15.03.2013, 16:31 Uhr | dpa
Göttingen/Leipzig (dpa) - Seit fast 30 Jahren schafft es Wallstein regelmäßig, mit bemerkenswerten Büchern zu überraschen. Auf der Leipziger Buchmesse wurde der Göttinger Verlag für sein Programm ausgezeichnet. Verleger Thedel von Wallmoden will Bücher machen, die bleiben, wie er sagt.
Beim Bier in einer Göttinger Studentenkneipe entstand die Idee zur Gründung des Wallstein Verlags. Eigentlich wollten Thedel von Wallmoden, Dirk und Frank Steinhoff 1986 auf diese Weise nur die Endphase ihres Studiums finanzieren. Doch auf einen Kneipenführer, Busfahrpläne und Speisekarten folgten literarische Entdeckungen und 1992 mit Ruth Klügers "weiter leben. Eine Jugend" sogar ein Weltbestseller. Die Erinnerungen der gebürtigen Wienerin wurden seither allein in deutscher Sprache mehr als eine halbe Million Mal verkauft.
Am Freitag wurde der Wallstein Verlag auf der Leipziger Buchmesse mit dem Kurt-Wolff-Preis für besondere verlegerische Leistungen unabhängiger Verlage geehrt. "Ganz große Erfolge in unserer Branche sind oft ganz große Zufälle", sagt Verleger von Wallmoden, der nach dem Ausstieg der Steinhoff-Brüder 72 Prozent der Inhaberanteile hält. Als Doktorand am Institut für Germanistik der Uni Göttingen hatte er die Gastprofessorin Klüger kennengelernt. Als der Suhrkamp Verlag die Veröffentlichung ihrer Autobiografie ablehnte, bekam der junge Wallstein Verlag den Zuschlag.
"Das Buch hat eine ganz neue Art Holocaust-Literatur angestoßen", sagt von Wallmoden. "Es war neu, in dieser Art über den Völkermord an den europäischen Juden zu sprechen, ohne die schrecklichen Details zu wiederholen." Der 54-Jährige möchte Bücher machen, die bleiben - Marksteine, wie er sagt. Schwerpunkte im Programm sind die Epoche der Aufklärung und die Zeit des Nationalsozialismus. Der Verlag kooperiert mit zahlreichen Institutionen, unter anderem ist er deutscher Partner der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.
Vor acht Jahren stieg Thorsten Ahrend als Gesellschafter mit 20 Prozent der Verlagsanteile ein. Der ehemalige Suhrkamp-Lektor hat ein Belletristik-Programm aufgebaut. "Im Zentrum steht die deutschsprachige Literatur. Wir machen viele Debüts", sagt Ahrend. Zahlreiche Erfolge konnte seine Sparte seither verbuchen, etwa Maja Haderlaps Roman "Engel des Vergessens" - für einen Auszug daraus wurde die Österreicherin 2011 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.
22 feste Mitarbeiter begleiten bei Wallstein 130 bis 140 Neuerscheinungen im Jahr. Der Umsatz liegt bei etwa drei Millionen Euro. Die Zukunft anspruchsvoller Bücher - ganz gleich ob Belletristik, Wissenschaft oder Editionen - sieht von Wallmoden nicht bedroht. "Das Buch hat den Weg ins digitale Zeitalter perfekt überstanden", ist er überzeugt.
15.03.2013, 16:31 Uhr | dpa
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