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Literatur  

Wie das Buch in den Dschungel kommt

22.04.2016, 20:03 Uhr | dpa

Literatur: Wie das Buch in den Dschungel kommt. Bibliothekar Son Sothea mit Büchern, die die Hilfsorganisation Sipar hergestellt hat.

Bibliothekar Son Sothea mit Büchern, die die Hilfsorganisation Sipar hergestellt hat. Foto: Erin Hale. (Quelle: dpa)

Phnom Penh (dpa) - Im Büro der Organisation Sipar in Kambodscha riecht es richtig nach neuem Papier und druckfrischen Büchern. Die bunten Bände sind überall säuberlich aufgestapelt.

Ein kleiner Hase, der sich an eine Decke klammert, ist auf einem abgebildet, ein bärtiger Mann auf einem dicken Fisch ziert ein Comik-Buch.

Die Organisation versucht mit allen Mitteln, das Lesen in dem armen Land in Südostasien zu fördern. Wenn die Vereinten Nationen am 23. April zum Welttag des Buches die Literatur und das Lesen feiern, ist Sipar wieder mit seiner mobilen Bibliothek auf dem Land unterwegs.

Während ansprechende Kinderliteratur in viele Sprachen übersetzt wird, haben die Kleinen in armen Länder schlechte Karten: Es lohnt sich für Verlage zum Beispiel nicht, Übersetzungen in das nur in Kambodscha gesprochene Khmer zu finanzieren. In vielen Entwicklungsländern fehlen Geld und Expertise, wie Lerninhalte anschaulich dargestellt werden können. Sipar, überwiegend mit französischen Spenden finanziert, konzipiert deshalb seit 16 Jahren eigene Bücher und übersetzt auch schon mal Titel wie "Der kleine Prinz".

"Viele Leute sagen, die Kambodschaner haben keinen Bock aufs Lesen, aber das ist nicht wahr", sagt Sipar-Bibliothekar Son Sothea. "Wenn Kinder gute Bücher haben, wollen sie auch lesen." Die Herausforderungen sind groß: Schulen haben bis heute oft nur Frontalunterricht, bei dem Lehrkräfte die Kinder in riesigen Klassen mit Befehlen zum Auswendiglernen verdonnern. Spaß bleibt dabei auf der Strecke. Manche Familien ziehen ihre Kinder auch zur Feldarbeit heran und rauben ihnen die Chance, richtig Lesen zu lernen.

Die Kinder zu erreichen, ist eine Herausforderung. "Ich bin manchmal acht Stunden im Auto unterwegs, dann muss ich die Kisten auf kleine Boote verladen oder im Rucksack weitertragen", sagt die Australierin Karlee Taylor. Sie arbeitet im Nachbarland Laos für die Organisation "Creative Literacy". Sipar-Mitarbeiter schnallen Bücherkisten oft auf Mopeds und navigieren über rumpelige Dschungelpfade.

Beide Organisationen zeigen auch Lehrern, wie sie die Kinder mit moderneren Lehrmethoden bei der Stange halten können. "Sie sind es gewohnt, an ihren Textbüchern zu kleben, wir zeigen ihnen kreativere Wege", sagt Taylor. Während die Kinder im herkömmlichen Biologie-Unterricht etwa eine Passage über die Merkmale bestimmter Bäume von der Tafel abschreiben müssen, schlägt Taylor vor, Bilder malen zu lassen oder die Kinder aufzufordern, Blätter im Wald zu suchen.

Laut Statistik können in beiden Ländern mehr als 70 Prozent der Leute lesen und schreiben, aber wie weit die Fähigkeiten wirklich gehen, ist umstritten. Viele Kinder kommen über Klasse sechs oder sieben nicht hinaus. "Wer seine Lesefähigkeit nicht trainiert, verliert sie", sagt Santosh Kathri vom Büro der UN-Kulturorganisation Unesco in Kambodscha. "Wenn Familien um das tägliche Überleben kämpfen müssen, ist Lesefähigkeit keine Priorität."

Sipar will deshalb ältere Leser mit einem Trick zu den Büchern bekommen - auch, damit sie in Übung bleiben. Die Organisation hat Titel über Gartenanbau oder Tierpflege aufgelegt, die mit einfachen Texten und vielen Fotos und Bildern ausgestattet sind. Das Interesse daran sei groß, sagt Kathri, und die Lust am Lesen wachse, was auch wieder den Kleinen zu Gute komme. "Ältere Frauen kommen zu uns und sagen: nun kann ich mich auch mit meinen Kindern hinsetzen und ihnen bei den Hausaufgaben helfen", sagt er.

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