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Papst Benedikt und die Suche nach dem Angesicht Jesu

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Benedikts Suche nach dem Angesicht Jesu

21.11.2012, 08:58 Uhr | dpa

Das neue Buch von Papst Benedikt in verschiedenen Ausgaben.

Das neue Buch von Papst Benedikt in verschiedenen Ausgaben. (Quelle: dpa)

Rom/Würzburg (dpa) - Seit Jahren schon urlaubt Joseph Ratzinger nicht mehr wie früher in den Bergen Norditaliens. Vielmehr zieht es ihn an den Schreibtisch in seiner so beschaulich über dem Albaner See gelegenen Sommerresidenz Castel Gandolfo.

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In diesem Jahr hat der Bücherwurm und Vielschreiber gleich Monate dort verbracht. Mitte August verkündete Papst Benedikt XVI. dann, was er fernab des Vatikans abgeschlossen hatte: "Endlich kann ich das seit langem versprochene kleine Buch über die Kindheit Jesu in die Hände des Lesers legen." Es vollendet die päpstliche Jesus-Trilogie und erscheint an diesem Mittwoch. Die ersten beiden Bücher waren weltweite Bestseller.

Wenn es nach Erzbischof Robert Zollitsch geht, wird sich auch das neue Buch des Papstes gut verkaufen. Grundlage dafür sei vor allem die "gute Sprache", ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) überzeugt. "Dank der guten Sprache von Papst Benedikt kann es wirklich von der Breite der Bevölkerung verstanden werden." Er selbst habe das Buch eine Woche vor dem Erscheinen bekommen und es auf seinen Reisen gelesen. Allerdings "nicht in einem Rutsch", wie er am Dienstag in Würzburg gesteht.

Auch der Kulturminister des Papstes, Kardinal Gianfranco Ravasi, schwelgte am Dienstag über das Werk ohne "orakelhafte und esoterische Selbstbezogenheit". Benedikt habe dabei alles, was man sagen könne, klar gesagt.

Schreiben kann schon anstrengend sein, vor allem wenn der Theologe Ratzinger gefragt ist. Letztlich scheint es aber mehr noch ein Vergnügen für den 85-Jährigen zu sein. Und wenn das Oberhaupt der katholischen Weltkirche über den Stifter der christlichen Religion schreibt, wie er in Bethlehem in einer Krippe angebetet wird, ist das für Benedikt seine ganz persönliche Suche "nach dem Angesicht des Herrn", wie es in einem Psalm heißt. Zum Erscheinen des 176-Seiten-Werkes mit den Kindheitsgeschichten Jesu bittet der Autor dann zwar die Leser um einen Vorschuss an Sympathie, lädt sie aber auch zum Widerspruch ein.

"Dieses Buch ist in keiner Weise ein lehramtlicher Akt", beteuert der Papst. Zollitsch betont, dass Ratzinger es "nicht nur für Fachtheologen, sondern auch für interessierte Laien" geschrieben hat. Das neue Buch habe eine grundlegende Bedeutung, um das Leben und Wirken von Jesus zu verstehen. Als "logische Ouvertüre" beschreibt Zollitsch den dritten Band.

Vor den Kindheitserzählungen hatte der Pontifex bereits zwei Bände über Jesus von Nazareth veröffentlicht. Vor fünf Jahren "Von der Taufe im Jordan bis zur Verklärung" und vor einem Jahr dann "Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung." Beide Bände stießen auf großes Interesse bei den Gläubigen, allein die deutschen Ausgaben gingen nach Angaben des Freiburger Herder-Verlages 500 000 mal (Band I) beziehungsweise 150 000 mal (Band II) über den Ladentisch.

Was jetzt folge, sei eigentlich kein dritter Band, "sondern eine Art kleiner Vorraum" zu den ersten beiden Bänden, sagt der Papst. Es ist sein Dialog mit den Evangelisten Matthäus und Lukas, die über das Kind Jesu erzählt haben. Solche Fragen beschäftigten ihn, zählt Benedikt auf: Ist das alles wahr so? Geht es mich an? "Nur wenn das historisch wahr ist - und das aufzuzeigen, ist das Anliegen dieses Buches - ist der Glaube begründet und greift nicht ins Leere", sagt Erzbischof Zollitsch dazu während der Buchvorstellung.

Benedikt, früher lange der oberste Glaubenshüter seiner Kirche, kommt zu einem wenig verwunderlichen Schluss - was die Evangelien darstellen, ist verlässlich. So gebe Lukas eine ebenso genaue wie detaillierte Zeitangabe des historischen Augenblicks der Geburt Jesu in einem Stall in Bethlehem. Auch der geografische Ort werde exakt angegeben.

Der Mailänder Großverlag Rizzoli hat die Weltrechte an dem in Deutsch geschriebenen Buch, stellte es bereits auf der Frankfurter Buchmesse vor und kündigte damit einen Weihnachtsbestseller an. Rizzoli verhandelte mit Verlagshäusern aus 32 Ländern über die Übersetzungen in 20 Sprachen. In Italien kommt Benedikts jüngstes Werk - zeitgleich mit der deutschen Ausgabe des Herder-Verlages - in einer Erstauflage von 300 000 Exemplaren heraus. In Deutschland ist eine Startauflage von 100 000 Exemplaren geplant.

Quelle: dpa

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