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"Die Kommerzialisierung von Pussy Riot ist in vollem Gange"

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Pussy Riot erobern den Buchmarkt

30.11.2012, 15:07 Uhr | dpa

Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot im Gerichtssaal: Yekaterina Samutsevich (l-r), Maria Alyokhina und Nadezhda Tolokonnikova.

Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot im Gerichtssaal: Yekaterina Samutsevich (l-r), Maria Alyokhina und Nadezhda Tolokonnikova. (Quelle: dpa)

Moskau/Hamburg (dpa) - Die in Straflager verbannten Künstlerinnen der russischen Punkband Pussy Riot mischen nach ihrer Kirchen-Aktion gegen Kremlchef Wladimir Putin nun auch den Buchmarkt auf.

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Vier Bücher, darunter "Pussy Riot! Ein Punk-Gebet für Freiheit" in der Hamburger Edition Nautilus, beleuchten inzwischen den Fall der Musikerinnen, die die "unheilige Allianz" zwischen Kreml und Kirche kritisieren, dafür in Haft kamen und so international bekanntwurden.

Die Autoren kritisieren die Justizwillkür in Russland und loben den Mut der jungen Frauen, für das Recht auf Meinungsäußerung ihre Gesundheit und Freiheit zu opfern. Nachzulesen sind in der deutschen Broschüre auch die Gedichte der unerschrockenen Feministinnen sowie ihre glühenden Reden vor Gericht, das sie zu zwei Jahren Straflager wegen Rowdytums aus religiösem Hass verurteilt hatte. Ein Teil des Bucherlöses werde der Band zugutekommen, teilte eine Verlagssprecherin mit.

Doch die russische Justiz lässt auch nach dem Urteil nicht locker. Ein Moskauer Gericht stufte am Donnerstag ein Internetvideo von der politischen Kirchenaktion als "extremistisch" ein und verbot damit den Clip offiziell. Das Punk-Konzert in der Erlöserkathedrale sei ein Aufruf zu Unruhen nach dem Vorbild des Arabischen Frühlings, meinte Richterin Marina Mussimowitsch.

In Nowosibirsk ging die Justiz weiter gegen den Künstler Artjom Loskutow vor, der T-Shirts der mit Strumpfmasken auftretenden Punkband vertreibt. Experten verteidigen die Aktionen der 2011 gegründeten Frauengruppe als Kunst. So hatte im August der Kulturforscher Alek Epstejn in seinem Band "Kunst auf den Barrikaden" Pussy Riot als Trendsetter in der aktuellen Szene russischer Protestkunst gelobt.

Auch die Moskauer Journalistin Wera Kitschanowa solidarisierte sich in ihrem am Donnerstag im Internet veröffentlichten Buch "Pussy Riot. Podlinnaja Istorija" (Die wahre Geschichte) mit den Frauen. Pussy Riot stehe für mutigen Protest gegen totalitäre Verhältnisse. Kitschanowa gilt als Freundin der inhaftierten Nadeschda Tolokonnikowa (23), die wie ihre Mitstreiterin Marina Aljochina (24) in der Erlöserkathedrale dafür gebetet hatte, dass Russland von Putin erlöst werden möge.

Kitschanowa sowie der Hamburger Verlag betonten, dass ihre autorisierten Bücher nichts mit dem zuletzt in Moskau verlegten Titel "Pussy Riot. Tschto eto bylo" (Was war das!) zu tun habe. Das Buch im Algoritm-Verlag war auf Initiative der früheren Anwälte der Punkband erschienen, die sich inzwischen aber im Streit getrennt haben.

Um die Marke Pussy Riot ist Medien zufolge eine Schlacht entbrannt, weil alle damit Geld verdienen wollten - nur die Band nicht, die darin die Prinzipien des Punk verletzt sieht. "Die Kommerzialisierung der Gruppe Pussy Riot ist in vollem Gange. Und die Anträge auf einen Eintrag ins Markenregister werden inzwischen überall auf der Welt gestellt", sagte der frühere Verteidiger Mark Fejgin unlängst Moskauer Medien.

Vor allem die auf Bewährung freigelassene Jekaterina Samuzewitsch (30) empörte sich über Versuche, mit Pussy Riot Geld zu verdienen. Sie hatte sich als erste neue Anwälte gesucht, die nun planen, die beiden anderen bei einem neuen Gerichtsverfahren freizubekommen. Tolokonnikowa und Aljochina hoffen demnach darauf, dass ihre Strafe ausgesetzt wird, bis ihre beiden kleinen Kinder selbstständig sind. Auch Regierungschef Dmitri Medwedew hatte sich zuletzt mehrfach dafür ausgesprochen, die Frauen freizulassen.

"Pussy Riot! Ein Punk-Gebet für Freiheit", Edition Nautilus, Hamburg 2010, 128 Seiten, 9,90 Euro, ISBN 978-3-89401-769-9

Alek D. Epstejn: Iskusstwo na barrikadach, Verleger Viktor Bondarenko, Moskau 2012, ISBN 978-5-98144-161-5

Quelle: dpa

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