17.03.2013, 13:15 Uhr | dpa
Der Autor und Literaturkritiker Helmut Böttiger wurde in Leipzig für sein Buch über die Gruppe 47 ausgezeichnet. (Quelle: dpa)
Berlin (dpa) - Die Gruppe 47 mit Aushängeschildern wie Günter Grass, Heinrich Böll und Hans Magnus Enzensberger ist längst ein Mythos. Für sein Buch über die legendäre Schriftstellervereinigung "Die Gruppe 47" erhielt der Literaturkritiker Helmut Böttiger bei der Leipziger Buchmesse den renommierten Sachbuchpreis.
In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagt der 56-Jährige, warum die Gruppe Geschichte schrieb.
Zerstören Sie mit Ihrem Buch Illusionen?
Böttiger: "Viele Klischees, die es über die Gruppe 47 gibt, treffen einfach nicht zu. Es war immer eine widersprüchliche und heterogene Gruppe, die aber eine ganz wichtige Rolle bei der Demokratisierung der Bundesrepublik nach der Nazi-Diktatur gespielt hat. Hier wurde erstmals wieder offene Kritik öffentlich geübt. Zwar ging es "nur" um Literatur, um literarische Texte. Aber allein, dass dieser Diskussionsstil gepflegt wurde, hatte per se etwas Politisches. Erst dadurch entstand eine Öffentlichkeit, in der dann Anfang der 60er Jahre die Auschwitz-Prozesse in Frankfurt stattfinden konnten."
Sie schreiben aber noch von einer anderen Rolle ...
Böttiger: "Ein wichtiger Aspekt ist bisher zu wenig beachtet worden. Nach meiner Einschätzung hat die Gruppe 47 auch den Grundstein für den heutigen Literaturbetrieb gelegt. Dass es bei uns den Beruf des Kritikers gibt, der wirklich davon lebt, Kritiker zu sein - das ist ein deutscher Sonderweg, das wurde bei den jährlichen Treffen der Gruppe 47 eingeführt. Aus der Praxis der Diskussionen dort entwickelte sich das heutige weit verzweigte Netz von Literatur-Veranstaltungen, Festivals, Lesungen und Gesprächen zwischen Autor und Moderator, das heute unsere Mediengesellschaft prägt."
Fehlt nicht manchmal eine moralische Instanz wie die Gruppe 47?
Böttiger: "Es gab schon früh eine Art Phantomschmerz, als die Gruppe 1967 zerbrach. Aber der Literaturbetrieb hat sich weiterentwickelt. Heute ist alles viel vernetzter, viel pluralistischer, es verteilt sich auf ganz viele unterschiedliche Leute, die den Literaturbetrieb ausmachen. Trotzdem gibt es natürlich immer noch Autoren, die politisch agieren, nur haben sie nicht mehr die Machtposition, wie sie die Gruppe damals verlieh. Heute ist der einzelne Schriftsteller zu sehr Subjekt, Individualist, Einzelkämpfer - der Zusammenschluss in einer Gruppe ist gar nicht mehr zu realisieren."
Gespräch: Nada Weigelt, dpa
17.03.2013, 13:15 Uhr | dpa
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