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Wiederentdeckt: Szilárd Rubins "Wolfsgrube"

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Wiederentdeckt: Szilárd Rubins "Wolfsgrube"

29.01.2013, 17:15 Uhr | dpa

Berlin (dpa) - Das Werk des Schriftstellers Szilárd Rubin (1927-2010) gilt als eine der bedeutendsten literarischen Wiederentdeckungen der vergangenen Jahre. Obwohl er bereits in den 50er Jahren Romane veröffentlichte, erfuhr der Autor erst am Ende seines Lebens eine späte Würdigung.

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So wurde die "Kurze Geschichte von der ewigen Liebe", ursprünglich 1963 erschienen, erst 2004 in Ungarn neu entdeckt. Als der Roman 2009 in deutscher Sprache herauskam, wurde er auch hier stürmisch gefeiert.

Rubins Kriminalgeschichte "Die Wolfsgrube" ist ebenfalls nicht mehr taufrisch. Bereits 1973 erschienen, hat der Rowohlt Verlag sie erst jetzt auf Deutsch herausgebracht. Die Handlung spielt in einem Landhaus in einem verschlafenen ungarischen Nest. Dort wollen sich sechs alte Schulfreunde und ihre Ehefrauen nach 15 Jahren wiedertreffen: Hauptmann Beke, der bei der Spionageabwehr tätig ist, der Biochemiker Decsi, der lange im Westen gearbeitet hat, der Journalist und Frauenheld Baksay und der geizige Dichter Vértes, der Apotheker Schwabik und der Gastgeber und Landarzt Doktor Haller.

Doch das nostalgische Treffen verläuft anders als geplant. Denn unter der Oberfläche leben die alten Feindschaften weiter, keimt neues Misstrauen. Als eine der Frauen erdrosselt im Zimmer liegt, muss Beke die Arbeit aufnehmen und steht vor vielen Rätseln. Betrieb das Mordopfer dunkle Geschäfte - und welche Rolle spielt dabei der Apotheker Schwabik? Was macht der Dichter Vértes mit einem dicken Geldbündel? Und welche Frau hat der Mediziner Haller wirklich geheiratet - eine im Krieg untergetauchte Jüdin oder eine Faschistin? Wie weit würde Frau Schwabik in ihrer Eifersucht gehen, welche Rolle spielt die undurchsichtige Arzthelferin, und ist der Biochemiker Decsi wirklich der, für den er sich ausgibt?

Eine unübersichtliche Gemengelage, zusätzlich angereichert durch eine plötzlich auftauchende Zyankalikapsel, giftige Pilze und ein dubioses Wildschweingulasch, das nie serviert wird. Wie schon in dem von Kritikern gefeierten Buch "Kurze Geschichte von der ewigen Liebe" wirkt auch die Handlung in "Die Wolfsgrube" anachronistisch. Ein Kriminalroman wie aus der Zeit gefallen, erinnert er doch stark an die besten Mordgeschichten aus der Feder einer Agatha Christie. Wie bei ihr sind Ort und handelnde Personen beschränkt, entwickelt sich die Dramatik in der mehr und mehr klaustrophobisch wirkenden Enge eines Landhauses, nimmt der Detektiv den Leser mit auf die verwirrende Suche nach den Motiven der Tat.

Der ahnt zwar schon bald, wer das Landhaus nicht lebend verlassen wird, rätselt aber bis zum Schluss, wer der Mörder ist, der am Ende nach bester Hercule-Poirot Manier aus dem Hut gezaubert wird. Die eigentliche Kriminalstory wirkt zwar etwas betulich, reichlich konstruiert und am Schluss verwirrend. Doch der Leser wird durch den Umstand mehr als entschädigt, dass Rubin neben der klassischen Kriminalhandlung gleichzeitig das Bild einer zerrissenen und zutiefst argwöhnischen Gesellschaft entwirft. Niemand dort traut dem anderen über den Weg, jeder fühlt sich überwacht, bespitzelt oder vom politischen System instrumentalisiert - eine zeitlose Parabel auf die Wolfsnatur des Menschen.

Szilárd Rubin: Die Wolfsgrube. Rowohlt Verlag, Berlin, 208 Seiten, 17,95 Euro, ISBN 978-3-87134-753-5

Quelle: dpa

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