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Ausstellungen: Wie ein jüdischer Schwabe Hollywood erfindet

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Wie ein jüdischer Schwabe Hollywood erfindet

08.12.2016, 16:31 Uhr | dpa

Ausstellungen: Wie ein jüdischer Schwabe Hollywood erfindet. Voriebe für Torten: Ein Schwarz-Weiß-Print zeigt, wie Carl Laemmle zu seinem 66.

Voriebe für Torten: Ein Schwarz-Weiß-Print zeigt, wie Carl Laemmle zu seinem 66. Geburtstag eine Torte anschneidet. Foto: Christoph Schmidt. (Quelle: dpa)

Stuttgart (dpa) - Carl Laemmle hatte eine ausgeprägte Vorliebe für Torten. Große Torten. Wenn der Erfinder der Traumfabrik Hollywood in Amerika mit jeder Menge Filmgrößen in Saus und Braus runde Geburtstage feierte, durfte eine Torte nicht fehlen, die stets so viele US-Pound wog, wie es seinem Alter entsprach.

Große Fotos samt Torten leiten den Besucher im Haus der Geschichte in Stuttgart durch die Ausstellung "Carl Laemmle presents... Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood". Es ist das erste Mal, dass der Gründer der legendären Universal Studios derart ausgiebig geehrt wird. Sein Slogan: "It can be done!"

Ohne Carl Laemmle gebe es nicht das Hollywood, wie man es heute kenne, betont Ron Meyer, Vizepräsident von NBCUniversal, am Donnerstag in Stuttgart. Auch als Produzent sei er unvergessen. Laemmles 1930 mit zwei Oscars ausgezeichneter Antikriegsfilm "All Quiet on the Western Front" ("Im Westen nichts Neues") gehöre zu den größten Filmen aller Zeiten. Mit schonungsloser Darstellung des Ersten Weltkriegs setzte der Film Maßstäbe. Der Film spielt außerhalb von Amerika 2,3 Millionen Dollar ein.

Einer dieser beiden Oscars steht als Blickfang gleich am Eingang der Ausstellung, die bis 30. Juli zu sehen ist. Er fand sich bei Recherchen im Archiv der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" in Los Angeles. Zwar ist es nicht das Exemplar für den "Besten Film", das Carl Laemmle am 5. November 1930 vor 600 Gästen als Präsident der Universal Studios überreicht bekam. Aber es ist das Original-Exemplar, das Regisseur Lewis Milestone bekam. Laemmles Oscar gilt als verschollen.

"Laemmles Leben war filmreif", sagt Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger. "Er ist eine Legende der Kinogeschichte." Man habe neben dem Original-Oscar natürlich eine ganze Reihe "wirkmächtiger Exponate" zusammengetragen: die Fledermaus aus dem Film "Dracula" etwa, Bandagen aus "Die Mumie" oder Frankensteins Handschelle. Diese Laemmle-Schöpfungen aus Horrorstreifen haben sich ins Gedächtnis eingebrannt, obwohl er eigentlich Western lieber hatte. Sein Sohn habe ihn zum Genre Horror getrieben, erzählt Lutum-Lenger. Universal gilt als Wiege des Horrorfilms.

Mit 17 Jahren wandert Carl Laemmle in die USA aus, 50 Jahre später ist er ein legendärer Hollywood-Produzent und Boss eines internationalen Filmkonzerns. Museumsleiter Thomas Schnabel bezeichnet ihn als "ersten Global Player der Filmwirtschaft". Seiner Heimat Oberschwaben sei er aber sein Leben lang verbunden geblieben - auch als er hier angefeindet und als "übler Filmjude" beschimpft wird. Bei "Im Westen nichts Neues" nahm Laemmle Zensuren hin, damit der Film auch in Deutschland gezeigt wurde, berichtet Lutum-Lenger.

"Da war ich draußen", beschrieb Laemmle das Jahr 1936, in dem ihn Weltwirtschaftskrise und einige Misserfolge zum Ausstieg zwingen. "Er war draußen, aber nicht am Ende", sagt Lutum-Lenger. Schließlich wurde er jetzt zum Retter etlicher deutscher Juden vor den Nazis. Hunderten stellte er Bürgschaften aus, die ihnen die Einreise in die USA ermöglichten. Als die US-Behörden seine Bürgschaften nicht mehr annahmen, drängte er seine Freunde dazu.

"Er hat es verdient, dass wir seiner gedenken", sagt Museumsleiter Schnabel. Es sei an der Zeit, dass aus dem "Carl Laemmle - who?" echte Anerkennung werde. Aber warum erst jetzt? "Ehrlich gesagt: Das weiß ich auch nicht", bekennt Schnabel, der die Kosten für die Ausstellung mit rund 800 000 Euro angibt. Baden-Württemberg habe das Projekt großzügig mit einer "erheblichen sechsstelligen Summe" bezuschusst. Und zum 150. Geburtstag des großen Sohnes werde Ministerpräsident Winfried Kretschmann am 17. Januar eine große Torte anschneiden - in guter Tradition natürlich 150 Pound (68 Kilogramm) schwer.

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