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Caine und Freeman: "Ruhestand? Bloß nicht!"

10.04.2017, 11:14 Uhr | dpa

Film - Caine und Freeman: "Ruhestand? Bloß nicht!". Michael Caine war als junger Mann überzeugt, dass er mit seinem Beruf weder Geld verdienen noch berühmt werden könnte.

Michael Caine war als junger Mann überzeugt, dass er mit seinem Beruf weder Geld verdienen noch berühmt werden könnte. Foto: Guillaume Horcajuelo. (Quelle: dpa)

London (dpa) - In der Neuauflage der US-Komödie "Abgang mit Stil" (Filmstart: 13. April) planen der 84-jährige Michael Caine und der 79-jährige Morgan Freeman einen Banküberfall, weil ihre Firmenrente gestrichen wurde.

Im richtigen Leben plagen die Filmveteranen keine Geldsorgen. Im dpa-Interview plaudern beide über Selfie-Wahn und Alter und verraten, was sie vom Ruhestand halten.

Frage: Sie beide drehen offenbar gern miteinander. Was macht die gute Zusammenarbeit aus?

Caine: Die Gelassenheit zwischen uns.

Freeman: Ja, genau, das ist wie eine Komfortzone.

Caine: Das ist anders, als wenn zwei junge Schauspieler an einem Film zusammenarbeiten. Ich erinnere mich an früher, da gab es große Spannungen. Und diese Entspannung zu erreichen, machte drei Viertel des Schauspieljobs aus. Das konnten wir uns jetzt sparen. Wir sind schon entspannt. Wir kennen uns seit Jahren und haben sechs Filme zusammen gemacht. Wir mögen uns sehr und es ist ein Wunder, dass sie uns überhaupt dafür bezahlen. [lacht]

Freeman: [lacht] Das stimmt.

Frage: Gibt es noch sowas wie Konkurrenz am Set?

Freeman: In unserem Alter nicht mehr.

Caine: Nein. Uns fehlt es ja an nichts. Mir fällt nichts ein, was einer von uns hat, was der andere nicht hat?

Freeman: Eben.

Caine: Siehst du.

Freeman: Naja, eins hab ich doch, was du nicht hast.

Caine: Was denn?

Freeman: Ich hab Urenkel.

Caine: Was hast du?

Freeman: Urenkel!

Caine: Ja! Ich hab nur Enkel. Und er hat Urenkel.

Frage: Empfinden Sie noch sowas wie Druck?

Freeman: In der Öffentlichkeit empfinde ich Druck. Denn ich kann nicht mehr die Straße entlang gehen, nicht mehr einkaufen und nicht mehr spazieren gehen. Das ist für mich eine Belastung.

Caine: Ich gehe noch spazieren. Ich setze eine Baseballmütze auf und dann erkennt niemand, wer ich bin.

Freeman: Das ist unglaublich. Leider habe ich diese Fähigkeit verloren.

Frage: Gilt das auch für Ihre Heimatstadt Charleston?

Freeman: Nein. Charleston ist ja so klein, dass es man es kaum Stadt nennen kann. Wir haben nicht mal eine Ampel. Die wenigen Leute, die dort wohnen, haben nicht lang gebraucht, um sich daran zu gewöhnen, dass ich nach Hause gekommen bin. Aber im Rest der Welt ist das anders. In New York City habe ich einmal den Verkehr lahmgelegt. Ich halte kurz an, um ein Gespräch zu führen, schon haben alle ihre Kamera draußen.

Caine: Jeder hat heute eine Kamera. Immer diese Selfies.

Frage: Finden Sie die Selfies aufdringlich?

Freeman: Sehr aufdringlich! Die kommen einfach an und knipsen sich mit dir. Und ich denke mir: Bitte lass mich in Ruhe! Wer bist du?

Caine: Fotos zu machen stört mich nicht. Aber Fotos zu unterschreiben, das hasse ich. Denn ich weiß, dass die verkauft werden. Einmal hab ich ein Autogramm gegeben und der Typ konnte meinen Namen nicht lesen. Da fragt er mich: Wie heißen Sie?

Freeman: [lacht] Ja, das kommt auch vor. Leute kommen auf dich zu und fragen: Sind Sie berühmt?

Caine: 75 bis 100 Dollar kostet ein Autogramm von mir im Internet. Ich hab gerade auf meinem Smartphone geschaut.

Frage: Im Film gibt es eine Szene, in der Sie beide gemeinsam mit Alan Arkin die Reality-TV-Sendung "The Bachelor" schauen ...

Freeman: Jeder spricht uns auf diese Szene an.

Caine: Das ist wirklich erstaunlich ...

Frage: Hatten Sie diese Sendung jemals vorher gesehen?

Beide: Nein!

Caine: Ich wusste nicht mal, was das ist.

Frage: Was halten Sie von der Show?

Caine: Ich mag das Mädchen. Mir gefällt ihr Kleid. [lacht]

Frage: Wie erholen Sie sich in Ihrer Freizeit?

Caine: Ich erhole mich in meinem Landhaus. Ich habe drei Enkel, siebenjährige Zwillinge und einen achtjährigen Jungen. Mit denen entspanne ich. Außerdem bin ich Koch und Gärtner. Ich koche also mit meinen eigenen Zutaten. Dann weiß ich, dass alles organisch ist.

Freeman: Ich spiele Golf. Und ich trainiere regelmäßig. Ich hab einen Fitnessraum direkt neben meinem Schlafzimmer. Ich muss mir also nicht mal was anziehen, um zu trainieren. [lacht] Und zwischen Training und Golf habe ich das Glück, meine Zeit mit einer relativ jungen - jünger als ich jedenfalls - unglaublich attraktiven Lady verbringen zu dürfen. Und das ist sehr belebend.

Frage: Im Film sprechen Sie offen über das Altern und den Tod. Ist das etwas, was Sie auch im richtigen Leben beschäftigt und vielleicht sogar besorgt?

Freeman: Ob ich mir über den Tod Sorgen mache? Kein Stück. Warum sollte ich?

Caine: Um Himmels Willen, nein. Du musst sowieso irgendwann abtreten. Das ist überhaupt nicht wichtig.

Frage: Was treibt Sie nach all den Jahren noch an zu arbeiten?

Freeman: Ich weiß nicht, was ich sonst im Leben machen sollte. Ruhestand? Bloß nicht! Nichts liegt mir ferner. Wenn das Telefon für mich als Schauspieler irgendwann nicht mehr klingelt, dann will ich Regisseur sein oder Produzent. Irgendwie werde ich dabei bleiben, selbst wenn ich schon im Rollstuhl sitze.

Caine: Ich werde immer nur Schauspieler bleiben, weil ich gern früh Feierabend mache. Und als Regisseur muss man immer noch länger bleiben. Als ich damals am Theater anfing, bin ich nicht Schauspieler geworden, um reich oder berühmt zu werden oder um in Filmen zu sein. Weil ich wusste, dass das nicht passieren würde. Das haben mir immer alle gesagt und ich habe zugestimmt. Ich habe einfach nur versucht, der beste Schauspieler zu sein, der ich selbst sein konnte. Und bis heute ist das mein Antrieb: Kann ich besser sein, als im letzten Film? Abgesehen davon, dass ich jetzt auch ein bisschen Geld dafür bekomme. [lacht]

Zur Person: Sir Michael Caine wurde 1933 als Maurice Joseph Micklewhite in London geboren. Er war in über 100 Filmen zu sehen, darunter "Alfie" (1966), "Dressed To Kill" (1980) und "The Dark Knight" (2008). Er gewann zweimal den Oscar als Bester Nebendarsteller - für die Woody-Allen-Komödie "Hannah und ihre Schwestern" (1986) und das Drama "Gottes Werk und Teufels Beitrag" (1999).

Morgan Freeman wurde 1937 in Memphis, Tennessee geboren. Er spielte unter anderem in "Die Verurteilten" (1994) und "Sieben" (1995) mit. 2004 wurde er mit dem Oscar als Bester Nebendarsteller für das US-Drama "Million Dollar Baby" ausgezeichnet. Für den Film "Driving Miss Daisy" (1989) erhielt er den Golden Globe als Bester Hauptdarsteller.

Abgang mit Stil, USA 2017, 96 Min., FSK ab 6, von Zack Braff, mit Michael Caine, Morgan Freeman, Alan Arkin, Ann-Margret

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