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Film: Christo als Lehrer - 15 Jahre Kaderschmiede für den Film

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Christo als Lehrer - 15 Jahre Kaderschmiede für den Film

13.02.2017, 14:47 Uhr | dpa

Film: Christo als Lehrer - 15 Jahre Kaderschmiede für den Film. Der in Frankreich lebende bulgarische Künstler Christo spricht mit Nachwuchsfilmern.

Der in Frankreich lebende bulgarische Künstler Christo spricht mit Nachwuchsfilmern. Foto: Jens Kalaene. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) -  "Wenn du für ein Projekt brennst, dann solltest du es auch machen. So einfach ist das." Auf diesen Nenner bringt der amerikanische Verhüllungskünstler Christo die Botschaft, die er für junge Filmemacher hat.

Der 81-Jährige ist dieses Jahr Stargast beim Programm Berlinale Talents, das seit 15 Jahren vielversprechende Nachwuchskünstler aus aller Welt fit macht für die Traumfabrik Kino.

Klein und zierlich, mit wildem Haar und einfacher Sportjacke steht Christo im brechend vollen Saal des Berliner Theaters Hebbel am Ufer (HAU) und lässt sich Löcher in den Bauch fragen. In 50 Jahren habe er gemeinsam mit seiner 2009 gestorbenen Frau Jeanne-Claude 23 Projekte umgesetzt, für 37 habe er keine Erlaubnis bekommen, berichtet der Künstler, der seit der spektakulären Verhüllung des Reichstags 1995 eine besondere Beziehung zu Berlin hat. Das Wichtigste für die Arbeit sei ein langer Atem, vor allem aber Mut und Leidenschaft.

Für die rund 250 Teilnehmer aus 70 Ländern, die im Jubiläumsjahr an dem Nachwuchsprogramm teilnehmen dürfen, ist der Austausch mit erfahrenen Profis die wertvollste Erfahrung. Mehr als 5000 junge Leute haben bisher die Kaderschmiede durchlaufen. 131 von ihnen sind dieses Jahr mit eigenen Projekten auf dem renommierten Festival vertreten.

"Das Einzigartige an unserem Programm war von Anfang an, dass wir alle Gewerke berücksichtigen - vom Produzent, Regisseur und Schauspieler über den Kameramann und Sound-Designer bis zum Filmkritiker", sagt die Kulturwissenschaftlerin Christine Tröstrum (45), seit 13 Jahren in der Leitung des Programms. "Wir verstehen uns als Unterstützer im Schaffensprozess."

Die handverlesenen Teilnehmer, meist Absolventen von Filmhochschulen, werden aus jährlich 3000 bis 4000 Bewerbern weltweit ausgesucht. In Diskussionsrunden, Workshops und speziellen Mentoringprogrammen lernen sie alles, was zur Umsetzung von Filmideen im harten Alltagsgeschäft nötig ist. Die 1,2 Millionen Euro jährlich für das Programm kommen aus öffentlichen Fördertöpfen und von Sponsoren.

"Courage: Against All Odds" - "Mut: Trotz aller Widrigkeiten" heißt das diesjährige Motto. Und nach dem vielbeachteten Auftritt von Dreifach-Oscar-Preisträgerin Meryl Streep (67) im vergangenen Jahr haben sich erneut zahlreiche Prominente als Experten zur Verfügung gestellt - neben Christo etwa auch die Filmemacher Agnieszka Holland, Ana Lily Amirpour, Andres Veiel, Gob Squad, Isabel Coixet und Raoul Peck.

Der diesjährige Jurypräsident Paul Verhoeven (78) und das Jurymitglied Maggie Gyllenhaal (39) bestreiten gleich die Eröffnungsdebatte am Sonntag. Die US-Independent-Schauspielerin Gyllenhaal zeigt unbekümmert einen Ausschnitt aus ihrem ersten großen Kinoerfolg, als sie in Steven Shainbergs "Secretary" 2002 eine masochistische Sekretärin spielt. "Ich wusste auf Anhieb: Dieses Drehbuch ist für mich geschrieben", erzählt sie. "Es hat etwas, das ich erkunden muss."

Und der niederländische Skandalregisseur Verhoeven ("Elle") gibt nochmals Einblick in seine legendäre Verhörszene aus "Basic Instinct" (1992), in der eine knapp bekleidete Sharon Stone, sichtlich ohne Slip, vor den Ermittlern lasziv die Beine übereinanderschlägt. "Man hat bei der Arbeit nicht immer gleich das Gefühl, etwas Großes zu machen", sagt Verhoeven. "Ich hätte nie gedacht, dass der Cutter diese Szene reinnimmt. Er war so ein netter katholischer Typ."

Aber natürlich wollen die jungen Filmemacher vom Altmeister auch etwas zu der Frage hören, die fast jeden dieses Jahr auf dem Festival umtreibt. "Mit den Mitteln des Films auf die Krise zu reagieren, die wir derzeit durch Herrn Trump erleben, wäre extrem schwierig", sagt Verhoeven. Es brauche zeitliche Distanz. "Die Kunst zur politischen Stellungnahme zu verpflichten, wäre Diktatur."

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