finden.

Warum dürfen unsere Leser „Radio Heimat“ auf keinen Fall verpassen?

Leute, die die 80er live erlebt haben, sind teilweise mit Tränen aus den Kino-Vorstellungen gekommen und waren so gerührt von der Musik und dem Detailreichtum. Es ist eine Zeitreise, und es ist natürlich toll, Sachen wiederzuerkennen. Jeder, der diese Zeit kennt, sollte sich den Film nicht entgehen lassen, und wer auch noch aus dem Ruhrgebiert kommt sowieso nicht. Aber auch alle anderen werden ihren Spaß an „Radio Heimat“ haben. Und die Jüngeren werden sehen, dass man auch ohne Internet und Smartphone viel Spaß haben kann. Das täte manchem bestimmt ganz gut.

David, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führe Marc Thomé.

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