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Literatur - Blumenmädchen und Gefährtin: 1816 starb Goethes Frau

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Literatur  

Blumenmädchen und Gefährtin: 1816 starb Goethes Frau

03.06.2016, 08:29 Uhr | dpa

Literatur - Blumenmädchen und Gefährtin: 1816 starb Goethes Frau. Eine Büste Christianes von Carl Gottlob Weißer von 1811/12.

Eine Büste Christianes von Carl Gottlob Weißer von 1811/12. Foto: Martin Schutt. (Quelle: dpa)

Weimar (dpa) - Es ist ein Skandal im kleinen Weimar: Der berühmte Dichter Goethe wählt 1788 ein einfaches Blumenmädchen zu seiner Gefährtin.

"Eine Affäre hätten Adel und Bürgertum dem Dichter durchaus verziehen, dass er Christiane Vulpius aber in sein Haus nimmt, nicht", sagt der Literaturwissenschaftler Jochen Klauß vom Goethe-Nationalmuseum in Weimar. 28 Jahre lebten beide zusammen, zuerst in "wilder Ehe", ab 1806 mit Trauschein. Am 6. Juni 1816 stirbt Christiane von Goethe (1765-1816) nach monatelanger Krankheit.

"Sie war eine lebenstarke Frau, Goethes Muse, Gefährtin und die Stütze im kleinen Familienunternehmen", betont der Vorsitzende des Vereins Goethe-Nationalmuseum, Dieter Höhnl. In armen Verhältnissen aufgewachsen, passte sie nach Ansicht von Herzog und adligen Damen um die zuvor von Goethe zurückgewiesene Charlotte von Stein nicht zum Dichter. "Sie verkannten, dass ein Genie auch eine bürgerliche Seite braucht. Und das war Christiane", meint Klauß.

Im Juli 1788 treffen beide erstmals im Park an der Ilm aufeinander. Christiane ist gerade 23 Jahre alt und trägt als Putzmacherin in einer Manufaktur zun kärglichen Familienbudget bei. Sie will dem fast 39-jährigen Dichter eine Bittschrift ihres Bruders Christian August übergeben, des späteren Autors des Bestsellers "Rinaldo Rinaldino". "Goethe war heiratsscheu, das ist bekannt, und auf der Suche nach der freien Liebe, die er am Ende seiner Italienreise auch gefunden hat", sagt Klauß. Bei Christiane habe er seine Chance für so ein einzigartiges Lebensmodell gesehen. "Goethe war damit seiner Zeit um mehr als 200 Jahre voraus. Heute ist es normal, damals war es riskant."

Jahre später hat der Dichter in seinem Liebesgedicht "Gefunden" (Ich ging im Walde so für mich hin) diese Situation beschrieben. Er habe das Blümlein, eine Allegorie auf Christiane, mit all seinen Würzlein ausgegraben und sorgsam im Garten vor dem Haus wieder eingepflanzt, heißt es dort. Dies spreche für Goethe. Er habe immer schützend die Hand über sie gehalten und sie wegen ihrer Natürlichkeit, die sie all die Jahre trotz schwerer Zeiten behalten habe, geliebt.

Für die "feine" Gesellschaft im kleinen Weimar bleibt die Verbindung ein Affront. Christiane bekommt all die Häme und Erniedrigung, den Spott und Zurückweisung zu spüren. "Ein rundes Nichts", "die dickere Hälfte", "Kreatürchen" wird sie genannt. Sie könne nicht Lesen und Schreiben und sie trinke Alkohol. Dies ändert sich erst 1806, als beide nach dem Einmarsch der napoleonischen Truppen heiraten und aus Christiane Vulpius die Geheimräthin von Goethe wird. Sie soll sich damals mutig zwischen Goethe und betrunkenen Soldaten gestellt haben, sagt Klauß.

Von Johanna Schopenhauer, die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer, ist der Satz überliefert: "Wenn Goethe ihr seinen Namen gibt, dann können wir ihr auch eine Tasse Tee anbieten." Nach dem Tod Christianes wird Luise von Knebel sagen. "Die Frau ist viel beneidet worden und deshalb viel angefeindet und verleumdet."

"Christiane ist in der bürgerlichen Gesellschaft und Literatur in den vergangenen 200 Jahren in ihrer Gesamtheit nicht gut weggekommen", betont Höhnl. Noch Thomas Mann nannte sie ein "Stück Fleisch". Sigrid Damm habe 1998 in ihrem Recherchebuch "Christiane und Goethe" ein lebensnahes Bild des Paares vorgelegt.

Es stimme nicht, dass Christiane nicht Lesen und Schreiben konnte. In Briefen und dem Tagebuch, das sie bis kurz vor ihrem Tod führte, schrieb sie ein "breites Weimarisch", so wie sie sprach. Dies habe aber mit Bildungsferne nichts zu tun, sagt Klauß. Mit Schillers Frau Charlotte etwa, die im Ausland als Hofdame vorbereitet wurde, sei dies nicht zu vergleichen. Im mittleren Bürgertum konnte sie durchaus mithalten.

Das größte Unglück der Goethes: Von den fünf Kindern überlebt nur der Erstgeborene August. Die anderen sterben bei oder kurz nach der Geburt. Ärzte gehen heute von einer Unverträglichkeit beim Rhesusfaktor im Blut der Eheleute aus.

Christiane stirbt mit 51 Jahren. Ihre Todesursache ist nicht bekannt. Nach den Symptomen vermuteten Experten heute einen Hirntumor, meint Höhnl. Ein Goethe-Vers auf ihrem lange verschollenen Grab auf dem Jakobsfriedhof zeigt seinen Schmerz um den großen Verlust: "Du versuchst, o Sonne, vergebens / Durch die düsteren Wolken zu scheinen. / Der ganze Sinn meines Lebens / Ist, Ihren Verlust zu beweinen."

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