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Schriftsteller György Konrad wird 80

02.04.2013, 00:00 Uhr | dpa

Schriftsteller György Konrad wird 80. Stimme der abgeklärten Räson: György Konrad.

Stimme der abgeklärten Räson: György Konrad. (Quelle: dpa)

Budapest (dpa) - Nein, Angst habe er nicht, auch wenn er antisemitsch angefeindet werde, meinte neulich der ungarische Schriftsteller György Konrad im Interview mit der "Rheinischen Post". "Angst gehört nicht zu meinen Gewohnheiten", unterstrich er lapidar.

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Als "Vaterlandsverräter" sei er schon von den Kommunisten beschimpft worden, und nun werde er es von den heutigen Nationalisten.

Konrad, der am Dienstag (2. April) 80 Jahre alt wird, ist ein Überlebender des Holocaust. Die meisten seiner Verwandten und Klassenkameraden aus der ostungarischen Kleinstadt Berettyoujfalu, in der er als Sohn eines Eisenhändlers aufwuchs, wurden damals nach Auschwitz verschleppt und ermordet.

Als junger Mann arbeitete Konrad zunächst als Jugendfürsorger und Stadtsoziologe. Das Romandebüt "Der Besucher" veröffentlichte er 1969. Der schonungslose Blick auf die offiziell verleugneten Zonen des Elends im Realsozialismus brachte ihn zunehmend in Opposition zum Regime. Die - zusammen mit Ivan Szelenyi - verfasste systemkritische soziologische Analyse "Die Intelligenz auf dem Weg zur Klassenmacht" konnte nur im Untergrund erscheinen. Konrad handelte sich damit in Ungarn ein weitgehendes Veröffentlichungs- und Reiseverbot ein, konnte aber mit der Zeit im Westen publizieren.

Konrads Romane - später folgten unter anderem "Geisterfest" (1986), "Melinda und Dragoman" (1991), "Glück" (2003), "Sonnenfinsternis auf dem Berg" (2005) und "Das Buch Kalligaro" (2007) - sind große Erinnerungsliteratur. Mit spielerischer Leichtigkeit schafft sich der Autor seine eigenen erzählerischen Gesetze, fügt Porträts, Anekdoten und Abhandlungen in den Erzählfluss ein.

Dabei entstehen Sittenbilder von den gesellschaftlichen und moralischen Zuständen im ungarischen Gulasch-Kommunismus und der darauffolgenden Transformationszeit. Ebenso präzise wie sinnlich anschaulich künden diese von verratenen Idealen, zynischer Anpassung und resigniertem Außenseitertum. Im Spätwerk, darunter das Essaytagebuch "Das Pendel" (2011), überwiegt der abgeklärte Ton eines distanzierten Räsoneurs. "Will keinen Einfluss ausüben, verkaufe Kontemplation", heißt es da etwa.

Doch aus seiner Citoyen-Rolle ist Konrad seit der demokratischen Wende vor 23 Jahren nie geschlüpft. Mit Elan setzte er sich für die europäische Einigung ein. Von 1997 bis 2003 war er Präsident der Berliner Akademie der Künste, 2001 erhielt er den Aachener Karlspreis. Der Parade-Intellektuelle aus Ungarn wurde zur gesamteuropäischen Instanz. Der Essayist Karl-Markus Gauß meinte einmal halb-ironisch, Konrad wäre geeignet für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Europa, wenn es diese gäbe.

Auch pflegt Konrad seine warnende Stimme zu erheben, wenn in seiner Heimat antisemitische Strömungen aufkommen, wie eben auch in den letzten Jahren wieder. Dass unter der Regierung des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban Personen mit kruden rechtsextremen Anschauungen hohe staatliche Preise erhalten und im Land eine neue völkische Symbolik blüht, erfüllt nicht nur ihn mit Sorge.

Zum Verfall der Sitten gehört, dass ihn Staatsfunktionäre mit antisemitischen Untertönen anpöbeln. György Fekete, der von Orban geförderte Präsident der offiziösen Akademie der Künste, erklärte Ende des Vorjahres: "Auch einen György Konrad betrachtet das Ausland als Ungarn." Der Subtext: ein "Landesverräter" und Jude könne nur in fremden Augen als Ungar erscheinen.

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