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Roland Emmerich über Trump: Reality Show im Weißen Haus

18.03.2017, 17:22 Uhr | dpa

Leute - Roland Emmerich über Trump: Reality Show im Weißen Haus. Roland Emmerich vermisst in den USA die Küche seiner Mutter.

Roland Emmerich vermisst in den USA die Küche seiner Mutter. Foto: Bernd Weissbrod. (Quelle: dpa)

Stuttgart/Los Angeles (dpa) - Wegen Präsident Donald Trump macht sich Starregisseur Roland Emmerich (61) große Sorgen um seine Wahlheimat USA.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagt der gebürtige Stuttgarter auch, wie es um den deutschen Nachwuchs in der Traumfabrik Hollywood bestellt ist, und woran er gerade arbeitet.

Frage: Sie sind Amerika-Fan. Aber haben Sie nach der Wahl von Donald Trump nicht den Glauben in ihre Wahlheimat verloren?

Antwort: So im Alltag spürt man es kaum. Aber es wird viel demonstriert, was ich vielleicht auch ganz gut finde. Das Land hat sich so ein bisschen politisiert. Den Leuten ist klar geworden, dass Wahlen Dinge von einem Tag auf den anderen verändern können.

Frage: Wie sehen Sie Trump?

Antwort: Immer noch sehr negativ. Wir haben jetzt eine Reality Show im Weißen Haus. Schon seine Wahlversprechen waren furchtbar. Ich glaube nicht, dass es eine gute Sache ist, wenn man Mauern baut.

Frage: Viele politische Beobachter waren überrascht. Sie auch?

Antwort: Alle waren total überrascht. Vielen war nicht klar, wie stark die Stimmung auf dem Land gegen die Demokraten war. Trump hat dort einen ganz gezielten, einen Superwahlkampf gemacht. Soziale Gerechtigkeit wird aber nicht durch Trump passieren. Für seine Wähler wird es ein ganz böses Erwachen geben. Speziell für die Leute auf dem Land. Die werden plötzlich etwa merken, dass etwa ihre Krankenversicherung nicht mehr so ist, wie sie mal war.

Frage: Wie beurteilen Sie die Entwicklung in Deutschland mit dem Aufkommen der AfD?

Antwort: Um Deutschland mache ich mir keine Sorgen. Ich mache mir ein bisschen um die EU Sorgen. Ansonsten muss man sich eher um Amerika Sorgen machen.

Frage: Welche Filmpläne haben Sie?

Antwort: Am weitesten ist ein Projekt mit Mark Gordon (Produzent). Da geht es um die Luft- und Seeschlacht 1942 um die Insel Midway im Pazifik im Zweiten Weltkrieg. Ausgehend von Pearl Harbor werden die nächsten Monate erzählt.

Frage: Welche Trends sehen Sie in Hollywood?

Antwort: Ungefähr die Hälfte der Filme basiert auf Comics. Ich weiß nicht, wie das passiert ist. Der Vorteil ist: Die Titel sind schon bekannt. Disney hat sich Star Wars, Pixar und Marvel geschnappt. Und dann verfilmen sie jetzt alle ihre Animationshits als Realfilme. Disney wird wahrscheinlich für 30 Jahre die Nummer eins sein.

Frage: Ihr Film "Independence Day: Wiederkehr" war für den Schundpreis Goldene Himbeere nominiert. Wie sehen sie den Film heute?

Antwort: Alles musste sehr schnell gehen. Als Will (Smith) nein gesagt hat, hätte ich auch nein sagen sollen. Dann haben mich die anderen Leute überredet, es doch zu machen. Bei Filmen weiß man nie, ob sie erfolgreich werden. Sonst könnte ich ja sagen: Ich drehe gerade einen Hit.

Frage: Welche Rolle spielen deutsche Filmemacher in Hollywood?

Antwort: Hollywood hat immer schon Ausländer engagiert. Schon in den 20er-Jahren. Durch den Faschismus in Europa sind viele Europäer nach Amerika gezogen. Man hat mit amerikanischen Filmen schon immer mehr Leute erreicht als mit deutschen Filmen.

Frage: Wer kommt nach?

Antwort: Da gibt es viele. Den Robert Schwentke etwa. Und auch eine neue Generation. Tim Fehlbaum könnte einer sein. Es wird weitergehen. Das kommt immer so in Wellen.

Frage: Sie erhalten den nach Hollywood-Gründer Carl Laemmle benannten Produzentenpreis. Er war Schwabe, Sie auch. Wie viel Schwabe steckt noch in Ihnen?

Antwort: Total viel. Ich habe auch das Gefühl, dass mir das zu Gute gekommen ist in Hollywood. Wir Schwaben sind uns sehr bewusst, wie unsere Budgets sind. Ich habe immer versucht, Filme zehn, zwanzig Prozent günstiger zu machen als meine Kollegen. Das hat sich rumgesprochen.

Frage: Was vermissen Sie in Amerika?

Antwort: Ich freue mich immer auf die Küche von meiner Mutter. Neulich gab es Spargel, den bekommt man ganz selten in Amerika. Im Hotel habe ich zum Frühstück Weißwürste gegessen. Ich habe ja in München studiert.

ZUR PERSON: Roland Emmerich (61) wurde in Stuttgart geboren. Er studierte an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film. Er gilt als erfolgreichster deutscher Regisseure in Hollywood. 1995 brach Emmerichs Film "Independance Day" mit Will Smith dort alle Rekorde.

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